CD-Kritik

Im Dialekt klingt der Tod: Paul Plut macht "Lieder vom Tanzen und Sterben"

Düstere Texte, sphärischer Sound: Mit "Lieder vom Tanzen und Sterben" gelingt dem Steirer Paul Plut ein außergewöhnliches Debütalbum. Todescountry im Dialekt.

Mit „Lieder vom Tanzen und Sterben“ gelingt Paul Plut ein fulminantes Debüt. SN/paulplut.com/gerfried guggi
Mit „Lieder vom Tanzen und Sterben“ gelingt Paul Plut ein fulminantes Debüt.
Mit „Lieder vom Tanzen und Sterben“ gelingt Paul Plut ein fulminantes Debüt. SN/paulplut.com/gerfried guggi
Mit „Lieder vom Tanzen und Sterben“ gelingt Paul Plut ein fulminantes Debüt.
Mit „Lieder vom Tanzen und Sterben“ gelingt Paul Plut ein fulminantes Debüt. SN/paulplut.com/gerfried guggi
Mit „Lieder vom Tanzen und Sterben“ gelingt Paul Plut ein fulminantes Debüt.

Auf seinem Debütalbum macht Paul Plut keine Gefangenen. Mit "Lieder vom Tanzen und Sterben" (Phonotron) schafft der österreichische Musiker wohl eher unabsichtlich, was nur den wenigsten gelingt: Er erfindet quasi ein eigenes Genre. Dialekt im Pop ist zwar längst nichts Ungewöhnliches mehr, die Art und Weise des musikalischen Vortrags von Paul Plut aber schon. Denn seine vielschichtigen, düsteren Dialekttexte werden in stoischer Zurückhaltung mit tiefer, rauer Stimme intoniert und in ein karges, aber raffiniert produziertes, alternatives Folk-Gewand gehüllt. Da wird einem schnell warm ums viel geschundene Herz, ehe es einem wieder das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Diese Form des Musizierens ist man von allerlei englischsprachiger Liedkunst gewohnt, und so fallen einem die Altvorderen des dunklen Country ein wie Johnny Cash, Nick Cave, David Eugene Edwards oder auch der späte Tom Waits. Dass diese "Lieder vom Tanzen und Sterben" aber eben im Dialekt und somit viel unmittelbarer daherkommen, macht sie zu etwas Besonderem. Plut, der bereits bei den Bands Viech und Marta mitmischte, wurde 1988 in Schladming geboren, wuchs in Ramsau am Dachstein auf, studierte in Graz und lebt und arbeitet heute als freischaffender Künstler in Wien. Mit seinem Solo-Debüt macht Paul Plut nun unter anderem die Zerfurchungen seiner alpenländischen Herkunft spürbar.

"Ois wos guat is in da Wöt, konnst in a Tuchant aus Lärchenhoiz legen"

Im großartigen Eröffnungsstück "Lärche" lernen wir einen gewissen Johnny kennen, dessen trauriges Schicksal in lyrischen Bildern erzählt wird: Der Baum wird hier zur Metapher jugendlichen Spielens - und später im Song dann zu jener des Todes. So einen Johnny, der bei einem Unfall ums Leben kommt, kennen wohl viele aus ihrem Freundeskreis oder ihrer Familie. Beim Hören läuft einem deshalb ein Schauer über den Rücken. Und Plut singt im Refrain: "Ois wos guat is in da Wöt / Konnst in a Tuchant aus Lärchenhoiz legen / Wenns koit is in da Nocht / Werd i mi dazua legen".

Während Paul Plut in seinem Gesang die Zurückhaltung kultiviert, gibt es obgleich des ruhigen Gesamteindrucks musikalisch durchaus Abwechslung und den ein oder anderen Ausreißer: So kommt "Vota" als swingender Gospelstampfer daher, am Ende von "Wer" ("Wer hot dem Trottel den Hois umdraht?") schrauben sich E-Gitarren auf wuchtigen Drums nach oben, passend zum Titel lassen die fliegenden Sounds in "Sunn" ein wenig Licht in die Dunkelheit scheinen, im schrägen "Diamanten" regieren dann wieder ein harter Beat und flirrende Rockgitarren. Wunderbar sphärisch entwickeln sich Songs wie das leichtfüßig-flotte "Grat" oder das traumwandlerische "Kreis".

Zusammen bilden die zehn "Lieder vom Tanzen und Sterben" ein atmosphärisch dichtes Album, das sowohl tröstend als auch verstörend wirkt. Ein frühes Meisterwerk.

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