Kultur

Volkstheater: "Sorgen, ob Ernst der Lage erkannt wurde"

"Seit vier, fünf Jahren machen wir nichts anderes, als uns selbst zu zerstören", warnt ein Betriebsrat.

 SN/APA (Archiv)/GEORG HOCHMUTH

Die ungeklärte Zukunft des Volkstheaters sorgt auch im Haus selbst für Unmut. Das Personal leide unter der Unsicherheit, die nicht zuletzt durch die zeitweilige Aussetzung des Findungsprozesses befeuert wurde, erklärt Robert Leithner, Vorsitzender des technischen Betriebsrats. "Das Haus heißt Volkstheater, wir brauchen kein zweites Burgtheater", ärgert er sich über kursierende Kandidatennamen.

Schaffen wir es in Österreich nicht mehr?

Zuletzt waren unter anderem die deutschen Regisseure Kay Voges und Ersan Mondtag sowie Dramaturgin Rita Thiele, derzeit stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, als mögliche künftige Leiter genannt worden. "Schaffen wir es in Österreich nicht mehr, ein traditionelles Haus selbst zu besetzen? Brauchen wir dafür internationale Starregisseure? Ich sehe nicht, dass das die große Lösung für den notwendigen Aufschwung ist", sagt Robert Leithner der APA. Er lobe zwar den Einsatz von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), "aber langsam verstehe ich das Agieren der Gremien (Stiftung und Findungskommission) um die Nachbesetzung nicht mehr. Bei den aufgetauchten Namen und Experimenten mache ich mir Sorgen, ob der Ernst der Lage für dieses Haus erkannt wurde." Die Entscheidung über die künftige Leitung des Hauses ab 2020/21 soll in den nächsten Tagen fallen.

Kein Programm für Volkstheater-Besucher

Leithner, der seit 27 Jahren am Volkstheater arbeitet, findet auch kritische Worte in Hinblick auf die bisherige künstlerische Leitung von Anna Badora: "Wir haben von Anfang an sinkende Zuschauerzahlen, was aber keinerlei Auswirkungen auf die Spielplangestaltung hatte. Wenn ich mir den neuen Spielplan anschaue, sehe ich keinen Kassenknaller oder ein Programm für einen traditionellen Volkstheaterbesucher."

Doch auch ein anderer Punkt mache den Mitarbeitern Sorgen: Durch die bereits einmal verschobene Sanierung lebe das technische Personal nun bereits zum zweiten Mal unter dem Damoklesschwert der temporären Kündigung: "Aus Sicht der Belegschaft ist die Situation unerträglich", sagt Robert Leithner. Bis Ende Mai hatte man versprochen, für Klarheit zu sorgen, was die AMS-Anmeldungen im Frühjahr 2020 betreffen. Leithner befürchtet, man könne durch die zeitweise Kündigung von 110 Mitarbeitern "noch schnell das Budget sanieren" wollen. "AMS heißt 55 Prozent des Letztbezuges, wer kann sich leisten, mit der Hälfte seines Einkommens auskommen zu müssen?"

"Wir zerstören uns selbst"

Die Ungewissheit sei aufreibend. "Seit vier, fünf Jahren machen wir nichts anderes, als uns selbst zu zerstören. Das hat mit der Auflösung der Werkstätten begonnen." Auch sei man personell ohnehin am Rande der Möglichkeiten. In der Ära Badora seien die Endproben auf der Bühne erheblich ausgedehnt worden, was einen enormen Druck auf das technische Personal nach sich gezogen habe. "Darüber hinaus ist das extrem kostenintensiv", sagt Robert Leithner.

"Was ich in dieser kompletten Diskussion um das Volkstheater vermisse, ist die Verankerung der sozialen Verantwortung in der Ausschreibung der künstlerischen Leitung." Nachsatz: "Die neue Intendanz soll sich hier nicht nur künstlerisch verwirklichen, sie hat auch Verantwortung für 200 Mitarbeiter." Robert Leithner sagt, er fühle sich auch vom Eigentümer vernachlässigt: "Ich will nicht glauben, dass der ÖGB als Stifter sich seiner sozialen Verantwortung entziehen möchte."

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