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Nächster Kunst-Coup für Galerie Ropac: Exklusive Betreuung des Erbes von Weltkünstler Joseph Beuys

Thaddaeus Ropac kehrt an den Ursprung zurück: Er holt aber kein Bier als Praktikant für den Weltkünstler Joseph Beuys, sondern ist ab sofort als Galerist weltweit für dessen Erbe zuständig.

Der Praktikant holt das Bier, während Weltkunst entsteht. Im Berliner Martin-Gropius-Bau wird eine Ausstellung vorbreitet. Keine ahnt, welch legendäre Schau daraus wird. Auch Thaddaeus Ropac weiß noch nicht, dass er später zu den wichtigsten Galeristen der Welt gehören wird. Er schleppt Kisten. Künstler Joseph Beuys werkt an etwas, das "Hirschdenkmäler" heißen wird.

Gut 30 Jahre später gehört diese Beuys-Installation der Galerie Ropac. Und am Freitag wurde bekannt, dass Ropac das gesamte Erbe von Beuys weltweit betreuen wird. Für die Werke des 1986 verstorbenen Deutschen gab es bisher keine Exklusivbetreuung. Für Ropacs Bedeutung im Kunstmarkt ist das ein weiterer Meilenstein, nachdem er zuletzt mit dem Verkauf des berühmten Flaschentrockners Marcel Duchamps Schlagzeilen machte.

"Begeistert und naiv war ich und komplett unerfahren", sagt Ropac am Freitag im SN-Gespräch über seine Zeit bei Beuys. Kunst war, was den damals 21-jährigen Kärntner berührte. Bevor er in Salzburg seine erste Galerie aufsperrte, hatte er deshalb 1982 unter anderem bei Beuys angeheuert. Beuys, einer der wichtigsten Künstler und auch Kunstphilosophen dieser Zeit, war zur Ausstellung "Zeitgeist" in Berlin eingeladen. Er wollte zunächst nicht mitmachen und jüngeren Künstler den Vortritt lassen. Dann jedoch wurde sein gesamtes Atelier von Düsseldorf nach Berlin übersiedelt. Ropac war dabei.

"Ich packte Kisten", sagt Ropac. Und der heute 57-Jährige stellt klar: "Wenn geschrieben wird, ich sei einer der Assistenten von Beuys gewesen, ist das Blödsinn." Und er fügt schmunzelnd hinzu: "Ich war Praktikant und habe Bier geholt."

Anlass für die Bekanntgabe der Zusammenarbeit zwischen Ropac und den Beuys-Erben - seiner Witwe Eva und den Kindern Wenzel und Jessyka - ist eine große Ausstellung in Ropacs Galerie in London. Es ist die erste große Beuys-Schau in der britischen Hauptstadt seit 14 Jahren. Da und dort wurden immer wieder Einzelstücke gezeigt. Bei Ropac aber gibt es nun einen Überblick von 1947 bis 1985. "Für mich war klar, dass ich Beuys in London machen will, seit es Pläne für unsere Galerie dort gab", sagt Ropac.

Schon seine Pariser Dependance hatte Ropac vor sechs Jahren mit einer Beuys-Schau eröffnet. Die "Hirschdenkmäler", in Paris noch als Leihgabe zu sehen, konnte er später kaufen. Sie haben für ihn persönlichen Wert, weil er die Entstehung in Berlin hautnah mitbekam. "Zu erleben, wie Beuys arbeitete, wie da diskutiert und philosophiert wurde, war faszinierend", erinnert er sich. Es sei "eine Initialzündung" gewesen, "ein Zugang zur Kunst auf einem völlig unerwarteten Weg". Da wurde nicht nur aus dem Bügelbrett von Beuys' Mutter der Rücken eines Hirschs, sondern es ging um die soziale und politische Dimension solcher Arbeit. "Ich konnte damals nicht genau definieren, was da passiert - aber ich konnte es fühlen", sagt Ropac. Dass er nun das Werk von Beuys betreut, sei "Ergebnis langer Verhandlungen" - es geht um großes Geschäft. Das aber geht nicht ohne Enthusiasmus. "Die Beziehung zu den Erben ist gebaut aus Vertrauen. Ich bin sehr glücklich, dass wir diesen Punkt erreichten", sagt Ropac.

Im Zentrum der Beuys-Schau in London stehen die 38 Originalobjekte aus der "Hirschdenkmäler"-Installation aus Berlin. In der Galerie in der Dover Street werden unter dem Titel "Utopia at the Stag Monuments" aber auch andere signifikante Objekte gezeigt, die alle für sich allein sprechen, zusammen aber eine Art "Gesamtkunstwerk" repräsentieren, das Leben und Werk von Beuys erklärt. Kurator Norman Rosenthal schreibt zur Ausstellung, es sei in jedem dieser Werke "eine wunderbare Mischung von Vergangenem und Gegenwärtigem" zu finden. Ebendiese Mischung werde "zu einem Manifest der Hoffnung für die Zukunft".

Mit Rosenthals Arbeit an der Ausstellung in London, wo Ropac seine Galerie vor knapp einem Jahr eröffnet hatte und damit endgültig einer der Topgaleristen für die Kunst des 20. Jahrhunderts geworden war, schließt sich ein weiterer Kreis. Rosenthal betreute ab den 1970er-Jahren Ausstellungen von Beuys. So liefen sich einst Bierträger Ropac und Rosenthal schon bei "Zeitgeist" über den Weg. Die Schau damals hatte nämlich Rosenthal initiiert.

Aufgerufen am 19.10.2018 um 07:36 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/naechster-kunst-coup-fuer-galerie-ropac-exklusive-betreuung-des-erbes-von-weltkuenstler-joseph-beuys-26641192

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