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Was kann Merinowolle?

Warm eingepackt trotzen wir im Herbst und Winter auch den niedrigsten Temperaturen. Die Merinowolle hat sich hierbei in den letzten Jahren vor allem im Bereich der Sportkleidung einen Namen gemacht. So gilt sie als besonders funktionale Naturfaser, die den Körper im Sommer sowie im Winter gut unterstützt. Doch was macht die Merinowolle so besonders und wie kann sie im Sommer kühl und im Winter warm halten?

Die kalte Jahreszeit ruft Erinnerungen an kratzige Wollpullover in Übergröße hervor. Doch die Zeiten haben sich geändert - die weiche, funktionale und atmungsaktive Merinowolle ist bei Outdoor-Kleidung nicht mehr wegzudenken. SN/pixabay
Die kalte Jahreszeit ruft Erinnerungen an kratzige Wollpullover in Übergröße hervor. Doch die Zeiten haben sich geändert - die weiche, funktionale und atmungsaktive Merinowolle ist bei Outdoor-Kleidung nicht mehr wegzudenken.

Wer an den Winter denkt, dem kommen häufig Bilder an Michelin-Männchen ähnliche Zwiebel-Look-Ensembles aus Kindheitstagen in den Sinn. Doch seiterher hat sich in der Bekleidungsindustrie einiges getan. Vor allem bei Outdoor-Kleidung wird stark auf Funktionalität gesetzt , denn die passende Kleidung soll im Sommer vor großer Hitze schützen und Feuchtigkeit schnell abtransportieren und im Winter sollen auch dünne Lagen vom richtigen Material die Körperwärme isolieren.

Bei den Outdoor-Begeisterten hat sich in den letzten Jahren dabei die Merinowolle zum absoluten Must-have etabliert, denn sie gilt als besonders atmungsaktive und weiche Naturfaser. Wir haben uns das Material näher angesehen und klären ab, was die Merinowolle so besonders macht.

Woher kommt die Merinowolle?

Am Anfang steht das Schaf - in diesem Fall das Merinoschaf. Es wurde im 14. Jahrhundert in Spanien durch eine Kreuzung gezüchtet, doch lange war eine Ausfuhr der hochwertigen Wolle verboten. Viele Jahrhunderte später trat das Schaf seine Reise auf die unterschiedlichen Kontinente an und wurde dort wiederum mit anderen heimischen Rassen gekreuzt. Heute kommt die Schurwolle hauptsächlich aus Australien, dem größten und führenden Hersteller für Wolle. Bekannte Marken beziehen ihre Wolle auch aus Neuseeland, Südafrika, Argentinien, Tasmanien, Frankreich oder Italien.
Die Schafe werden 1-2 Mal im Jahr geschoren - daher auch der Begriff Schurwolle. Als Schurwolle darf sich nur jene Wolle bezeichnen, die durch die Schafschur von lebendigen Tieren erworben wurde.

Was ist besonders an der Merinowolle?

Das Fell besteht aus besonders dünnen und atmungsaktiven Haaren - je feiner das Haar desto angenehmer das Tragegefühl. Mit den kratzigen Wollpullover von früher, hat dies mittlerweile nichts mehr zu tun, denn die Fasern sind um ein vielfaches dünner als jene von anderen Wollarten. Das Fell hat die perfekten Voraussetzungen für jegliche Temperaturen und schützt daher das Tier perfekt vor Wärme und Kälte - genau diese Funktionalität ist auch für Outdoor-Kleidung wichtig, denn die soll auch unter extremen Bedingungen verlässlich schützen.

Welche Eigenschaften besitzt Merinowolle?

Der Merinowolle wird eine Reihe an positiven Eigenschaften zugesprochen. Geworben wird unter anderem damit, dass Kleidungsstücke problemlos mehrmals getragen werden können, ohne dass die Umgebung die Nase rümpft. Das klingt erstmal gut, denn vor allem bei Mehrtages-Touren soll so wenig Gepäck wie möglich mit. Doch funktioniert das wirklich?


Merinowolle ist geruchsneutral
Schweiß an sich ist geruchslos, erst durch die Bakterien entsteht der unangenehme Geruch. Die Bakterien fühlen sich vor allem dort wohl, wo viel Feuchtigkeit herrscht. Kunstfasern sind glatt, daher bleibt der Schweiß leicht haften und der feuchte Stoff sowie die verschwitzten Hautstellen, werden zum Nährboden der Bakterien. Anders bei der Merinowolle. Die Fasern der Merinowolle transportieren die Feuchtigkeit so schnell ab, dass die Bakterien gar nicht dazu kommen das Müffeln entstehen zu lassen. Der Schweiß wird direkt vom Zellkern der Faser aufgenommen und durch die inneren Eiweiß-Moleküle werden die Bakterien rasch vernichtet.


Merinowolle fühlt sich gut an und ist auch für Allergiker geeignet
Mit dem dicke Wollpullover von früher, der schon auf den ersten Blick die Haut zum Jucken gebracht hat, hat Merinowolle nichts mehr zu tun. Die Fasern sind um ein vielfaches dünner als menschliches Haar, daher krümmen sie sich und hinterlassen so ein weiches Gefühl auf der Haut. Kleidung und Accessoires wie Schals oder Hauben sind auch besonders für Kinder und Allergiker geeignet, da die weichen Fasern keine Hautirritationen hervorrufen.


Merinowolle schützt vor Wärme und Kälte
Wolle ist nicht nur für den Winter gedacht, denn speziell die Merinowolle wirkt isolierend bei Wärme und Kälte. So schützt sie vor kalten Außentemperaturen im Winter und hält die eigene Körperwärme zusammen. Die Fasern können über 35% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass sich die Kleidungsstücke dadurch nass anfühlen. Wenn im Sommer also die Außentemperaturen steigen, dann trocknet die Feuchtigkeit in den Fasern schneller. Das Resultat ist, dass durch die Isolation eine erfrischende Verdunstungskälte entsteht.

Die richtige Outdoor-Kleidung schränkt den Träger bei keinem Abenteuer ein. Merinowolle unterstützt bei jeglichen Aktivitäten und hält durch das richtige Material warm bzw. kühlt an heißen Tagen. SN/pixabay
Die richtige Outdoor-Kleidung schränkt den Träger bei keinem Abenteuer ein. Merinowolle unterstützt bei jeglichen Aktivitäten und hält durch das richtige Material warm bzw. kühlt an heißen Tagen.


Merinowolle ist wasserabweisend
Durch die Struktur der Fasern perlen Wassertropfen schnell von der Oberfläche ab. Auch das Wollfett Lanolin wirkt wie eine Schutzschicht und stellt sicher, dass Feuchtigkeit und Schmutz nicht in das Innere eindringen können.


Merinowolle ist ein Naturprodukt
Ein sehr wichtiger Punkt ist auch jener, dass Merinowolle ein nachhaltiges Naturprodukt ist. Es wächst regelmäßig nach, ist biologisch abbaubar und ist auch ohne Chemie ein wahrer Allrounder.

Welche Nachteile hat Merinowolle beziehungsweise die Schafzucht?

Ein Schaf wirft pro Jahr zirka 2- 4 Kilo Wolle ab. In einigen Zuchtbetrieben werden die Schafe jedoch dahingehend gezüchtet, dass sie möglichst viele Hautfalten haben, um so mehr Wolle pro Jahr abliefern zu können. Laut dem Tierschutzbund sind die warmen, feuchten und verschmutzen Hautfalten häufig der optimale Legeplatz für Fliegenmaden. Die Maden fressen sich dann ins Gewebe des Tieres - die Entzündungen können in Folge zum Tod des Schafes führen. Um dem Befall vorzubeugen, werden den Lämmern ohne Betäubung Hautfalten in Regionen rund um den Schwanz herausgeschnitten. Viele Hersteller von Outdoor-Mode sprechen sich gegen dieses Vorgehen aus und deklarieren die Bekleidung als 'Mulesing-frei'.
Es ist daher immer empfehlenswert sich vor dem Kauf im Internet oder direkt im Geschäft über die Herkunft sowie die Bedingungen der Wollgewinnung zu informieren.

Warum bietet sich Merinowolle für Sportbekleidung an?

Aufgrund der oben genannten Eigenschaften der Merinowolle sollte klar sein, warum das Material vor allem bei Funktionskleidung so beliebt ist. Bekleidung aus Merinowolle trocknet schnell, wärmt bei kühlen und kühlt bei warmen Temperaturen und stinkt nicht bereits nach dem ersten Schweißausbruch. Da die Faser jedoch als nicht besonders strapazierfähig gilt, setzen viele Marken auf Mischgewebe. So wird Merinowolle häufig mit natürlichen Zellstoffen wie Modal sowie Lyocell oder mit synthetischen Fasern wie Polyester kombiniert. Bei Mischgewebe sollte jedoch darauf geachtet werden, ob das Mischgewebe Vorteile für das Kleidungsstück bringt oder ob es sich hierbei rein um Kosteneinsparungen des Herstellers handelt. Ein überlegter Materialmix kann die Funktionalität durchaus erhöhen und die Bekleidung zum Beispiel strapazierfähiger und dehnbarer machen.


Aufgerufen am 18.01.2021 um 08:12 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/was-kann-merinowolle-95473075

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