Theater

Er entwickelt jedes Mal eine Welt, die es nur im Theater gibt

Bühnenobermeister Horst Oberascher nutzt die Gesetze der Physik, um der Magie des Theaters auf der Bühne zur vollen Wirkung zu verhelfen. Für sein Bühnentechniker-Team sucht er Mitarbeiter.

Horst Oberascher mit einem Planwagen aus „Der Schuh des Manitu“. Premiere des Stücks ist am 22. Jänner. SN/Stefanie Schenker
Horst Oberascher mit einem Planwagen aus „Der Schuh des Manitu“. Premiere des Stücks ist am 22. Jänner.

Ein überdimensionaler Kopf, der vor zwei Jahren in der Opera buffa "Viva la Diva" bei jeder Aufführung in zehn Teile zersprang; der Tisch in Auerbachs Keller in der aktuellen "Faust"-Inszenierung, aus dem Rot- und Weißwein schießen, oder eine Versenkung im Erdboden, in der ab 22. Jänner Santa Maria in "Der Schuh des Manitu" verschwindet: Mit seinem Team erschafft Horst Oberascher jedes Mal wieder eine Welt, die es so nicht gibt. Es ist die magische Welt des Theaters, in die der gelernte Lkw-Mechaniker als 20-Jähriger eingetaucht ist. Das ist jetzt fast 38 Jahre her und Horst Oberascher ist längst nicht nur ein Handwerk-Allrounder - von Tischlerarbeiten über Schlosser- und Tapeziererarbeiten bis zu elektrotechnischen Einzelanfertigungen wird im Theater alles Mögliche benötigt -, sondern er ist auch der Leiter des Bühnenbetriebes am Landestheater.

25 Mitarbeiter zählt sein Team bei Vollbesetzung - aktuell sind es aber nur 18. So wie in vielen anderen Branchen fehlt aktuell auch bei den Bühnentechnikern Personal. "Wir suchen dringend Nachwuchskräfte, die zwar handwerkliches Geschick mitbringen sollten, aber nicht unbedingt eine fertige Handwerksausbildung benötigen", erklärt Horst Oberascher.

Neben Tapezierern, Tischlern, Schlossern und Veranstaltungstechnikern fehlen auch Lkw-Fahrer. Denn auch die sind für einen reibungslosen Ablauf am Theater nötig. Die Werkstätten und Probebühne befinden sich in Aigen, Aufführungsort ist nicht nur das Landestheater, sondern - wie etwa zuletzt bei "Macbeth" - die Felsenreitschule oder das Theaterzelt, in das ab 7. Mai während des Umbaus im Landestheater ausgewichen wird. Mithilfe von 20 Lkw-Wechselcontainern sorgen die Bühnentechniker dafür, dass die richtige Bühnenausstattung zur richtigen Zeit auch am richtigen Ort ist. Das kann auch schon einmal in New York sein. Denn die Inszenierung der Oper "Brokeback Mountain" gastierte 2018 samt Bühnenbild und zwei Salzburger Bühnenmeistern an der New York City Opera.

"Wenn dann eine Premiere Erfolg hat, dann freut einen das schon sehr", sagt Horst Oberascher. Denn seine Mitarbeiter und er haben dann erheblich dazu beigetragen. Das Schöne am Theater sei die Teamarbeit, und natürlich die Abwechslung und die ständige Herausforderung. Denn fast jedes Mal muss er eine neue Welt auf der Bühne erschaffen. "Wir lassen es in ,Faust' regnen, wir haben vor zehn Jahren für ,Tristan und Isolde' die Bühne im Haus für Mozart unter Wasser gesetzt und zünden in der Walpurgisnacht bei ,Faust' zwei Meter hohe Feuerfontänen", schildert der Bühnenobermeister. In dieser Welt ist Magie gefragt und da müssen er und sein Team zum Teil ordentlich nachhelfen. Gleichzeitig muss die Sicherheit aller Beteiligten sowie die des Publikums gewährleistet sein. Das Feuer in "Faust" wird mithilfe von Lycopodium "entzündet". Dabei handelt es sich um Blütenpollen des Bärlapp-Busches, der eine ungefährliche, kalte Flamme erzeugt.

Auch "Explosionen" sind in der Hand der Bühnentechniker eine sichere Angelegenheit. So wie beim fast drei Meter großen Kopf aus Styropor, der 2020 in der Oper "Viva la Diva" auf der Bühne explodieren musste. Damit die zehn Einzelteile, in die er zersprang, nicht unkontrolliert Richtung Orchester oder Zuschauer flogen, wurde jedes der Teile mit einem für die Zuschauer unsichtbaren Drahtseil abgesichert.

Eine besondere Herausforderung war der Lift in "The Rocky Horror Show" (seit 2019), denn der muss sich während der Fahrt um die eigene Achse drehen. Oder das "ausgebrannte" Wrack einer Boeing für "Lohengrin" (2019). Dafür hatte Horst Oberascher - mit Erlaubnis der Besatzung - auf einem Flug nach Hamburg die Kabine des Fliegers mit einem Zollstock vermessen. "Unser Job ist es, das Unmögliche möglich zu machen", sagt der Leiter des Bühnenbetriebes. Und: Meistens gelinge das auch. "Das Budget ist das Einzige, das uns Grenzen setzt", meint Horst Oberascher.

KULTUR-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Kulturmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 21.05.2022 um 12:32 auf https://www.sn.at/kultur/theater/er-entwickelt-jedes-mal-eine-welt-die-es-nur-im-theater-gibt-115773163

Blitzlichtgewitter: Unwetter zog über Salzburg

Blitzlichtgewitter: Unwetter zog über Salzburg

In der Nacht von Freitag auf Samstag ging eine Gewitterzelle über Salzburg nieder. Zahlreiche Blitze erhellten dabei den Himmel. Wie die Landesfeuerwehrzentrale meldet, ist es zu drei Einsätzen gekommen: Die …

Kommentare

Schlagzeilen