Kultur

Maldeghem im Wortlaut

Warum zieht er das Salzburger Landestheater dem Schauspiel Köln vor? Carl Philip von Maldegehm gibt dazu folgende Erklärung:

"Meines Erachtens ist es ein Privileg, am Theater arbeiten zu können, vor allem wenn es mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. Das Theater ist ein magischer Ort, an dem wir einzelne Schicksale durchspielen, gesellschaftliche Anordnungen abbilden, an dem wir Veränderungen erfahren können und so den Rätseln der menschlichen Existenz auf die Spur kommen können.

Gleichzeitig ist das Theater als soziale Kunst ein fragiles Konstrukt. Deswegen braucht es auch außergewöhnliche Arbeitsbedingungen und Menschen, die bereit sind, miteinander eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens zu schaffen. Nur in entsprechend angstfreien Räumen kann man erwarten, dass die von den Schauspieler*innen erwarteten Grenzüberschreitungen stattfinden.

Insofern gehört ein sensibler, wertschätzender Umgang im Miteinander für mich zu den Grundbedingungen des Theatermachens. Und gerade in einem öffentlichen Theaterbetrieb und bei all denen, die damit beruflich befasst sind, sollten diese Tugenden eine selbstverständliche Verpflichtung sein.

Um ehrlich zu sein, bin ich schockiert von dem Mangel an Offenheit und Respekt und von den Vorurteilen, die von einigen Pressevertreter*innen über meine Arbeit in Salzburg und mich in die Welt gesetzt wurden und über die ahnungs-losen und neid-erfüllten Angriffe und Vorverurteilungen aus der Branche von Kolleg*innen.

Mein Beruf ist seit 17 Jahren der eines Intendanten, eines Theaterleiters. Ein Intendant ist ein Theater-Ermöglicher. Dazu braucht es gute Grundbedingungen und diese finde ich am Salzburger Landestheater vor. Insbesondere das deutliche Bekenntnis des Landeshauptmanns, die Arbeit in Salzburg und deren internationale Perspektive in Zukunft weiter steigern zu können, haben mich überzeugt, in Salzburg zu bleiben.

Das Schauspiel Köln hat viele Herausforderungen vor sich. Die unklare Sanierungssituation, die vergleichsweise wenigen Zuschauer und der entsprechend hohe Pro-Kopf-Zuschuss sind nur einige davon.
Mein Theaterbegriff geht von einem ,Theater der Teilhabe' aus. Wir leben in einer Demokratie und Theater sollte sich meines Erachtens ohne ästhetische und künstlerische Scheren im Kopf an ein möglichst breitgefächertes Publikum wenden, nicht nur an die eigene Branche, die sich in Internetforen spiegelt. Das scheint in Köln aber nicht gewollt gewesen zu sein.

Mir schwebt ein Theater vor, das die Menschen verbindet und nicht trennt. In diesem Sinne freue ich mich auf die weitere Arbeit in Salzburg", begründet Carl Philip von Maldeghem seine Entscheidung.

Quelle: SN

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