Kultur

Ehrenkreuz für Danielle Spera: "Zeitgeschehen das Gesicht geliehen"

Im Kreise zahlreicher Freunde und Kollegen wurde Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, am Montag mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet. Kurzfristig musste der Festakt aufgrund der Angelobung der neuen Regierung vom Bundeskanzleramt in den Kassensaal in der Hohenstaufengasse verlegt, um die ehemalige ORF-Moderatorin zu feiern.

Danielle Spera SN/APA (OTS/Josef Polleross)/Josef
Danielle Spera

Laudator Cornelius Obonya würdigte seine gute Freundin Spera als eine Persönlichkeit, die viele Menschen im Land geprägt habe. "Man sagt, der ORF hinterlässt bei seinen Mitarbeitern Spuren. Man kann getrost sagen, du hast deine Spur im ORF hinterlassen", so der Burgschauspieler. "Nachrichten bekamen durch dich eine unaufdringliche, klare Wichtigkeit", erinnerte Obonya an die erste Karriere Speras als Moderatorin der "Zeit im Bild". Nach einem "bemerkenswerten Berufswechsel" sei sie nunmehr "ein wichtiger Faktor des Kunst- und Kulturlebens". "Es ist der Blick für das Wesentliche, die intellektuelle Klarheit, die dich so besonders machen", so der Laudator, der auch Speras "unerschütterliche parteipolitische Unabhängigkeit" würdigte.

Kunstsektionschef Jürgen Meindl, der die Auszeichnung auch verlieh, verwies in seinen sehr persönlichen Begrüßungsworten auch auf die aufgrund der Proteste zur Angelobung nötig gewordenen Verlegung der Verleihung und strich hervor, dass "genau jene Person, die dem österreichischen Zeitgeschehen ihr Gesicht geliehen hat, an diesem geschichtsträchtigen Tag ausgezeichnet wird". So habe Spera sowohl über den Fall der Berliner Mauer berichtet als auch über den Irakkrieg oder jene Israel-Reise Franz Vranitzkys im Jahr 1993, bei der er die Verantwortung Österreichs beim Holocaust eingestand - "eine Zäsur und das Ende des jahrzehntelangen Verdrängens", so Meindl, der Spera auch dafür würdigte, sich nach über 4.000 ZiB-Sendungen getraut zu haben, "einen ganz neuen Weg einzuschlagen". Im Jüdischen Museum habe sie mit ihren Ausstellungen Mut bewiesen, neben den großen auch die kleinen Geschichten zu erzählen und nicht nur der Vertreibung und Ermordung zu gedenken, sondern auch "eine Brücke zu schlagen bis hin zu Neubeginn und Gegenwart".

Spera selbst verwies in ihrer Dankesrede auf die Zahl 18. So sei nicht nur heute der 18. Dezember, auch der Brief mit der Ankündigung zur Verleihung des Ehrenkreuzes sei vor genau zehn Monaten am 18. Februar eingetroffen. "Das ist ein wunderbares Symbol", verwies Spera auf die Zahlensymbolik im Judentum, in der 18 für das Leben stehe. "Zweimal 18, das kann nicht verkehrt sein." Neben ihrer Familie sowie den Kollegen im ORF und im Museum bedankte sie sich bei dem im Publikum anwesenden nunmehrigen Ex-Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) für Zusammenarbeit etwa bei der angestoßenen Reform der Bundesmuseen, für die Spera beim "Weißbuch" mitgearbeitet hatte. "Es ist ein Wunsch, dass das Weißbuch in der kommenden Legislaturperiode nicht in einer der Ablagen verschwindet", wandte sich Spera an die neue Regierung. Aus der vorletzten Regierung saß auch der frühere Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) im Publikum, der die Ausgezeichnete im Anschluss mit zahlreichen Vertretern des Wiener jüdischen Lebens, Kollegen wie dem ehemaligen KHM-Direktor Wilfried Seipel, dem ehemaligen Kulturstadtrat Peter Marboe (ÖVP) oder Schauspiellegende Otto Schenk feierte.

Bekannt wurde die 60-jährige Danielle Spera durch ihre Arbeit beim ORF. Als Museumschefin ist die ehemalige TV-Moderatorin inzwischen aber ebenfalls erfolgreich und anerkannt. Seit 2010 leitet sie das Jüdische Museum in Wien. Das Haus in der Dorotheergasse 11 sowie die Dependance am Judenplatz wurden unter ihrer Ägide modernisiert.

Spera wurde am 10. August 1957 in Wien als Kind jüdischer Eltern geboren, besuchte aber eine katholische Privatschule. Sie studierte Publizistik und Politikwissenschaft in Wien und promovierte 1983. Das Thema ihrer Dissertation waren die Wahlkämpfe der Sozialdemokratischen Partei in der Zwischenkriegszeit. Seit 1978 freie Mitarbeiterin des ORF, war sie von 1980 bis 1983 für die Auslandsredaktion in Mittelamerika, Griechenland und Zypern unterwegs.

1987 verbrachte sie als ORF-Korrespondentin in Washington, 1988 übernahm sie die Moderation der "Zeit im Bild" - erst mit Josef Broukal, dann mit Horst Friedrich Mayer und Martin Traxl, zuletzt mit Tarek Leitner. Danielle Spera war auch als Redakteurssprecherin aktiv - sowie von 1990 bis 2002 Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik der Universität Wien. In diese Zeit fällt auch ihre Biografie "Hermann Nitsch - Leben und Arbeit" (1999) sowie die Mitbegründung des jüdischen Kulturmagazins "Nu".

Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit wurde das Jüdische Museum, das 1990 wiedereröffnet wurde (das erste Jüdische Museum in Wien wurde 1895 gegründet und 1938 zwangsweise geschlossen), umfangreich saniert. Zunächst wurden die Ausstellungsräumlichkeiten im Misrachihaus am Judenplatz adaptiert. Das Haupthaus wurde im September 2011 nach monatelanger Renovierung wieder eröffnet.

(APA)

Aufgerufen am 24.01.2018 um 02:54 auf https://www.sn.at/kultur/ehrenkreuz-fuer-danielle-spera-zeitgeschehen-das-gesicht-geliehen-21891052

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