Kunst

Liszt-Orgel in Raiding wird restauriert

Im Geburtshaus von Franz Liszt in Raiding im Burgenland steht heute jene Orgel, auf der einst der spätere Komponist und Virtuose als Kind in der Pfarrkirche gespielt hat. Zum 50-jährigen Jubiläum des Franz Liszt Vereins Raiding 2018 soll das seit Jahrzehnten nicht mehr spielbare Instrument wieder zum Klingen gebracht werden. Die Arbeiten starteten am Montag mit dem Abbau der Orgel.

Die 1770 von Johannes Rath gebaute Orgel befand sich einst in der alten Pfarrkirche. "Sie ist dort gestanden bis 1924", schilderte der Obmann des Liszt Vereins, Manfred Fuchs. Dann wurde sie ins Liszt-Haus gebracht, wo sie sich noch heute befindet.

Bei seinem Besuch in Raiding im Jahr 1840 habe Franz Liszt der Gemeinde 100 Gulden gegeben, um damit die Orgel restaurieren zu lassen. "Es war ihm damals ein Anliegen, dass sie wieder spielbar gemacht wird. Aber das ist nicht passiert", erzählte Fuchs. Nun, fast 180 Jahre später, werde der Wunsch von Liszt erfüllt.

Die Kosten von geschätzten 85.000 Euro für die Restaurierung will der Verein aus Subventionen, Eigenmitteln und durch private Sponsoren aufbringen, erläuterte Fuchs. Nach der Restaurierung, die ein Geschenk an die Bevölkerung von Raiding, an das Burgenland und an die musikalische Nachwelt sein soll, werde die Orgel in der noch zu errichtenden Bibliothek ihren Platz finden.

Die Liszt-Orgel wieder bespielbar zu machen, liegt in den Händen des Orgelbaumeisters Wolfgang Karner aus Lanzenkirchen in Niederösterreich. Nach dem Abbau in der Pfarrkirche sei das Instrument sicherlich lange nicht in Betrieb gewesen. Erst Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre sei die Orgel wieder spielbar gemacht worden, erläuterte Karner, der sich vor 24 Jahren als Orgelbauer selbstständig gemacht hatte.

Damals sei es vor allem darum gegangen, das Instrument wieder zum Spielen zu bringen. "Vieles, was an Pfeifenmaterial holzwurmstichig, kaputt war, wurde dann einfach erneuert. Das ist auch das Schwierige für uns jetzt, denn wir müssen eigentlich neue Pfeifen machen", beschrieb der Orgelbaumeister die bevorstehende Arbeit.

Rekonstruktion höre jedoch "da auf, wo die Vermutung beginnt", meinte Karner. Nur durch den Umstand, dass es in Loretto ein sehr tolles Vergleichsinstrument gebe, sei es überhaupt möglich, die Orgel in Raiding wieder so zu restaurieren und fehlende Teile zu rekonstruieren, dass man dann sagen könne: "So kann es aber schon gewesen sein." Im Vorfeld der eigentlichen Restaurierung wurden bereits Maße, Bau- und Klangeigenschaften der ebenfalls von Rath gebauten Orgel in Loretto genauestens dokumentiert und dann auf die vergleichsweise Kleinheit des Instruments in Raiding heruntergebrochen.

Ursprünglich besaß die Liszt-Orgel zwei von Hand zu bedienende Keilbälge, erzählte Karner. In den 1960er-Jahren wurde dann ein neues, elektrisches Gebläse hineingebaut. "Im Zuge dieser Arbeiten ist dann ein Balg verloren gegangen." Aber man besitze noch den anderen, nach dessen Muster dann ein zweiter gebaut werden kann.

"Der Holzwurm wurde zwar beseitigt, es gibt nichts aktiv. Aber die Holzwurmschäden sind teils sehr schlecht behandelt worden", beschrieb der Orgelbauer den Zustand des Instruments. Bei der Restaurierung im vergangenen Jahrhundert wurden damals moderne Materialen wie Faser- und Pressspanplatten eingesetzt: "Das kann man natürlich nicht mehr verantworten in der heutigen Zeit."

Bei der nun beginnenden Restaurierung werde sicherlich kein Stückchen von der Originalsubstanz wegkommen. "Alles, was im 20. Jahrhundert hinzugefügt wurde und nicht dazupasst, das wird entfernt und im Sinne des 18. Jahrhunderts ergänzt."

Die eigentlichen Restaurierung werde rund 1.200 Arbeitsstunden in Anspruch nehmen, schätzte der Orgelbauer. Die Metallpfeifen werden neu gemacht, auch die Holzpfeifen entstehen nach dem Muster des Erbauers neu. Schließlich wird die Fassung überarbeitet und die Vergoldung ergänzt. Jedoch gehe man bei der gesamten Restaurierung nicht den Weg, dass man am Ende sagt: "Jetzt sieht sie wieder aus wie neu", erläutert Karner: "Wir wollen einen möglichst authentischen Eindruck behalten."

Quelle: APA

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