Kultur

Hubert von Goisern: Auf der Suche nach gemeinsamen Liedern

Es soll in den Schulen und auch Familien wieder mehr gesungen werden. Als Leitfigur dieser neuen Initiative "Komm, wir singen!" stellt sich Hubert von Goisern in den Dienst der Sache.

Es wäre nicht Hubert von Goisern, wenn nicht die Pressekonferenz am Donnerstag in Wien eine Überraschung geboten hätte. Zuletzt sang die große Tischgesellschaft aus Vorsitzenden und Präsidenten von Organisationen und Institutionen samt Presseleuten "Es wird schon glei dumpa". Singen kann ansteckend wirken, und darauf baut die neue Aktion des Österreichischen Volksliedwerks, die unter dem Motto "Komm, wir singen!" im ersten Schritt eine Liedsammlung anlegen will. Hubert von Goisern soll als Schirmherr des Projekts aus allen von den Schulen eingereichten Liedern eine Auswahl treffen, die im dritten Jahr dann österreichweit verbreitet wird.

Dass diese neue Liedersammlung nicht mehr genauso aussehen wird wie in alten Volksliederbüchern oder im einstigen Schulbuch "Komm, sing mit", liegt auf der Hand. Deshalb sind englischsprachige Lieder in der Sammlung ebenso willkommen wie Popsongs - aber eben auch Volkslieder, wie sie seit Generationen im Umlauf sind und gesungen werden, ob in der Familie oder auf der Berghütte.

Es muss nicht "Hoch auf dem gelben Wagen" sein oder "Wildgänse rauschen durch die Nacht" oder "Im Frühtau zu Berge wir ziehn, fallera", auch andere Lieder jüngeren Datums wie "Don't Worry Be Happy" werden genommen. Damit hat Hubert von Goisern Erfahrung, denn er hat schon einen speziellen "Schulversuch" hinter sich. Das Interesse am Musikunterricht seines Sohnes führte den Barden zum Lehrer, der sich mit "Die wollen nicht singen" dafür entschuldigte, dass es kein gemeinsames Singen im Angebot gab. Hubert nahm die Herausforderung an und unterrichtete ein Jahr lang in seinem Sinne, "das ist eine Aufgabe, kann ich nur sagen!". Die Hitliste der Lieblingslieder der Klasse? Also "Hoch auf dem gelben Wagen" ging nicht, "das singt ja der Heino", aber Bobby McFerrins "Don't Worry" wurde mit Begeisterung gesungen. Oder Leonard Cohens "Hallelujah".

Das Gemeinschaftsgefühl werde vorangetrieben, Hubert von Goisern sieht im gemeinsamen Singen "in erster Linie eine Herzensbildung". Darüber hinaus schaffe gemeinsames Singen Vertrauen und sorge dafür, "dass keiner auf der Strecke bleibt, der es vielleicht noch nicht so gut kann", sagt der Goiserer nach seinen Erfahrungen als Lehrer. Mehr als jedes Instrument komme die Singstimme "wirklich aus der Mitte: Selbst ich, der oft auf der Bühne steht, muss mich jedes Mal ein bisschen überwinden. Da ist eine Angst. So lernt man, seinen Zuhörern und seinen Mitmusikern zu vertrauen." Und vielleicht noch wichtiger: zuzuhören. "Sich einklinken und die Harmonie oder die Spannung mit den anderen zu spüren - das kann man nirgends so gut üben wie beim Miteinandersingen."

Musische Bildung bedeute "Entfaltung der Kreativität. Und die Zukunft unseres Landes liegt in der Kreativität seiner Menschen", betonte wiederum der ehemalige oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer in seiner Funktion als Präsident des Österreichischen Volksliedwerks. Mit etwa 100 Projekten pro Jahr verstehe sich das Volksliedwerk mit seinen Landesorganisationen als "Interessenanwalt des Singens".

Wie Irene Egger, Geschäftsführerin des Volksliedwerks sagte, wolle man mit der Liedersammlung in allen Schulen von Anfang an für möglichst hohe Identifikation der Schüler mit dem Liedgut sorgen, also nichts diktieren. In den kommenden Schuljahren sollen sich Lehrer, Schüler und Musikvermittler mit den gesammelten Liedern beschäftigen und sie miteinander lernen. Für das Schuljahr 2019/20 ist dann eine gemeinsame öffentliche Präsentation von Schülern und Hubert von Goisern geplant.

Man darf auf einen Erfolg der Aktion hoffen und nicht vergessen: Gerade zur bevorstehenden Weihnachtszeit ist gemeinsames Singen wieder gefragt.

Quelle: SN

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