Musik

Kim Wildes neues Album: Wer in den 80er Jahren jung war, hat es schwer alt zu sein

Kim Wilde, Pop-Postergirl der 80er-Jahre, zeigt mit neuen Songs, wie furchtbar es klingt, aus der Mode zu kommen.

Kim Wilde kehrt dorthin zurück, wo alles anfing in den frühen 80ern. Zwölf neue Songs hat sie aufgenommen in den RAK Studios in London. Vieles, was dort entstand, schrieb Popgeschichte. So auch die junge Kim Wilde. Die Songs "Kids in America" oder "Cambodia" waren dort aufgenommen worden. Mit ihnen wurde Kim Wilde, sie war gerade 20, zum Role-Model weiblicher Popstars (und Fans) für die 1980er-Jahre. Es waren die Jahre, bevor Madonna oder Cindy Lauper zeigten, dass die Emanzipation in der Popwelt nur über künstlerische Haltung funktioniert.

Kim Wilde gehörte aber noch zu denen, die als wunderhübsches Bravo-Poster in jedes Jugendzimmer passten. Ein bisserl anhabig und sexy, ein bisserl selbstbewusst auch, und vor allem ein bisserl aufregend mit einem frischen Sound.

Nun, mit 57 Jahren, kehrt sie an den Anfang zurück. Das gilt räumlich wegen der Wahl des Aufnahmestudios. Leider gilt es musikalisch nicht. In keinem der neuen Songs vermittelt Wilde, deren eigentlicher Name Kimberly Smith ist und die aus der Peripherie von London stammt, was sie einst ausgemacht hat. Nichts ist frisch. Nichts ist lebendig - nur die Erinnerung.

"Here Come The Aliens" heißt ihr neues Album, das kommenden Freitag erscheint und das erste seit sieben Jahren ist. Ihr Legendenstatus wird helfen, das Werk unter die Leute zu bringen. Das passiert vor allem, weil viele jener, die damals begeisterte Teenager-Zielgruppe waren, in Sachen Popmusik dem Erinnerungskult und dem Rückbesinnungswahn verfallen sind. Die Musikindustrie unterstützt das gern. Das Neue hat es immer schwer. Das Bekannte geht immer gut.

"Here Come The Aliens" - der Albumtitel lässt sich so lesen: Es fliegen einem unheimlich uninspirierte Popsongs entgegen. Es geht zwischen Rockeinflüssen und Synthie-Sounds - unvermeidlich für ein 80er-Jahre-Kid - freilich um Liebe als Kummer und als Freude. Aber es geht - in den Songs "1969" oder "Cyber.Nation.War" - auch um so etwas Ähnliches wie die Vision einer Apokalypse. Das alles hat Wilde schon einmal geboten. Aber damals war es kurzweiliger, oft raffiniert komponiert und schlau arrangiert. Nun herrscht Leere. Die Melodien sind banal. Der Sound ist Mittelmaß, wabert zwischen trendiger DJ-Disco und altmodischer 80er- Romantisierung. Nichts hat Drive.

Die 80er waren schrill, tanzbar, ausgelassen. Gibt es Langweiligeres als die Idee, etwas rekonstruieren zu wollen, das seine Zeit längst hatte? Gibt es nicht, aber Kim Wilde tut es trotzdem, weil es in der Popmusik immer öfter bloß ums Geschäft mit dem Aufwärmen einer verlorenen Zeit geht. Was Kris Kristofferson einst übers Leben sang, wird bei den Bemühungen von Zeitgeiststernchen wie Kim Wilde, eine Art Spätwerk zu schaffen, bittere Gewissheit: "Gestern ist tot und vorbei." Und es gilt auch die zweite Zeile des Verses: "Ein Morgen ist nicht in Sicht."

Aufgerufen am 24.09.2018 um 10:02 auf https://www.sn.at/kultur/musik/kim-wildes-neues-album-wer-in-den-80er-jahren-jung-war-hat-es-schwer-alt-zu-sein-25347019

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