Musik

Nachruf auf Jon Hiseman: Eine ganze Welt aus Drums geschlagen

Der legendäre britische Schlagzeuger starb im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Gehirntumors. Er war ein Pionier der Fusion-Musik.

Gestorben: Schlagzeug-Legende Jon Hiseman SN/michael robert williams/jcm
Gestorben: Schlagzeug-Legende Jon Hiseman

Jon Hiseman verband Welten. Auch in Salzburg. Einige Male war der britische Schlagzeuger in diversen Formationen hier zu Gast. Zuletzt hätte er mit seinem aktuellen Projekt JCM und dem Album "Heroes" im Mai im Rockhouse gastieren sollen. Daraus wurde nichts. Wenige Wochen zuvor war ein Gehirntumor entdeckt worden. Am Dienstag starb Hiseman 73-jährig. Er war nach einer Operation nicht mehr aus dem Koma erwacht. Mit ihm verliert die Musikwelt einen, der sich um Grenzen in dieser Welt nicht kümmerte. Er war maßgeblich beteiligt, dass die Verbindung, die Fusion zwischen Genres nichts Besonderes, sondern Normalität ist.

Kraftwerk bei Colosseum

An seinem Schlagzeug - zunächst als Nachfolger von Ginger Baker in the Graham Bond Organisation, dann bei Blueslegende John Mayall, ab 1968 in seinen eigenen Bands Colosseum und Tempest - fanden Welten zueinander. Hiseman, klassisch ausgebildet an Piano und Geige, ließ bei diesen beiden Bands und vielen anderen Projekten - etwa dem United Jazz + Rock Ensemble, ein Kollektiv aus Avantgarde-Jazzern, dem er und seine Frau Barbara Thompson vorstanden, zusammenfließen, was ihn immer begleitete: Klassik, Jazz, Blues, Rock.
Er tat es in jener Zeit Ende der 1960er, in der sich Blues und Jazz, Pop und Rock trafen - und von hinten, vom Schlagzeug Hisemans aus, kamen sie gemeinsam zurück als satte, groovende Mischung, als Progressive Rock und auch als Musik für das Theater. Unter anderem arbeitete Hiseman eng mit Andrew Lloyd Webber zusammen.

Schnelle, harte Schläge

Schnell und hart schlug er sein Instrument, das stets recht melodisch gestimmt war und mit dem er den Geist der Improvisation durch recht komplexe Stücke schweben ließ. Nur zwei Mal tat er das für Alben - "A Night in the sun" (1982) und "About Time Too!" (1988) - auch unter seinem eigenen Namen. Ansonsten stellte er sich immer in den Dienst einer gemeinsamen Sache: "Spiel nicht Schlagzeug, spiel Band! Wenn du Band spielst, dann spielt sich das Schlagzeug von allein", sagte er 2004 in einem Interview über seine Philosophie.

Vor allem bei der Band Colosseum, die nach der Auflösung 1971 noch zwei Mal neu belebt worden war und erst 2015 eine Abschiedstournee machte, war Hiseman kraftstrotzende Schweißtreibmaschine, die sich behände in vielschichtigem Gefecht popkultureller Traditionen bewegte.

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