Theater

Ein wahrlich zauberhafter Reigen

Etwas mehr als 68 Jahre nach der Uraufführung von Benjamin Brittens Oper "A Midsummer Night's Dream", basierend auf der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare, nahm sich das Department für Oper- und Musiktheater der Universität Mozarteum dem inhaltlich fantastisch-heiteren, musikalisch gesehen jedoch mitunter anspruchsvollen Stoff an.

Ensemble in „A Midsummer Night’s Dream“ der Universität Mozarteum SN/universität mozarteum/christian schneider
Ensemble in „A Midsummer Night’s Dream“ der Universität Mozarteum

Das von der drückenden Hitze des sommerlichen Werktags sichtlich schon etwas mitgenommene Publikum wurde im etwas kühleren, von Nebel durchfluteten Großen Studio der Universität, mit dem ersten Einsatz der präzise-leichtfüßigen Streicher des hauseigenen Sinfonieorchesters unter der Leitung von Kai Röhrig, in den mystischen griechischen Zauberwald entführt. Spätestens als die sechs, sowohl sängerisch, als auch tänzerisch brillanten Elfen erwachen, dürften in der Premiere von "A Midsummer Night's Dream" am Donnerstagabend auch die letzten pragmatischen Gedanken in der Zuschauerschaft verflogen sein. Ein sterblicher Jüngling von außerordentlicher Schönheit sorgt für Zwist unter dem Herrscherpaar im Elfenreich.

Oberon kann die Inbesitznahme des menschlichen Jünglings durch Titania nicht hinnehmen, stellt selbst den Anspruch darauf und greift mit Hilfe des Kobolds Puck zu einer List. Ein psychoaktives Kraut soll bewirken, dass Titania einem Anderen verfällt, und zudem einem Menschenpaar zu ihrem Liebesglück verhelfen. Titania verliebt sich in den zum Esel verwandelten Schauspieler Bottom, während sich Oberon des Jünglings bemächtigt. Sowohl im Elfen- als auch im Menschenreich bricht Chaos aus. Erst ein großer Zauber bringt wieder Ordnung in das verwirrte Treiben. Im Mittelpunkt des zweiten Akts steht mit der eingeflochtenen Aufführung von "Pyramus und Thisbe" Benjamin Brittens kunstvolle Parodie auf die Italienische Oper im Mittelpunkt. Das junge Ensemble findet hier gekonnt die richtige Mischung aus Komödie und Dramatik.

Karina Benalcazar als Tytania und Tolga Siner als Oberon geben in neckischer Manier, gesanglich souverän das Herrscherpaar im Reich der Elfen. Siner lässt sich auf dem topographisch anspruchsvollen Bühnenbild nicht einmal von 12-Zentimeter-Absätzen an seinem, sehr an den "Life-Ball" erinnernden Kostüm, verunsichern. Maria Hegele, Finalistin des heurigen Mozart-Wettbewerbs, als Hermia und der polnische Tenor Alexander Rewinski als Lysander beeindruckten in ausdrucksstarker Manier sowohl in Ein-, als auch in Zwietracht. Mariya Taniguchi und Chi-An Chen als Helena und Demetrius setzen alle Facetten ihrer Beziehung stimmlich hervorragend um.

Die sechs jungen Sänger der Theaterkompanie mit Felix Mischitz als Bottom brillierten nicht nur stimmlich, sondern stellten auch ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Clemens Joswig und Reba Evans rundeten als Königspaar die starken Leistungen des Gesangsensmebles ab, von dessen Mitgliedern, sicher einige bald auf den großen Bühnen zu hören sein werden.

Regisseurin Karoline Gruber zeigt auf, wie gut man die individuelle Qualität der verschiedenen beteiligten Abteilungen am Mozarteum verflechten kann. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Opernerlebnis, bei dem man erst im Schlussapplaus merkt, dass das Ganze doch kein Traum war.

Oper: "A Midsummer Night's Dream" von Benjamin Britten, Großes Studio, Universität Mozarteum, Salzburg, Samstag 23.6., 17 Uhr, und Montag, 25.6., 19 Uhr.


Quelle: SN

Aufgerufen am 18.08.2019 um 07:24 auf https://www.sn.at/kultur/theater/ein-wahrlich-zauberhafter-reigen-29524645

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