Gesundheit

Beinprothese soll Gefühl zurückgeben

Ein Sender nimmt beim Gehen die Abrollreize eines Sensorschuhs auf und leitet sie weiter. Damit soll sich durch das "Spüren" des Untergrunds die Gangsicherheit erhöhen und der Phantomschmerz gelindert werden.

Der ehemalige Skispringer Toni Innauer und Entwickler Hubert Egger stellten die Prothese vor.  SN/APA/HANS PUNZ
Der ehemalige Skispringer Toni Innauer und Entwickler Hubert Egger stellten die Prothese vor.

Das österreichische Medizintechnik-Unternehmen Saphenus hat mit einem Sensorschuh und einem System zur Weiterleitung sensorischer Informationen von der Fußsohle einer Beinprothese an den erhaltenen Beinstumpf eine Innovation geschaffen.

"Die Sensorik hat in der Exo-Prothetik bis jetzt überhaupt keine Rolle gespielt. Hauptthema war die Ansteuerung von Prothesen", sagte Mediziner Gerfried Peternell von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Dort gibt es eine Forschungsgruppe für außen tragbare Arm- und Beinprothesen.

Saphenus Medical Technology, an dessen Gründung 2016 auch der ehemalige Skispringer Toni Innauer beteiligt war, hat mit seinem "Suralis"-Add-on ein System zur Marktreife entwickelt, das Beinprothesenträgern sensorische Informationen aus der künstlichen Fußsohle melden soll.

Das von dem Techniker Hubert Egger und Plastischen Chirurgen in Innsbruck und Südtirol entwickelte Produkt basiert auf der Beobachtung aus der Versorgung von Patienten mit "gedankengesteuerten" Armprothesen. Dafür werden Nerven chirurgisch an die Brust verlegt, welche die Armprothese ansteuern sollen. Egger sagte: "Patienten berichteten, dass sie ,Gefühl' von der Hand an der Brustoberfläche spürten." Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Bewegung vermittelnde Nervenstränge immer auch sensorische, also Oberflächenreize vermittelnde Anteile besitzen. Außerdem können sich Nervenleitungen umorientieren.

Daraus entstand das "Suralis"-System: Ein Sensorschuh trägt an seiner Sohle vier Sensoren an Ferse, Außen- und Innenrist sowie an der Fußspitze. Er wird über den Prothesenfuß gestülpt. In einem Schaft, der die mechanische Prothese umfasst, nimmt ein Bluetooth-Sender beim Gehen die Abrollreize des "Fußes" auf. Sie werden an vier Aktivatoren im Prothesenschaft gesendet. Die vier Aktivatoren produzieren Vibrationen je nach ihrem zugeordneten Fußsohlensensor.

Am Beinstumpf müssen für die Aufnahme der Vibrationsreize vier dafür geeignete Aufnahmestellen durch umgeleitete oder verpflanzte Nerven geschaffen werden. "Die Indikation für die Operation wird bei Phantomschmerzen gestellt, die mit konventionellen Methoden nicht beherrschbar sind", sagte Alexander Gardetto, Plastischer Chirurg der Südtiroler Klinik Brixsana. Nach einigen Tagen kann der Patient mit einem Trainingsgerät beginnen, seine verpflanzten oder umgeleiteten Nerven auf die künftige Funktion zu trainieren. Bisher wurden 15 Patienten in ersten Studien versorgt. Gemeinsam mit der AUVA soll das weitere Vorgehen wissenschaftlich begleitet werden. Das System wird rund 8000 bis 10.000 Euro kosten und ist laut den Entwicklern mit jeder herkömmlichen Beinprothese kombinierbar.

Quelle: SN, Apa

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