Musik

Frau Garanca fehlt das Gespür für Instagram

Die Opernsängerin erweitert ihre Autobiografie um Schlüsselmomente in jüngster Vergangenheit. Und davon gibt es einige.

Elina Garanca erzählt von Aufs und Abs im Leben einer Opernsängerin SN/raika
Elina Garanca erzählt von Aufs und Abs im Leben einer Opernsängerin

Unser digitales Zeitalter fordert Opferbereitschaft. Gut zu singen reicht nicht mehr. Die sozialen Netzwerke wollen mit Inhalten gefüllt werden. Anna Netrebko tut es regelmäßig, Elīna Garanča kaum. "Mir fehlt die dafür nötige Disziplin und Routine", gesteht sie. "Ich habe kein Gespür dafür, was eine gute Story für Instagram wäre." Das Management verzweifle ob ihrer Ignoranz für Bedürfnisse der Follower.

Garančas Haltung ringt Sympathie ab. Die weltweit gefeierte Mezzosopranistin kritisiert in der Neuauflage ihrer Autobiografie "Zwischen den Welten" zu Recht die mediale Inszenierung kleinster Details aus dem Privatleben von Prominenten auf Facebook. Wenn sie erzählt, wie eine Person der Öffentlichkeit etwa mit ihren zwei Töchtern über den Umgang mit YouTube diskutieren muss, dann bringt das die Künstlerin dem Leser deutlich näher als tägliche Instagramposts.

Der unverkrampfte, augenzwinkernde Erzählton - wohl auch ein Verdienst der "Ghostwriterin" Ida Metzger - prägte bereits die 2013 veröffentlichte Erstauflage "Wirklich wichtig sind nur die Schuhe", die den Weg eines lettischen Bauernmädchens zur Opernsängerin von Weltrang nachzeichnete. Banales wechselte mit Schlüsselmomenten einer jungen Karriere.

Was ist in den sechs Jahren seither passiert, das diese erhebliche Erweiterung rechtfertigt? Einiges. Garančas zweites Kind ist auf die Welt gekommen, ihre Mutter aus dieser geschieden. "Meine Mutter war meine Freundin, meine Lehrerin, meine Kritikerin in Personalunion", erzählt Elīna Garanča. "Es war für mich völlig klar, dass ich bei meiner Mutter sein werde, wenn es zu Ende geht." Wie die Sängerin über die letzten gemeinsamen Tage mit dieser wichtigen Bezugsperson berichtet, über die schwere Zeit danach, gehört zu den berührendsten Momenten des Buches.

Ihr neuer Gesangslehrer Dale Fundling sei es gewesen, der Elīna Garanča aus diesem Tief befreite - und mit ihr einen elementaren Fachwechsel vom lyrischen ins dramatische Fach erarbeitete. Ihr Antrieb? Traumpartien wie die Amneris in Verdis "Aida". Und: "Ich wollte mein Publikum überraschen."

Buch: Elīna Garanča, "Zwischen den Welten".

255 Seiten, Ecowin Verlag, Elsbethen 2019.

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