Gesundheit

Lungentransplantation - wie Ärzte den Patienten einen zweiten Atem einhauchen

Vor fast 30 Jahren erhielt der erste Patient im Wiener AKH eine neue Lunge. Seither erhalten pro Jahr in ganz Österreich an die 160 Menschen die Chance, wieder ordentlich durchzuatmen.

 Walter Klepetko, Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien. SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Walter Klepetko, Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien.

Vor fast 30 Jahren wurde in Österreich die erste Lunge erfolgreich transplantiert. Der Patient überlebte und die Operationsmethode war eine kleine Sensation. Kleine Taschen wurden damals links und rechts in den Brustkorb geschnitten, um durch diese Öffnungen das Spenderorgan hineingleiten zu lassen. Eine komplette und riskante Brustkorböffnung wurde damit dem Patienten erspart und das damit verbundene Risiko einer Infektion sank. Die Überlebensrate stieg.

Heute ist eine Lungentransplantation, wie sie zuletzt Ex-Rennfahrer Niki Lauda erhalten hatte, ein Routineeingriff. Allein im Wiener AKH erhalten wöchentlich zwei bis drei Menschen einen "zweiten Atem", wie das Walter Klepetko nennt. Der Mediziner ist seit mehr als 20 Jahren Leiter des Lungentransplantationsprogramms der MedUni am Wiener AKH.

Heute erhalten an die 160 Menschen pro Jahr eine neue Lunge. 120 sind es in Wien, an die 40 in einem kleineren Zentrum im Westen Österreichs, in Innsbruck. Die Übverlebensrate beträgt 70 bis 75 Prozent. Das sind Zahlen, die nur noch die Zentren in Hannover in Deutschland und in Pittsburgh und Cleveland in den USA erreichen.

Der Erfolg von Lungentransplantationen steigt und fällt mit dem Vorhandensein von Spenderorganen. Österreich bezieht im Rahmen der Eurotransplant, der zentralen Vermittlungsstelle für Organspenden in Europa, Spenderorgane. Und liefert auch im Fall des Falles an andere Länder.

Österreich hat außerdem etliche bilaterale Verträge mit anderen Staaten, etwa aus dem ehemaligen Ostblock oder aus Zypern und Griechenland, aus denen Spenderorgane bezogen wurden und werden. Im Gegenzug wurden Patienten aus diesen Ländern am Wiener AKH operiert, weil dort keine Transplantationszentren vorhanden waren (oder immer noch sind). "Aber das wird jetzt immer weniger", sagt dazu Peter Jaksch Oberarzt am AKH, der für die internistische Betreuung des Lungentransplantationsprogramms zuständig ist.

 Peter Jaksch (Internistischer Betreuer des Lungentransplantationsprogramms der MedUni Wien), die Lungentransplantationspatienten Andreas Gappmayr und Siegfried Gimpel und der Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien, Walter Klepetko, am Montag 3. Juni 2017, im Rahmen der Pressekonferenz "Erfolgreiche Besteigung des Kilimanscharo mit transplantierter Lunge" in der MedUni Wien.  SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Peter Jaksch (Internistischer Betreuer des Lungentransplantationsprogramms der MedUni Wien), die Lungentransplantationspatienten Andreas Gappmayr und Siegfried Gimpel und der Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien, Walter Klepetko, am Montag 3. Juni 2017, im Rahmen der Pressekonferenz "Erfolgreiche Besteigung des Kilimanscharo mit transplantierter Lunge" in der MedUni Wien.

Länder wie Tschechien, Rumänien, Ungarn und jetzt Slowenien haben heute schon eigene Lungentransplantationszentren und sind daher nicht mehr auf die Hilfe Österreichs angewiesen. "Die Mediziner wurden Großteils ja auch bei uns ausgebildet", sagt Jaksch.

Dennoch ist die heimische Transplantationsmedizin mit entsprechenden Organen gut ausgestattet. Das liegt unter anderem nicht zuletzt an einer Methode, die sich Ex-vivo-Perfusion nennt. Damit kann man den Zustand von potenziellen Spenderlungen, die zunächst qualitativ eher schlecht sind, vor einer Transplantation verbessern , das Organ wird quasi "repariert".

Lungen, die früher nicht verwendet worden wären, zeigen mit Hilfe dieser Methode eine beeindruckende Verbesserung der Funktion und können implantiert werden. Es wird dabei das Organ an ein Beatmungsgerät angeschlossen und gespült. "Dadurch könnten wir die Lebensdauer von ohnehin starken Lungen noch weiter verbessern", sagt Klepetko. Heute können Lungen sogar noch von 80-Jährigen verwendet werden. Und es ist sogar möglich, das Spenderorgan eines ehemaligen Rauchers zu verwenden, so lange die Sauerstofffunktion des Organs tadellos ist.

Mit einer transplantierten Lunge überleben die Patienten im Schnitt zehn Jahre und länger. Der "älteste" Patient mit einer zweiten Lunge lebt damit schon 24 Jahre, sagt Jaksch.

Allerdings ist die Immunsuppression - das ist die medikamentöse Unterdrückung einer natürlichen Abstoßungsreaktion des Körpers des implantierten Organs - besonders hoch. Die Lunge ist durch die Atemluft ständig mit der Außenwelt - und damit mit einer ganzen Reihe von Keimen in Kontakt. Der lungentransplantierte Patient muss daher also sehr auf sich aufpassen, um nicht krank zu werden.

Aufgerufen am 06.12.2021 um 07:53 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/lungentransplantation-wie-aerzte-den-patienten-einen-zweiten-atem-einhauchen-38341420

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