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Schützt Fischöl das Herz?

Omega-3-Fettsäuren in Fischölkapseln sind seit Jahren weitverbreitet. Doch wie gut sind sie wirklich, und reicht es nicht, regelmäßig Meeresfrüchte zu essen?

Mehr Fischkonsum wäre ratsam. SN/annapustynnikova - stock.adobe.c
Mehr Fischkonsum wäre ratsam.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen in in Österreich zu den häufigsten Todesursachen. In Populationen mit einem regelmäßigen Fischkonsum treten sie deutlich seltener auf als in einer Bevölkerung mit geringem Fischverzehr. Dafür verantwortlich dürften die beiden in Fisch enthaltenen langkettigen Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) sein. Wie durch zahlreiche Studien belegt, schützen sie durch ihre antientzündliche und gefäßschützende Wirkung vor kardiovaskulären Erkrankungen.

So boomt das Geschäft mit diversen als "Herzschutz" verkauften Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischölpräparaten. Nach anfänglicher Euphorie schrieben viele Experten die Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs bereits wieder ab. Grund dafür waren mehrere große Studien mit enttäuschenden Ergebnissen in Bezug auf die kardiovaskuläre Prävention durch Fischölkapseln. "Es gibt keine einzige Rechtfertigung für die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren", lautete beispielsweise das Fazit der Autorin der groß angelegten ASCEND-Studie, bei der sich die Supplementierung als wirkungslos herausstellte.

Auch in der Megastudie VITAL mit fast 26.000 Probanden konnte die Hoffnung, durch Fischöl kardiovaskulären Erkrankungen vorbeugen zu können, nicht bestätigt werden. Zuletzt musste der internationale Pharmakonzern AstraZeneca im Jänner 2020 bekannt geben, dass die Phase-III-Studie STRENGTH vorzeitig beendet werden musste, da keine Aussicht auf einen positiven Nutzen des Fischölpräparats Epanova bei Risikopatienten bestand. Im Gegensatz dazu stehen jedoch die Ergebnisse der JELIS- und der REDUCE-IT-Studie, bei denen die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren eine erstaunlich positive Wirkung hatte.

Doch was ist die Erklärung für solch widersprüchliche Studienergebnisse? Welche Unterschiede bestanden zwischen den getesteten Präparaten, und welche Empfehlungen lassen sich letztendlich für den Konsumenten ableiten? Sowohl die JELIS als auch die REDUCE-IT-Studie wurden mit Präparaten durchgeführt, die ausschließlich hoch gereinigte Eicosapentaensäure (EPA), also nicht wie üblich die Kombination mit Docosahexaensäure (DHA) enthielten. Beide Studien zeigten eine signifikante relative Risikoreduktion für Koronarereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulär verursachten Tod. Das in der REDUCE-IT-Studie getestete verschreibungspflichtige Präparat Vascepa wurde dabei in einer hohen Dosis von vier Gramm pro Tag verabreicht, in der JELIS-Studie wurden täglich 1,8 Gramm Epadel gegeben.

Experten nehmen daher an, dass die protektive Wirkung von Fischöl von der Zusammensetzung, der eingenommenen Dosis sowie zusätzlich auch vom Einnahmezeitpunkt (zu den Mahlzeiten oder nüchtern) abhängt. Durch die Einnahme zu den Mahlzeiten dürfte die Bioverfügbarkeit verbessert werden.

In den USA dürfen hoch dosierte EPA-Präparate bei bestimmten Patienten, etwa Hochrisikopatienten mit Diabetes mellitus und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren, sowie Patienten, die bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, bereits zur kardiovaskulären Primär- und Sekundärprävention verordnet werden. In Europa rechnet man mit einer Entscheidung über die Zulassung im Laufe des Jahres 2020.

Fazit: Bei kardiovaskulären (Risiko-)Patienten konnte eine Schutzwirkung für das Herz-Kreislauf-System durch hoch dosierte, reine EPA-Präparate gezeigt werden. Dass die Einnahme von Fischölpräparaten die Allgemeinbevölkerung ohne Vorerkrankungen oder Risikofaktoren vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann, ist damit aber nach wie vor nicht bewiesen.

Es gibt daher auch keine offizielle Empfehlung für eine Nahrungsergänzung mit marinen Omega-3-Fettsäuren. Nicht zuletzt gilt es zu bedenken, dass hoch dosierte Fischölkapseln sowohl als Arzneimittel als auch als Nahrungsergänzungsmittel Nebenwirkungen hervorrufen können. Bekannte unerwünschte Wirkungen sind Übelkeit, nachteilige Auswirkungen auf das Immunsystem, ein erhöhtes Blutungsrisiko und, unter bestimmten Umständen, sogar ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen. Gesunden Menschen wird eine tägliche Aufnahme von 250 mg DHA und EPA empfohlen, eine Menge, die durch Fischkonsum zwei Mal pro Woche leicht erreicht werden kann.

Friedrich Hoppichler ist Ärztlicher Leiter der Barmherzigen Brüder in Salzburg.

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Aufgerufen am 30.10.2020 um 03:36 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/schuetzt-fischoel-das-herz-88958494

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