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Das Haus der Krapfen in Slowenien

Süße Verführung in der Raststätte. Seit Generationen stärken sich Urlauber auf dem slowenischen Trojanepass mit Krapfen.

Das Haus der Krapfen in Slowenien SN/behr
In einer dem Lokal angeschlossenen Backstube werden rund um die Uhr die Süßspeisen hergestellt.

Als es noch keine durchgehende Autobahn zwischen Maribor und Ljubljana in Slowenien gab, mühten sich die Urlauberkolonnen Richtung Istrien auf einer Bergstraße über den Trojanepass. Die Mühsal der kurvenreiche Strecke wurde bei einer Rast aber belohnt. Ziemlich üppig sogar. Denn: Unweit der Passhöhe lud der Gasthof Trojane zu slowenischer Hausmannskost und vor allem zum Genuss einer schmackhaften Kalorienbombe: Riesenkrapfen. Eine Autobahnausfahrt Richtung Mini-ImperiumWer beim Autobahnbau ein Aus für die traditionelle Raststätte inklusive süßer Zwischennahrung befürchtet hatte, lag falsch. Eine Autobahnabfahrt lotst auch heute noch die Urlauber, die vom Meer kommen oder ans Meer fahren, direkt in die mittlerweile zum gastronomischen Mini-Imperium aufgestiegene Gaststätte. Während in den 1960er-Jahren noch pro Tag rund 50 Krapfen gebacken wurden, ist diese Zahl mittlerweile in die Höhe geschnellt. An starken Reisetagen oder in der Faschingszeit werden zwischen 7000 und 8000 "Trojane-Krapfen" hergestellt und verkauft. Tage, in denen weniger als 5000 Krapfen den Besitzer wechseln, sind selten. In einer dem Restaurant angeschlossenen Backstube werden die mit Marillenmarmelade gefüllten, rund 20 Dekagramm schweren Krapfen geformt und gebacken. Ihre Besonderheit? Sie sind trotz ihrer Größe mürb, nicht allzu fett und werden meist noch warm serviert.

Seit einigen Jahren gibt es auch solche, die mit Vanillecreme gefüllt, mit Schokolade überzogen und mit Kokosraspel bestreut sind. Weitere einschlägige, weil nahrhafte Spezialitäten des Hauses sind Cremeschnitten und die lokale Spezialität Prekmurska gibanica: Auf einem Mürbteigboden bauen sich in vier Schichten (Mohn, Topfen, Walnüssen und Äpfeln) köstliche Füllungen auf. Bereits in der Monarchie gab es auf dem Verkehrsweg, der "alte Wiener Straße" hieß, auf dem Trojanepass eine Raststätte. 1913 wurde eine Busverbindung zwischen Celje und Ljubljana eingerichtet und der Halt auf dem Trojanepass war obligatorisch. Einer der Betreiber der Buslinie war auch der Inhaber des Gasthauses: Franc Konjšek. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Rajka Konjšek den brachliegenden gastronomischen Betrieb wieder auf. Nachdem die Trojanepassstraße 1959 asphaltiert wurde, kam allmählich auch der Tourismus in Schwung.Der Start der Krapfen-HerstellungZwei Jahre später, 1961, begann man im Gasthaus mit der Herstellung der Süßspeise, die später zum Markenzeichen werden sollten: Krapfen. Das im Volksmund "Krapfenwirt" genannte Lokal beschäftigt mittlerweile 120 Personen, der Jahresumsatz beträgt rund 6,5 Millionen Euro. Neben dem Lokal gibt es auch einen Krapfen-Shop und einen Mini-Market, in dem es neben Lebensmitteln, Wein, Badesachen oder Spielzeug auch hauseigene Souvenirs gibt: T-Shirts oder Schneekugeln (natürlich mit Krapfenmotiven) beispielsweise. Für die Reisenden stehen 150 Parkplätze zur Verfügung. "Bei uns dreht sich alles um den Krapfen", sagt Ana, die im Geschäft die 1,20 Euro teuren Krapfen in Kartons verpackt: "Viele Urlauber kaufen hier welche und essen sie dann während der Fahrt." Insider kennen die "Trojane-Regel": Wer sechs Krapfen kauft, bekommt einen siebten gratis.

Der Duft frischer Krapfen erfüllt die Gaststuben. Ein Geruch, der nostalgische Kindheitserinnerungen weckt: an Zwischenstopps mit den Eltern, an lange Fahrten in Autos, die keine Klimaanlage hatten, an die Vorfreude auf den Badeurlaub in Izola, Umag oder Portorož. An Mittagessen, bei denen die Familie auf die Vor- und Hauptspeise zugunsten der Nachspeise verzichtete. War der Urlaub vorbei, gab es noch einen kleinen Trost: den Halt auf der Heimfahrt. Beim "Krapfenwirt".

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