Kultur

Vereinigte Bühnen haben 2020 "mit blauem Auge überstanden"

Der Budgetabschluss der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) für 2020 steht. Demnach hat der Theaterkonzern, zu dem das Theater an der Wien und die Musicalbühnen Ronacher und Raimund Theater gehören, das Vorjahr trotz Coronaunbilden mit einem blauen Auge überstanden. "2020 ist ein Jahr, das wir mehr oder weniger noch gut finanziell überlebt haben", unterstreicht VBW-Geschäftsführer Franz Patay im APA-Gespräch. Insgesamt erhalten die VBW 40,2 Mio. Euro von öffentlicher Hand.

VBW-Geschäftsführer Franz Patay: "Schwimmen aber nicht im Geld" SN/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUT
VBW-Geschäftsführer Franz Patay: "Schwimmen aber nicht im Geld"

Man habe insgesamt 347 Vorstellungen der VBW-Bühnen absagen müssen, wovon 261 auf die Muscialsparte entfallen. "Hier sprechen wir also von einem Einnahmenausfall, der sich knapp unter 20 Millionen Euro bewegt", so Patay. Im Gegenzug habe man durch die Kurzarbeit eines Großteils der produzierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Refundierung des Umsatzentgangs aus den Coronasondermaßnahmen 7,3 Mio. Euro lukriert. "Dadurch konnten wir das Jahr ohne Zusatzsubvention abschließen", so der VBW-Chef.

Daran, dass man Teile der Gesamtsubvention von 40,2 Mio. Euro an die Fördergeber zurückzahlen könne, wie dies etwa im Falle der Wiener Festwochen geschieht, sei hingegen nicht zu denken. Hier habe man als Konzern mit fixen Häusern und Mitarbeitern einfach eine andere Kostenstruktur als etwa ein Festival. "Wir schwimmen nicht im Geld, sondern haben eine angespannte finanzielle Situation", betont Patay.

"Wir haben im Bereich Oper - mit einer Ausnahme - alle Projekte für die Kameras realisiert." So habe man die Inszenierungen für die Ewigkeit bewahren können und gleichzeitig ermöglicht, dass die freischaffenden Künstler ihre Gage für die TV-Aufzeichnungen ausbezahlt bekamen. Die Kosten seien also dieselben gewesen, die Einnahmen hingegen vollends entfallen. Im Musicalbereich, wo man die Cashcow "Cats" programmiert hatte, seien hingegen die in dieser Sparte besonders hohen Eigeneinnahmen perdu gegangen. "Die Kurzarbeit bringt nicht so viel Geld ein, wie wir einnahmenseitig im Musicalbereich lukriert hätten", rechnet Patay vor. Zugleich habe man die Personalkosten von 2018 (43,8 Mio. Euro) auf 2020 (35,9 Mio. Euro) deutlich gesenkt.

Bei den Kosten für die Generalsanierung des Raimund Theaters sei man mit 12,7 Mio. Euro knapp unter Plan geblieben. Hier erfolgte im Dezember die formale Übergabe. "Derzeit sind wir gerade bei der Mängelbehebung", so Patay. Ziel sei, diese noch im April zum Abschluss zu bringen: "Dieses Projekt ist in der Finalisierungsphase." Sollte alles gut gehen - nicht zuletzt aus Coronasicht - plant man für Ende September die große Wiedereröffnung. "Und wenn wir bereits vorher wieder spielen dürfen, wollen wir dort quasi als Sneakpreview kleinere Veranstaltungen machen."

Bedenken angesichts der Aussage von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), die im "Kurier" jüngst zum VBW-Budget angekündigt hatte, "Wir warten auf die Abrechnung und werden sie uns sehr genau anschauen", habe er nicht, unterstrich Patay: "Wir sind ein Unternehmen, das immer sehr genau geprüft wird." Allein in seiner Amtszeit habe es bereits vier Stadtrechnungshofprüfungen gegeben. Und das Budget sei nun vom Aufsichtsrat bestätigt worden respektive solle demnächst von der Mutter, der Wien-Holding, en détail präsentiert werden.

Ob die Zahlen des vergangenen auch auf das heurige Jahr fortgeschrieben werden können, steht allerdings noch in den Sternen. Wenn der Spielbetrieb wieder ermöglicht werde, dürfte dies wohl nur mit reduzierter Sitzplatzkapazität erfolgen. "Dann müssen wir die gesamten Gewinnrücklagen, sollte es keinen zusätzlichen Mittelzufluss geben, auflösen", so Patay. Diese betrügen derzeit ca. 9 Mio. Euro.

In jedem Falle müsse man als Theatermanager derzeit mit einer enormen Schwankungsbreite an Möglichkeiten für die nähere Zukunft rechnen. Immerhin sei man nun von der alle zwei Wochen geänderten Ankündigungspolitik weg, die bedeutet habe, dass man die Musicaltänzer beispielsweise permanent trainieren lassen musste, um für Tag X parat stehen zu können. "Der Motor rennt dann die gesamte Zeit im Leerlauf."

"Ich gehe nach jetzigem Stand davon aus, dass es frühestens Mitte/Ende Mai möglich sein wird, wieder zu spielen", wagte Patay sich an eine Prognose. Positiv sei hier, dass sich drei Viertel der Musicalkunden auf einen neuen Termin umbuchen ließen und lediglich ein Viertel sein Geld für bereits gekaufte Karten zurückgefordert habe. Das zeige, dass das Publikum den VBW treu bleibe.

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