Musik

Ein Orchester, viele Farben und die Nacht

Im Rahmen seiner Donnerstagskonzerte nahm sich das Mozarteumorchester Salzburg dem Thema Nacht an und präsentierte ein romantisches Farbenspektrum von Mendelssohn über Berlioz bis Schönberg, welches bunter nicht sein könnte.

Im Rahmen seiner Donnerstagskonzerte nahm sich das Mozarteumorchester Salzburg dem Thema Nacht an und präsentierte ein romantisches Farbenspektrum von Mendelssohn über Berlioz bis Schönberg, welches bunter nicht sein könnte.

Schon nach wenigen Takten von Felix Mendelssohn Ouvertüre zu Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" bemerkt man, dass man gerade in einen romantischen Märchenwald entführt wurde. Den Kidnappern in Form des groß besetzten Mozarteumorchesters unter der Leitung von Leopold Hager gelingt dies in einer äußert jugendlichen Manier. Verspielte Streicher, freche Holz-und selbstbewusste Blechbläser werden der leichtfüßigen Laune gerecht, mit welcher sich der erst 17 Jahre alte Mendelssohn an Shakespeares komödiantisches Vermächtnis herangetastet hat. Vier ausgewählte Sätze aus der erst sechzehn Jahre später entstandenen Bühnenmusik op. 61 fügen sich nahtlos in den zauberhaften Reigen. Spätestens die von Sarah Ennouhi makellos vorgetragene, beim Konzertpublikum berühmte und unter Hornisten berüchtigte Solopartie im Notturno lockt die größten Skeptiker in Mendelssohns archaisch-fantastische Natur. Nach dem äußerst populären Hochzeitsmarsch erfährt man, dass auch Reisen in eine Fantasiewelt ein jähes Ende haben können - wie gerne wäre man noch etwas verweilt.

Der zweite große Programmpunkt des Abends "Les nuits d'été" von Hector Berlioz zeigt besonders plakativ den Facettenreichtum des europäischen Musikleben des 19. Jahrhunderts auf. Auch wenn Mendelssohn und Berlioz vor Anerkennung ihre Taktstöcke austauschten, verband die beiden Komponisten ein freundschaftliches Band, welches auch von großen Widersprüchen geprägt war. Die Sopranistin Juliane Banse präsentiert Berliozs Metamorphose von Symphonischer Dichtung und Liederzyklus in einem sehr aufgewühlten und wehmütigen Ausdruck, welcher französischer nicht sein könnte. Obwohl in der literarischen Vorlage von Théophile Gautier der Natur eine bedeutende Rolle zukommt, rückt in Banses Interpretation die Emotion klar in den Vordergrund.

Nach der Pause steht mit Schönbergs Orchesterfassung von "Verklärte Nacht" ein Werk im Mittelpunkt, welches sich intensiv mit der Schwelle von Impressionismus zu Expressionismus in der Musik auseinandersetzt. Wenn sich wo die vielseitigen musikalischen Strömungen der Romantik in einer Person akkumulieren, dann wohl in der von Arnold Schönberg. Er schuf 1899 in Payerbach an der Rax mit "Verklärte Nacht" ein Streichquartett, welches einerseits an Strukturen von Brahms und an die Harmonik von Wagner anschließt, andererseits schon den Ausbruch aus der Tonalität sucht.

Der langjährige Chefdirigent des Mozarteumorchesters Leopold Hager wird auch als Gast seiner alten Rolle gerecht und schafft es, die von Schönberg erzeugte Spannung im Orchesters mit viel Hingabe die ganzen 30 Minuten aufrechtzuerhalten. Normalerweise lässt die Nacht die schönsten bunten Herbsttage verblassen, doch das Mozarteumorchester kann auch einem solchen, eine imposant farbenfrohe Coda verpassen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.11.2018 um 07:46 auf https://www.sn.at/kultur/musik/ein-orchester-viele-farben-und-die-nacht-59419147

Kommentare

Schlagzeilen