Gesundheit

Wenn Bienen töten können: Allergie wird präziser bekämpft

Allergien kann man heute viel exakter diagnostizieren als früher. Damit hat auch die "Schrotflinte" gegen allergische Reaktionen auf Bienen- und Wespenstiche ausgedient.

Eine Allergie gegen Stiche von Bienen und Wespen kann im schlimmsten Fall tödlich sein. Aber wer entwickelt überhaupt allergische Reaktionen? Belegt ist: Je öfter man von einer Biene oder Wespe gestochen wird, umso größer ist auch die statistische Wahrscheinlichkeit, gegen das Gift allergisch zu werden. Die erfreuliche Botschaft für Betroffene: Thomas Hawranek, Leiter der Allergieambulanz am Uniklinikum Salzburg, betont, dass die Testverfahren zuletzt deutlich verbessert wurden. "Die Allergene sind heute insgesamt deutlich besser erforscht. Man kennt genau die Proteine, die eine Allergie auslösen."

In der Praxis heißt das: Früher konnte man beispielsweise oft nicht genau unterscheiden, ob ein Patient nur an einer Allergie gegen Bienenstiche leidet und ihm Wespenstiche nichts ausmachen. Und umgekehrt. Deshalb musste man oft vorsorglich gegen beide Allergien impfen. Das ist nun meist nicht mehr notwendig, die Therapie kann viel zielgerichteter erfolgen.

Zur Vorsorge: Der Allergieexperte weist darauf hin, dass es nicht sinnvoll sei, nach Stichen ohne allergische Symptome einen Test machen zu lassen. Gestochene hätten zum Großteil bei den Tests im Blut wie an der Haut ein positives Ergebnis, ohne jedoch ein höheres Risiko einer allergischen Reaktion aufzuweisen als die Gesamtbevölkerung. Viele Menschen entwickelten eine Allergie gegen Bienen- und Wespengift erst im Lauf des Lebens. Daher sind Imker die mit Abstand größte allergische Personengruppe.

Umso wichtiger ist es, die Symptome einer Bienen- und Wespenstichallergie zu kennen, um frühzeitig etwas dagegen zu unternehmen. Hawranek nennt mehrere Stadien: Zunächst sei es meist nur ein Nesselausschlag der Haut. Aber auch in solchen Fällen sollte man hellhörig werden und sich genauer untersuchen lassen. Weitere Symptome sind Schwellungen nicht nur dort, wo die Biene oder Wespe gestochen hat, sondern auch an anderen Körperstellen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Atemnot, Halsenge bis hin zur Ohnmacht und zum Herz-Kreislauf-Stillstand.

Die wichtigste Soforthilfemaßnahme bei Kreislaufbeschwerden, wenn kein Notfallset mit einer Adrenalinspritze zur Verfügung steht, ist die richtige Schocklagerung. Konkret: Beine so hoch wie möglich lagern, am besten senkrecht in die Höhe. "Das wirkt durch die große Blutmenge in den Beinen wie eine Eigeninfusion", betont der Leiter der Salzburger Allergieambulanz. Die Beine sollten hoch gehalten werden, bis die Rettungskräfte kommen.

Ist eine Allergie gegen Bienen- und Wespengift diagnostiziert, gibt es eine Impfung, um immun dagegen zu werden. Das ist ein Prozess über drei Jahre. Dabei wird zunächst, wie Hawranek erklärt, in Abständen von ein bis zwei Wochen das Insektengift geimpft, um auf eine sogenannte Erhaltungsdosis zu kommen. Danach benötigt man alle ein bis zwei Monate eine Auffrischungsimpfung. Hawranek: "Heute bieten wir aber auch stationäre Aufenthalte über drei Tage an, um viel schneller auf die Erhaltungsdosis zu kommen."

Das Risiko eines sogenannten anaphylaktischen Schocks liegt nach einer Impfung im Fall von Wespenstichen statt bei 70 Prozent bei null bis fünf Prozent und bei Bienenstichen zwischen fünf und zehn Prozent. Das Risiko in der Normalbevölkerung beläuft sich auf drei Prozent.

Aufgerufen am 31.10.2020 um 11:35 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/wenn-bienen-toeten-koennen-allergie-wird-praeziser-bekaempft-68542558

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