Kultur

Händels "Rinaldo" in Linz: Drei kurzweilige Stunden

Georg Friedrich Händels 300 Jahre alte Oper "Rinaldo" erlebte am Samstag im Linzer Musiktheater eine - besonders musikalisch - umjubelte Premiere. Ein Erfolgsrisiko für die 17 Jahre alte Inszenierung von Jens-Daniel Herzog bestand nach Aufführungen in Zürich, Bonn und Dortmund auch in Linz nicht. Drei Stunden barocke Klangpracht und gut 30 Arien sind zwar anspruchsvoll, Instrumentalisten, Gesangssolisten und Tanzensemble ließen dies aber in einer kurzweiligen Regie vergessen.

300 Jahre alte Barockoper in Linz SN/APA/Landestheater Linz/Prammer/H
300 Jahre alte Barockoper in Linz

Der klassische Opernstoff aus Liebe, Drama, Schmerz und Happy End spielt im Zeitalter der Kreuzzüge. Rinaldo, ein christlicher Ritter, rückt gegen Jerusalem vor, um die Stadt den Sarazenen zu entreißen. Almira, seine Geliebte, gerät dort in Gefangenschaft der Zauberin Almira, der Königin von Damaskus, und wird zum Spielball der feindlichen Lager. Nach vielen Wirrungen gibt es natürlich ein glückliches Ende. Der deutsche Regisseur verlegt die Handlung erwartungsgemäß in die Gegenwart. Kulisse dafür (Bühne und Kostüme Christian Schmidt) ist eine Art Flughafenterminal mit dem Charme der kalten Businesswelt.

Das musikalische Fundament der Aufführung bildet im Orchestergraben das rundum klangschön musizierende Bruckner Orchester Linz, das von Ingmar Beck am Pult (aber auch vom Cembalo aus) am Premierenabend schwungvoll und sensibel zu begeisternder Leistung geführt wurde. Gleich zwei Cembali, dazu Blockflöten, Barockgitarre und Theorbe ergänzen das klassische Instrumentarium. Eine besondere musikalische Delikatesse lieferte in der berührenden "Vogel-Arie" Blockflötist Michael Oman bei der Begleitung von Fenja Lukas als Almirena.

Die sängerischen Leistungen des Abends waren durchwegs geradezu sensationell, wobei die Damen in ihren koloraturreichen Arien besonders herausgefordert wurden: in den Hosenrollen Angela Simkin als Rinaldo und Celine Akcag als christlicher General Goffredo, sowie Ilona Revolskaya in der Partie der Zauberin Armida. Für den aus Oberösterreich stammenden Countertenor Alois Mühlbacher ist die Rolle des Eustazios eine "Heimpartie" - er bewältigte sie stimmlich und darstellerisch perfekt. Adam Kim ließ als König Argante die angesagte Indisposition nicht erkennen. Agiert wurde vom Solistenensemble mit großer Spiellust. Faszinierende Präzisionsarbeit vollbrachte das großartige Tanzensemble (Choreografie Ramses Sigl). Regisseur Jens-Daniel Herzog bereichert das Bühnengeschehen mit einer Fülle an Einfällen und Überraschungen, die im Finale geradezu überquellen. Sehenswert! Um es mit Loriot zu sagen - der auch im ausführlichen Programmheft zitiert wird, "man war begeistert"!

(S E R V I C E - "Rinaldo", Oper von G. F. Händel, Musikalische Leitung: Ingmar Beck, Inszenierung: Jens-Daniel Herzog, Bühne und Kostüme: Christian Schmidt. Mit Céline Akçağ - Goffredo, Fenja Lukas - Almirena, Angela Simkin - Rinaldo, Alois Mühlbacher - Eustazio. Weitere Vorstellungen am 18., 24. und 29. November sowie am 10. und 17. Dezember 2022, jeweils 19.30 Uhr im Musiktheater Linz, Großer Saal. www.landestheater-linz.at)

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