Theater

Schauspielhaus Wien schließt sein Hotel: "The End of it All"

Das Hotel wird abgebaut, die Künstlerinnen und Künstler müssen ausziehen. Ein halbes Jahr lang durchlebte das Wiener Schauspielhaus seine Identitätskrise. Am Samstag wurde das letzte Stück des Hotels uraufgeführt - "The End of it All". Sebastian Schindegger beschäftigt sich dabei auf der Bühne in der Regie des künstlerischen Leiters Tomas Schweigen mit dem Ende aller Dinge. Wie können wir damit umgehen? Sollten wir Angst davor haben? Ist es nicht doch etwas Positives?

"The End of it All" im Schauspielhaus Wien SN/APA/Matthias Heschl / Schauspiel
"The End of it All" im Schauspielhaus Wien

Die Frage "Am Ende das Nichts?" rückt mit der Performance Schindeggers in ein neues Licht. 75 Minuten lang wird über das Universum, Infernos, Apokalypsen, das Nichts und das Ende diskutiert. Das Nichts ist nicht vorstellbar, demnach auch nicht das Ende. Es regt zum Denken an. Die Zuschauerin, der Zuschauer wird dazu aufgefordert über die in den Raum geworfenen Fragen selbst nachzudenken. Antworten bekommt man keine.

In der familiären Umgebung des Schauspielhauses soll man sich "ganz wie zu Hause fühlen", wird einem bei der Ankunft am Samstag gesagt. Und tatsächlich gelingt es. Die in den Theaterraum gezimmerte hölzerne Tribüne war Hotel-Besuchern in den vergangenen Monaten sehr vertraut geworden. Nun schaut es aus, als wäre alles kurz vor dem Abbau - passend zum Thema. In den schmalen Gängen zum Aufführungssaal wird man an den eigens für das Hotel gebauten Zimmern vorbeigeführt. Auch die Kunstinstallationen in den Räumen erwecken den Anschein, bereits halb abgebaut zu sein. Von irgendwoher hallen noch Tonaufnahmen. Vielerorts sind Holzplatten zwischengelagert. Eine einsame Matratze liegt verloren in einem kleinen fensterlosen Raum. An den Wänden sieht man verschiedenste Fotos von alten Aufführungen.

Als Mitten im Lockdown das Schauspielhaus zu einem "Hotel" wurde, erwartete man sich, dass dort immer etwas los sein werde. Es sollte eine Begegnungszone für Künstlerinnen und Künstler sowie Zuschauerinnen und Zuschauer sein. Nun ist es vorbei. Dies spiegelt auch dieser Abend wider. Immer wieder tauchen neue Darstellerinnen und Darsteller auf, die behaupten, nur zufällig vor Ort zu sein. Es fühlt sich an, als befände man sich in einem Gemeinschaftsraum eines Hostels, wo stets ein Kommen und Gehen herrscht. Gleichzeitig ist man aber in einem Stück, das nie zu Ende zu gehen scheint.

Es herrscht eine starke Nähe zum Publikum. Es passiert vieles und wenig zu gleich. Gespielte Konfusion verleiht dem Abend ein eigenes Flair. Es sind die komödiantischen Zwischengespräche der Darstellenden, bei denen man sich kann gut vorstellen kann, dass sie wirklich gemeinsam in dem Hotel gewohnt haben. Sie sprechen von privaten Terminen, dass sie die Zimmer räumen und los müssen.

Begleitet werden sie alle von der Angst vor dem Ende. Genau auf dieses wartet man als Zuseher gespannt. Auch auf der Bühne wird dem Ende entgegen gefiebert. Und doch will man es nicht erreichen. Plötzlich eintretendes Chaos und doch wieder geplante Ordnung. Hektik, die gut zu einem wirklichen Ende passt.

"The End of it All" ist eine würdige Abschiedsvorstellung. Wer das Ende selbst miterleben möchte, sollte vorbeischauen. Aber spätestens am 23. März. Denn dann ist auch mit dem Ende Schluss.

(S E R V I C E - "The End of it All" von Thomas Schweigen & Ensemble, Uraufführung. Regie: Tomas Schweigen, Bühne: Stephan Weber, Kostüme: Giovanna Bolliger, Musik: Dominik Mayr. Mit: Simon Bauer, Vera von Gunten, Jesse Inman, Sophia Löffler und Sebastian Schindegger. Schauspielhaus Wien, Wien 9, Porzellangasse 19, Termine bis 23. März auf https://www.schauspielhaus.at/)

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