Kunst

Gesamt-Koreas heimliche Hymne beim Linzer Brucknerfest

Als zweites symphonisches Orchester aus Südkorea, dem heurigen Partnerland des Linzer Brucknerfestes, hat am Montagabend in Linz das Suwon Philharmonic Orchestra unter seinem Chef Daejin Kim gastiert. Solistin des Linzer Konzerts war die junge ebenfalls aus Südkorea stammende Geigerin Fabiola Kim. Programm und Leistung der Ausführenden hätten sich wahrlich besseren Besuch verdient.

Suwon liegt etwa 40 km südlich der Hauptstadt Seoul und hat über eine Million Einwohner. Das Orchester wurde vor 24 Jahren gegründet und gehört zu den wichtigsten Ensembles Südkoreas. Alle Mitwirkenden gastierten zum ersten Mal im Brucknerhaus. Die Neugier des Publikums, ein weiteres international beachtetes Orchester aus dem Fernen Osten, mit hohem künstlerischem Potenzial, hier zu erleben, noch dazu bei günstigsten Kartenpreisen, hielt sich aber wie beim Eröffnungskonzert mit dem KBS (Korean Broadcasting System) Symphony Orchestra am Sonntag auch diesmal wieder sehr in Grenzen.

Zum Beginn hörte man unter dem Titel "Arirang" gleichsam die heimliche inoffizielle Hymne der koreanischen Halbinsel. Die sinfonische Version dieses vermutlich 600 Jahre alten Liedes wurde vor einigen Jahren von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Die koreanische Bevölkerung sang dieses Lied bei der Arbeit auf den Feldern und Flüssen, es verbindet Heiterkeit und Traurigkeit und drückt so das Lebensgefühl vieler Generationen aus. Die von Sung-Hwan Choi (1936-1981) stammende Fassung für großes sinfonisches Orchester widerspiegelt das klangprächtig und melancholisch. Das ursprüngliche Lied, von dem es unzählige Abwandlungen gibt, galt immer schon als Symbol für Zusammenhalt und zugleich als Zeichen des Widerstandes gegen Diktaturen, Besetzungen und Kolonialmächte.

Im darauffolgenden Konzert für Violine und Orchester op. 14 von Samuel Barber glänzte die junge koreanische, nun aber in den USA lebende Solistin Fabiola Kim mit inniger Interpretation. Dem Fabrikanten, der die Komposition für ein von ihm adoptiertes Geigen-Wunderkind in Auftrag gegeben hatte, war sie zunächst zu leicht und ohne Virtuosität. Das wusste Barber dann im dritten Satz zu bereinigen. Er schuf ein entfesseltes "Presto in moto perpetuo" in welchem Fabiola Kim mit irrwitzigem Tempo brillieren konnte. Großer Jubel für die strahlende Solistin, deren Lächeln im Gegensatz zu den versteinerten Mienen der Streicherabteilung des Orchesters stand.

Die Symphonie fantastique von Hector Berlioz bildete schließlich den offiziellen Abschluss des Konzerts. Diese Programmmusik über "Episoden aus dem Leben eines Künstlers" trägt stark autografische Züge des Komponisten und gab dem koreanischen Orchester Gelegenheit sein internationalen Maßstäben völlig gerecht werdendes Können auszuspielen. Chefdirigent Daejin Kim, der auch als Pianist international unterwegs ist, leitete mit Umsicht und Liebe zum Detail die Wiedergabe. Zwei Draufgaben (Brahms, Ungarischer Tanz und die Strauß'sche Pizzikato-Polka) erfreuten zusätzlich das Publikum.

Quelle: APA

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