Musik

Musiker und Wissenschafter Rudolf Pietsch gestorben

Der Experte für Volksmusik wurde 68 Jahre alt.

Rudi Pietsch im Juni 2018 im Mozarthaus in St. Gilgen als Tanzgeiger (mit Theresa Aigner). SN/privat
Rudi Pietsch im Juni 2018 im Mozarthaus in St. Gilgen als Tanzgeiger (mit Theresa Aigner).

Wenn Rudi Pietsch an der Geige einen Schleuniger aufspielte, sauste und sprang nicht nur sein Geigenbogen. Seine Füße stampften, sein Bein wippte, die Schultern federten. Manchmal sprang er gar vom Sessel auf, warf - freilich weitermusizierend - ein paar Tanzschritte hin und setzte exakt in den Rhythmus einen Juchzerer. Wer bloß zuschaute, dem zuckte schon das Tanzbein - so verführerisch, schwungvoll und urtümlich musikalisch war sein Spiel.

"Dann bist Du der Kaiser, auch nur mit einem Ton"

In der Nacht auf Mittwoch ist dieser großartige Musiker 68-jährig an Krebs gestorben. Welch Verlust! Wie kaum ein anderer vermochte Rudi Pietsch die Brücke von der Musiktheorie - er unterrichtete an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien - zur Volksmusik im feinen wie zünftigem Sinn zu schlagen. Dass er ebenso viel wissen wie spielen wollte, zeigte sich daran, dass er Instrumente sammelte. Vor allem war er ein grandioser Lehrer. Bei einem Seminar in St. Gilgen empfahl er für die Gefahr, dass ein Tanzgeiger ins Stocken käme: Unbedingt spielen! Und: Augenzwinkern und lustig dreinschauen! "Dann bist Du der Kaiser, auch nur mit einem Ton." Wie oft war er dieser Kaiser - im Spielen, im Erkunden, im Lehren. Einer seiner vielen Auszeichnungen war 2016 der Salzburger Tobi-Reiser-Preis.

Volksmusikforscher und Lehrer

Der als Tanzgeiger und Volksmusikexperte bekannten Wiener verstarb in der Nacht auf Mittwoch in Krems. Dies bestätigte die Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw) der APA. Geboren am 17. Oktober 1951 in der Bundeshauptstadt, studierte Pietsch zunächst an der mdw Musikerziehung, bevor er an der Universität selbst seine wissenschaftliche Karriere startete. Seit 1981 Lehrbeauftragter, wurde er 1982 Hochschulassistent und 1988 schließlich Assistenzprofessor an der mdw. Dort war er 1992 bis 1993 auch mit der interimistischen Leitung der Lehrkanzel für Geschichte und Theorie der Volksmusik betraut, bevor er 2011 bis 2016 stellvertretender Leiter des Instituts für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie wurde. Auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand 2016 blieb Pietsch bis zum vergangenen Jahr der Institution als Lehrender erhalten.

Salzburger Tobi-Reiser-Preis

Rudi Pietsch näherte sich seinem Forschungsgegenstand aber stets nicht nur aus dem vermeintlichen Elfenbeinturm der Wissenschaft heraus, sondern war immer auch selbst als Musikant tätig. So war der Instrumentensammler auch lange musikalischer Leiter der Formation "Die Tanzgeiger". Dieses facettenreiche Schaffen wurde mehrfach gewürdigt: So war Rudolf Pietsch etwa seit 2012 Träger des Würdigungspreises des Kulturpreises des Landes Niederösterreich, er erhielt im selben Jahr den Tobi-Reiser-Preis des Landes Salzburg und wurde 2016 mit der Verdienstmedaille in Gold der mdw bedacht.

Quelle: SN-Hkk, Apa

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