Theater

30 Jahre Wiener Odeon: Theater feiert Gründerin mit Bildband

Das Wiener Odeon, Theatersaal in den prunkvollen Räumlichkeiten der einstigen Getreidebörse, feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Mitgründer Erwin Piplits nimmt das Jubiläum zum Anlass, seine Gefährtin über viele Jahrzehnte mit einer großen Publikation im Eigenverlag zu würdigen. "Ulrike Kaufmann. Lebenswerk" über die 2014 verstorbene Bühnenbildnerin erscheint am 1. Dezember.

Mitte Februar feiert laut Piplits ein neues Stück Premiere SN/APA/HANS PUNZ
Mitte Februar feiert laut Piplits ein neues Stück Premiere

Der Bildband versammelt Eindrücke zum Oeuvre der Künstlerin, die einst mit Piplits die Puppenspielgruppe Pupodrom gegründet hatte, mit der man in Rostlauben auf Wanderschaft ging, wie sich Piplits am Donnerstag erinnerte: "Das war schon beim ersten Handschlag eine Lebensentscheidung."

1978 zog man dann in ein altes Kino - das heutige Vindobona - und adaptierte die Anlage und bespielte diese zehn Jahre. Das "Loch" sei aber irgendwann zu wenig gewesen, weshalb man sich wieder auf die Suche machte. So wechselte die mittlerweile als Serapions Ensemble firmierende Truppe 1988 in die einstige Börse für landwirtschaftliche Produkte aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Am 8. Juni 1988 eröffnete man die selbstrenovierte Kriegsruine des großen Börsesaals und taufte ihn unter Bezug auf das griechische Vorbild Odeion "Odeon".

Über die Jahre hinweg expandierte man vom 1.000 Quadratmeter großen Saal sukzessive im Haus und nahm Betriebsräume wie Büros, eine Werkstatt oder Lager hinzu, wodurch sich die heutige Fläche auf 3.600 Quadratmeter erhöhte. Auf öffentliche Mittel habe man dabei leider weitgehend verzichten müssen, so Piplits. Stattdessen habe die damalige Länderbank mit einem Kredit das Vorhaben unterstützt und man vieles selbst adaptiert. Über die Jahre habe man 2,4 Mio. Euro ins Odeon investiert, wobei der Prozent-Anteil der öffentlichen Hand hier im niedrigen zweistelligen Bereich liege.

"Es gibt keine Eingriffe in unser Sein und Tun von politischer Seite - außer störende", zeigte sich Piplits enttäuscht vom Umgang der politischen Ebene mit seinem Haus, habe die Wiener Kulturpolitik doch immer wieder ein "unwürdiges" Verhalten an den Tag gelegt: "Es gab den Versuch einer feindlichen Übernahme." Man habe das aber alles ausgestanden, und er habe einen Text über die Zeit verfasst, der posthum veröffentlicht werden soll.

Überdies arbeitet man am nächsten Serapions-Stück unter dem Titel "Der Freie, der Dieb, der Boss und das Urteil", das Mitte Februar Premiere feiern soll und auf einer altägyptischen Parabel über Besitz und Freiheit basiert. "Wir sind noch immer auf dem Stand wie vor 4.000 Jahren", zeigte sich der 79-jährige Piplits nachdenklich.

Zukunftsgedanken für das Haus müsse er sich nicht machen: "Die Zukunft des Odeon ist eine ausschließliche Angelegenheit des Theatervereins Odeon." Klas sei dabei jedenfalls: "Das Odeon bleibt eine Initiative von Kunstschaffenden - oder es gibt kein Odeon mehr." Er persönlich hat sich indes ein besonderes Vorhaben für die Zukunft vorbehalten: "Ich möchte das Wort 'Produktion' aus meinem Sprachgebrauch entfernen. Wir produzieren nicht, wir sind kreativ."

Quelle: APA

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