Musik

Soulqueen Aretha Franklin gestorben - Respekt, aus tiefer Seele

Aretha Franklin war nicht nur eine der aufregendsten Stimmen des Soul, sondern auch ein Role-Model für die US-Bürgerrechtsbewegung und die Emanzipation in der Pop-Männerwelt.

"Das wird mein letztes Jahr", sagte Aretha Franklin im Februar 2017 in einem Interview. Es ging damals um die Aufnahmen eines neuen Albums. Und es ging um ein paar Konzerte, die sie spielen wollte. Das letzte Album. Die letzten Live-Auftritte. Dann wollte sie in den Ruhestand gehen. So zumindest konnte man das damals verstehen. Nun muss man es anders verstehen: Aretha Franklin ist am Donnerstag gestorben. Sie, eine der größten und erfolgreichsten Stimmen des Soul, ja die "Queen of Soul" wurde 76 Jahre alt.


Beste Sängerin aller Zeiten

Vor acht Jahren war Franklin vom Musikmagazin "Rolling Stone" zur besten Sängerin aller Zeiten gekürt worden. Mit 18 Grammys gehört sie zu den erfolgreichsten Musikerinnen der Gegenwart. Rund 75 Millionen Tonträger verkaufte sie.


Mit 18 war sie, geboren in Mississippi, nach New York gekommen. Daheim hatte sie schon im Gospelchor ihres Vaters, eines Baptistenpredigers, gesungen. Auch ihre Mutter war Gospelsängerin. Die Spiritualität dieser gesanglichen Grundprägung blieb ihr erhalten. Ihre Stimme hatte in den größten Momenten etwas Kräftigendes und etwas Überirdisches gleichermaßen. Und immer wieder erhob sie ihre Stimme, wenn schon nicht im Zorn, so doch mit großem politischen Engagement.


Ikone der Bürgerrechte

In New York absolvierte sie eine Ausbildung in Gesang und Tanz. Kaum da und kaum gehört, bekam sie einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Dort emanzipierte sie sich schnell, denn die Rolle als kraftvolle Stimme, die recht unterhaltsame Musical-Melodien singen sollte, passte ihr nicht mehr. Bei Atlantic Records wurde sie die Queen of Soul, nicht nur, weil sie eine überragende Sängerin war, sondern auch, weil sie sich als eine der ersten Frauen im Popbusiness als eigenständige Künstlerin durchsetzen konnte. Bald war sie nicht nur künstlerisches Sprachrohr, sondern auch ein Role-Model in der Bügerrechtsbewegung der 1960er Jahre.

"Respect" wurde zur Hymne

Bei Atlantic feierte sie ihre größten Erfolge, von denen "Respect", die Cover-Version eines Songs von Otis Redding, im Mai 1967 der erste war, dem viele folgten. Mit anderen Hits wie "Think" oder "A Natural Woman" zählte sie neben Ray Charles und James Brown zu den wichtigsten Interpreten des amerikanischen Soul. "Respect" wurde zu einer bis zum heutigen Tage nicht verstummenden Hymne der afroamerikanischen Befreiungs- und Frauenbewegung.

"Gebete und Privatsphäre"

"Ich bin sehr zufrieden, wenn ich darauf zurückblicke, wo meine Karriere begonnen hat und wo ich jetzt bin", sagte die 18-fache Grammy-Gewinnerin vor einem Jahr. Bekannt war damals schon, dass sie an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Sie musste immer wieder Konzerte absagen, um sich behandeln zu lassen. Von der schweren Krankheit hat sie sich nicht mehr erholt. Ihre Angehörigen baten nach der Todesmeldung die Öffentlichkeit um "Gebete und Privatsphäre". Aretha Franklin hinterlässt vier Kinder.

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