Kultur

Spielregeln für Museen fixiert, Kritik hält aber an

Wenn am Freitag die ersten Museen, Bibliotheken und Archive nach wochenlangem Corona-Lockdown wieder ihre Türen öffnen, gibt es einige Spielregeln, die einzuhalten sind. Zehn Quadratmeter pro Besucher sowie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für diese seien Pflicht, erklärte Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) am Dienstag. Die Kritik aus der Kulturszene reißt unterdessen nicht ab.

Außer bei den Vorgaben für Museen blieb Lunacek vage SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Außer bei den Vorgaben für Museen blieb Lunacek vage

Neben der Platzvorgabe und den Schutzmasken (die für das Personal dann nicht zwingend sind, wenn dieses etwa an Kassen mit entsprechenden Schutzvorrichtungen sitzt) gilt in den Museen naturgemäß auch der übliche ein Meter Abstand, den man zu anderen, nicht im gleichen Haushalt wohnhaften Menschen halten muss. Eine bestimmte Zeitvorgabe, wie lange man sich etwa im Unteren Belvedere, das am Freitag wieder öffnet, aufhalten darf, gibt es unterdessen nicht.

"Die Krise zeigt, wie essenziell Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft ist und wie sie uns massiv abgeht", konstatierte Lunacek: "Ich würde am liebsten alles in den kommenden Tagen öffnen, aber das erlaubt uns das Virus nicht. Immerhin setzen wir nun mit den Museen, Bibliotheken und Archiven einen ersten Schritt."

Für die Einhaltung der Regeln müssen die Museen selbst Sorge tragen, was laut ersten Stimmen kein Problem darstellen sollte. Zusätzliches Personal sei dafür nicht notwendig, betonte etwa Sabine Haag als Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM). "Wir kommen wunderbar mit unserem Personal im Gästeservice aus." Dieses habe man für die neue Situation geschult. Ähnlich äußerte sich Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig, die zudem auf die im Eingangsbereich angebrachten Glastrennwände zu den Kassen und Desinfektionsstationen verwies. Das Team sei speziell geschult und die Reinigungsfrequenz erhöht. "Wir freuen uns auf die Wiederöffnung und setzen auf einen ruhigen und entspannten Museumsbesuch", so Rollig.

Ungeachtet der anstehenden Wiedereröffnung forderte Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder am Dienstag vom Kulturministerium Antworten zu ganz anderen Themen ein. Angesichts des finanziellen Schadens für die Museen, fragte er: "Wann wird dieser endlich beglichen? Dazu gibt es keinerlei Aussagen", kritisierte er vor allem den verantwortlichen Kulturminister Werner Kogler (Grüne). Diesen habe er in den fünf Monaten seit seiner Angelobung kein einziges Mal gesehen oder gesprochen. "Das ist mir in meinen 40 Berufsjahren noch nie passiert."

Unterdessen fordert eine neue Onlinepetition einen "Rettungsschirm für Kreative und Künstler_innen!". In der vordersten Reihe finden sich neben dem Perkussionisten Martin Grubinger auch die Schauspieler Erwin Steinhauer und Adele Neuhauser sowie SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda. Es brauche "klare und realistische Vorgaben für den Kulturbetrieb" und keine Benachteiligungen gegenüber anderen Branchen. Insgesamt haben sich bis Dienstagvormittag über 3.800 Unterzeichnende der Petition angeschlossen.

In eine ähnliche Kerbe schlugen auch die Literaturhäuser Österreichs, die sich mit einem Offenen Brief an Kogler und Lunacek wandten. Die aktuelle Situation sei für den literarischen Betrieb eine Katastrophe, weshalb man Planungssicherheit "zum jetzigen Zeitpunkt" einforderte. "Wir planen jetzt unser Herbstprogramm, wir müssen jetzt wissen, wann und unter welchen Bedingungen wir unser wichtiges und notwendiges Angebot, die Begegnungen und Veranstaltungen unserem Publikum wieder anbieten können." Dass die Literaturveranstaltungen in der kulturpolitischen Diskussion bisher nicht berücksichtigt wurden, bereite den Literaturhäusern "große Sorgen".

Quelle: APA

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