Kino

Bruce Willis: Der menschliche Held Hollywoods sagt adieu

Er war einer der coolsten und zugleich wohl der menschlichste Actionheld Hollywoods. Nun muss sich Bruce Willis einer Krankheit beugen. Die Familie des 67-jährigen Schauspielers gab Mittwochabend bekannt, dass Willis aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere beenden muss. Der Schauspieler leidet an der Sprachstörung Aphasie, oftmals eine Folge von Schlaganfällen. Damit endet eine der größten Laufbahnen Hollywoods der vergangenen Jahrzehnte.

Bruce Willis muss Hollywood adieu sagen SN/APA/AFP/DOMINICK REUTER
Bruce Willis muss Hollywood adieu sagen

Dieses Ende kam zumindest für die Öffentlichkeit überraschend, hatte Willis doch bis zuletzt an zahlreichen Projekten mitgearbeitet, die zum Teil noch nicht auf der Leinwand zu sehen waren. "Als Familie wollten wir mitteilen, dass unser geliebter Bruce einige gesundheitliche Probleme erlebt hat, und dass bei ihm vor kurzem eine Aphasie diagnostiziert wurde, die seine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt", hieß es nun jedoch von der Familie, die damit den Abschied von der Leinwand begründete.

Damit endet ein beruflicher Lebenslauf, der seinen Ausgang am 19. März 1955 in Deutschland nahm, wo Bruce Willis als Sohn eines US-Soldaten und einer deutschen Mutter geboren wurde. Zwei Jahre später zog die Familie dann nach Amerika, wo der kleine Walter Bruce in New Jersey aufwuchs. Von der späteren Hollywoodkarriere war zunächst aber erst einmal nicht die Rede, galt der Bub doch als schüchtern. Um das Stottern des Teenagers zu kurieren, griff man als Therapieansatz während der Schulzeit auf Theaterspiel zurück, was zwar den Zweck erfüllte, den jungen Willis aber zunächst noch nicht in die Kunst führte. Die erste Berufswahl war nämlich eine andere: Willis wurde kurzzeitig Privatdetektiv.

Ironischerweise war es dann auch just diese Profession, die dem damals noch mit dunklem Kopfhaar agierenden Schauspieler bei seinen ersten Gehversuchen zum Durchbruch verhalf: Die ab 1985 gedrehte Serie "Das Model und der Schnüffler" machte ihn als Privatermittler David Addison an der Seite von Cybill Sheperd zum Fernsehstar, nachdem er zuvor lediglich in Nebenrollen zu erleben war. Für seinen Schnüffler-Part erhielt Willis einen Emmy und einen Golden Globe.

Legende wurde der Schauspieler jedoch nicht mit seinen Fernseharbeiten, sondern im Kino, konkret 1988 mit seiner ikonischen Rolle des New Yorker Polizisten John McClane in der Actionreihe "Stirb langsam". Ohne Schuhe und im blutverschmierten Unterhemd schuf Willis das Bild eines amerikanischen Helden abseits übermenschlicher Kräfte und einer vermeintlichen Unantastbarkeit, sondern als menschliches, leidendes Wesen. Das allerdings immer wieder auch einen coolen Spruch auf den Lippen hatte.

Vervollständigt wurde dieses Image mit dem Schritt, sich die letzten verbliebenen Haare abzurasieren und forthin als Hollywoods schönster Glatzkopf in verschiedenen Rollen zu glänzen. Es folgten Filmklassiker wie Terry Gilliams "12 Monkeys", Luc Bessons "Das fünfte Element" oder sein Part in Quentin Tarantinos legendärem "Pulp Fiction". Mit "Armageddon" und vor allem M. Night Shyamalans "The Sixth Sense", dem sich "Unbreakable" oder zuletzt 2019 "Glass" anschlossen, erweiterte Willis den Themenkreis seines Œuvres.

Daneben veröffentlichte der Künstler auch zwei erfolgreiche Musikalben und war Mitbegründer der vorübergehend erfolgreichen Restaurantkette Planet Hollywood. All das ging bei Bruce Willis mit dem Bild des kantigen Actionstars oder des Pantoffelhelden in "Der Tod steht ihr gut" Hand in Hand. Das wurde auch vom Publikum goutiert, zählte Willis doch für Jahrzehnte zu den bestbezahlten Hollywoodschauspielern, wofür er zwar mit einem Stern auf dem Walk of Fame, nie jedoch mit einem Oscar geehrt wurde. Da war es verschmerzbar, dass er im Vorjahr den Scherzpreis der Goldenen Himbeere hinnehmen musste, da er - so die Begründung der Jury - 2021 gleich acht schlechte Rollen gespielt habe, wofür Werke wie "American Siege" oder "Cosmic Sin" angeführt wurden.

Einen Oscar wird es für den Star mit dem ironischen Lächeln nun wohl auch in Zukunft nicht mehr geben. Jedoch kann der Privatmensch Bruce Willis auf großen Rückhalt zählen, hat er doch fünf Kinder mit zwei Frauen - der Schauspielerin und Exfrau Demi Moore sowie mit Emma Heming, mit der er seit 2009 verheiratet ist. Alle gaben nun die traurige Nachricht von der Erkrankung gemeinsam bekannt.

Was ist Aphasie?

Unter Aphasie verstehen Mediziner den Verlust des Sprachvermögens nach einem Unfall oder einer Erkrankung. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet "ohne Sprache". Bei Betroffenen sind die Fähigkeiten zu sprechen und zu verstehen, zu lesen und zu schreiben eingeschränkt. Auslöser können Schlaganfälle, Kopfverletzungen, Hirnblutungen, Schädelhirntraumata, Tumore oder Entzündungen des Zentralen Nervensystems sein.

Betroffene suchen zum Beispiel erfolglos nach Wörtern oder bilden Sätze im Telegrammstil. Manche können nur Silben aneinanderreihen. Andere wiederum sprechen zwar flüssig, vertauschen aber Laute oder nutzen falsche Wortbedeutungen. Gesagtes wird - ähnlich wie bei einer unbekannten Fremdsprache - unter Umständen nicht richtig verstanden, Sätze nur unzureichend erfasst. Beim Schreiben werden Buchstaben vertauscht, hinzugefügt, ersetzt oder ausgelassen.

Für viele ist es nur noch schwer möglich, sich in eine angeregte Diskussion einzubringen. Die Einschränkungen in der sozialen Kommunikation sind seelisch schwer zu verarbeiten. Viele Patienten werden depressiv, verzweifelt oder auch aggressiv. Zur Behandlung werden logopädische und psychologische Therapien eingesetzt. In Deutschland sind nach Angaben des Bundesverbandes Aphasie mehr als 100 000 Menschen von der Krankheit betroffen.

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