Kultur

Wiener Kunsthändler organisiert Ausstellung in Chongqing

"Li Huas intellektuelle Kunst im Kontext zur naiven afrikanischen Volkskunst" heißt eine Ausstellung, die am 27. Februar im Chongqing Art Museum eröffnet wird. Das Event in der chinesischen 30-Millionen-Stadt hat einen zweifachen Österreich-Bezug: Die afrikanischen Exponate stammen aus der Sammlung des Bankers Herbert Stepic, organisiert wird die Schau durch den Wiener Kunsthändler Josef Schütz.

Seinen Einstieg in das chinesische Ausstellungswesen feierte Schütz erst 2011. Eine Ausstellung des Wiener Künstlers Willy Eisenschitz (1889-1974) im Pekinger Nationalmuseum erreichte innerhalb von kaum zwei Wochen 120.000 Besucher. Seither war Schütz rund 40 Mal in China und kommt aus dem Staunen und Organisieren nicht mehr heraus. Seine Schau "Werner Berg. From Expressionism to Pop-Art" präsentierte den Kärntner Künstler erstmals in Peking und Schanghai, seine Ausstellung "Austrian Art 1860-1960", die 2015/16 von Peking aus durch mehrere chinesische Museen wanderte, wurde mit einem chinesischen Museumspreis ausgezeichnet. Da wundert es nicht, dass die Unterzeichnung der Verträge mit Chongqing hochoffiziell im April anlässlich des österreichischen Staatsbesuches in Peking erfolgte.

"Es geht auch ohne Politik. Mit ihr geht's aber um einiges leichter", schmunzelt Schütz im Gespräch mit der APA. "Aber letztendlich zählt wie bei uns vor allem die Leistung, die man bringen kann." In der Megalopolis Chongqing, am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing und damit im Einflussbereich des Drei-Schluchten-Staudamms gelegen, wird er ein großes, vor wenigen Jahren eröffnetes Museum bespielen. "Sie haben die modernsten Museen, aber nichts Bedeutendes zu zeigen", formuliert der Kunsthändler das Dilemma eines Riesen-Reiches, das sich in der Kulturrevolution um die größten Schätze seiner reichen Vergangenheit gebracht hat.

Partnerschaften mit europäischen Museen, wie etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten, seien bisher gescheitert, der Dschungel aus Bürokratie und Eigeninteressen wirke abschreckend. "Ich bin, glaube ich, in Europa der Einzige, der so etwas macht. Ich bin sicher, dass China langfristig eine große Zukunft hat. Und ich komme mit den Menschen in China so gut aus, dass viele meiner Freunde sagen: Du musst in Deinem ersten Leben ein Chinese gewesen sein."

Die junge Chinesin Li Hua, die u.a. bei Erwin Bohatsch und Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert hat, ist die erste Künstlerin, die im Museum ihrer Heimatstadt Chongqing ausstellen darf. "Erst seit rund 30 Jahren dürfen Frauen in China an der Akademie studieren." Ihr abstrakter Expressionismus wird mit afrikanischer Stammeskunst den größtmöglichen Gegensatz bilden. Eine afrikanische Holzskulptur mit besonders großem Phallus, die für die Schau vorgesehen war, wird jedoch ebenso fehlen wie ein Porträt, das Li Hua von Donald Trump angefertigt hat. Zensur ist im chinesischen Literatur- und Kunstbetrieb alltäglich.

Der Hype, der rund um die chinesische Gegenwartskunst am internationalen Kunstmarkt herrschte, sei mittlerweile abgeflaut, sagt Schütz. "Damals wurden bei Auktionen die Preise künstlich nach oben getrieben. Langsam gibt es auch eine gute chinesische Sammlerszene. Die fangen aber meist mit europäischer Kunst an." Der chinesische Mittelstand setze eher auf biedere, leicht verständliche Kunst in der Preisklasse von 3.000 bis 5.000 Euro, sagt der Experte, der "Schütz Fine Art" erst 1995 gründete. "In meinem früheren Leben war ich Bauunternehmer. Ich war auch damals glücklich. Aber heute bin ich noch glücklicher."

Zum großen Glück gehören auch große Pläne. Zu den Olympischen Winterspielen, die 2022 in Peking ausgetragen werden, bereitet Josef Schütz eine Ausstellung zu Alfons Walde vor. Doch bereits 2021 möchte er das "Schütz Art Museum" (Arbeitstitel) in seiner oberösterreichischen Heimat verwirklichen. In einem zuletzt als Amtshaus genutzten Gebäude aus dem 15. Jahrhundert soll in Ottensheim an der Donau ein privat finanziertes Kunstmuseum entstehen, in dem nicht nur seine eigene, über 600 Werke umfassende Kunstsammlung ausgestellt, sondern auch Raum für Wechselausstellungen und Artist-in-Residence-Programme geschaffen werden soll. Schütz hat zur Finanzierung des rund 2,5 Millionen teuren Projekts Immobilien verkauft und hofft auf 40.000 bis 50.000 Besuchern jährlich. "Das ist mein Lebenswerk."

Quelle: APA

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