Kultur

Kircher fordert vom Volkstheater-Eigentümer mehr Engagement

In der Causa Volkstheater hat sich am Freitag Bundestheater-Holding-Chef Christian Kircher zu Wort gemeldet. Er begrüße, dass bisher in der Frage der Finanzierung des Hauses ein gute Gesprächsbasis zwischen Bund und Stadt Wien geherrscht habe, "was mich in der Sache verwundert, ist jedoch, dass der Eigentümer dabei vollkommen außen vor gehalten wird", sagte Kircher zur APA.

ÖGB sieht "keine rechtliche Verbindung mehr" SN/APA/ROLAND SCHLAGER
ÖGB sieht "keine rechtliche Verbindung mehr"

Eigentümer des Theaters ist über die Volkstheater-Privatstiftung der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB). Dass der Betrieb von den Subventionsgebern finanziert werde, sei richtig, würde sich der Eigentümer jedoch bei der Sanierung (die Bund und Wien mit jeweils bis zu 12 Mio. Euro und das Volkstheater mit 3,3 Mio. Eigenmitteln tragen) engagieren, "täten sich Bund und Stadt leichter", so Kircher. Auf einen zusätzlichen jährlichen Finanzierungsbedarf von 3 Mio. Euro hatte die Findungskommission die Summe beziffert, die erforderlich sei, um jene "schlüssigen und überzeugenden Konzepte" (so die Kommission in ihrem Protokoll), die im Bewerbungsprozess vorgelegt worden seien, tatsächlich umsetzen zu können.

Der zu mehr finanziellem Engagement aufgeforderte ÖGB wiederum stellte durch seinen Kommunikations-Chef Andreas Berger klar: "Mit Gründung der Volkstheater-Privatstiftung 1999 hat der ÖGB die Eigentümerschaft abgegeben. Es besteht keine rechtliche Verbindung mehr", so Berger am Freitag gegenüber der APA.

Der ÖGB sei zwar in der Stiftungsurkunde eingetragener Stifter, könne aber nicht mehr als Eigentümer angesehen werden. Jene sechs vom ÖGB in den 12-köpfigen Beirat der Volkstheater Privatstiftung entsandten Mitglieder (je drei entsenden seit vergangenem Jahr die Subventionsgeber Wien und Bund) handelten eigenverantwortlich und nicht dem ÖGB gegenüber weisungsgebunden. "Rechtlich gesehen gehört das Volkstheater sich selbst", sagte Berger. Ende Jänner hatte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung über die Zukunft des Volkstheaters freilich unwidersprochen den ÖGB als Eigentümer des Theaters genannt.

Dass die Kommission - zu der auch Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann gehört - nach Anhörung von neun der 72 Einreicher gar keinen Kandidaten für die Nachfolge von Direktorin Anna Badora vorgeschlagen habe, "verstehe ich nicht ganz", sagte Kircher. Dass es, um in der ersten Liga mitspielen zu können, deutlich mehr Betriebsbudget brauche, sei allen in der Branche lange bekannt. Gebe es dafür nicht genügend Mittel, müsse man eben nach einem Konzept suchen, das mit dem vorhandenen Budget eine spezielle Programmatik oder Zielgruppe abdecken könne.

Quelle: APA

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