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Die versunkene Weltstadt

Ayutthaya. Der Glanz der thailändischen Metropole zog Besucher schon vor 300 Jahren an.

Was für ein Treiben muss geherrscht haben in dieser Weltstadt der frühen Neuzeit: Um 1700 hatte Ayutthaya, die damalige Hauptstadt von Siam, eine Million Einwohner und war eine der größten Städte der Welt. Besucher aus Europa bezeichneten sie oft auch als "schönste Stadt der Welt", sie waren beeindruckt vom Prunk der Metropole mit 375 Tempelanlagen und drei Königspalästen. Alles glänzte vor Gold, trotz der Größe wirkte die Stadt gut organisiert mit ihren Straßen, Kanälen und einem modernen Bewässerungssystem. Als Schnittpunkt zwischen Ost und West war Ayutthaya eine globale Handelsmetropole, wo sich Kaufleute aus Europa mit jenen aus China und Indonesien trafen. Deutsche, Engländer und Italiener lebten in eigenen Stadtvierteln. Die Bewunderung der Besucher war nachvollziehbar. Zur selben Zeit waren auch die größten Städte Europas winzig im Vergleich zum riesigen Handelszentrum Südostasiens. Selbst in London beispielsweise wohnten Anfang des 18. Jahrhunderts gerade einmal 600.000 Menschen.

Prachtvolle Ruinen

Wer heute nach Ayutthaya kommt, kann die Dimensionen von einst nur noch erahnen. Nach der Eroberung durch die Birmanen 1767 wurde 80 Kilometer entfernt die neue Hauptstadt Bangkok errichtet. Die Bewohner mussten umsiedeln, die alte Stadt verfiel zunehmend, am Ende blieben großteils nur Ruinen. Was heute gut erhalten wirkt, sind daher Nachbauten, die im 20. Jahrhundert als Zugeständnis an die wachsenden Touristenströme entstanden: So datieren die Chedis, die drei markanten spitzen Türme im Geschichtspark von Ayutthaya, aus dem Jahr 1956. Doch bei der Restauration wurden Gold- und Diamantenschätze gefunden, die bei der Zerstörung vergessen worden waren.

Ein kurzer Blick nach Bangkok. Die neue Metropole Thailands beeindruckt die europäischen Besucher heute genauso wie Ayutthaya vor 300 Jahren. Laut, hektisch, riesig, bunt, labyrinthisch, drückend heiß und verwirrend. Oft nur als Zwischenstation zu den Badeparadiesen im Süden des Landes angesteuert, sind Touristen meist froh, Bangkok rasch wieder verlassen zu können. Wer die Metropole mit ihren acht bis neun Millionen Einwohnern abseits von dauerverstopften doppelstöckigen Highways, grellem Nachtleben und Nepp mit den Tuk-Tuk-Taxis genießen will, tut gut daran, sich einem Spezialisten anzuvertrauen. Bangkok bietet viel, viel mehr.

Inmitten der Stadt finden sich auch die neuzeitlichen Nachbauten der Tempelanlagen von Ayutthaya, quasi die makellose Hochglanzversion der verfallenen alten Metropole. Das königliche Zentrum von Rattanakosin mit seinen Palästen und Tempeln wirkt als Rhapsodie aus Gold, üppigen Formen und bunten Farben. Damit einher geht eine Dichte an Selfie-Sticks wie sonst nur beim Trevi-Brunnen in Rom.

Lieber weniger Gold, dafür echt

Nicht nur deshalb ziehen viele Thailand-Reisende das verwitterte und verfallene Original vor. Zurück also nach Ayutthaya. Ein Insider-Tipp ist eine rund 70 Kilometer lange Fahrt mit der Regionalbahn. Im Waggon mit morbidem 60er-Jahre-Charme sitzt der Reisende im Großraumabteil mit einheimischen Normalbürgern. Small Talk? Eher schwierig. Nichts fürchtet der Thai mehr als Gesichtsverlust. Und der könnte bei sprachlichen Hürden durchaus drohen. Umgekehrt lohnt es sich, Gesprächen auf Thailändisch zu lauschen. Die Chance, etwas zu verstehen: gleich null. Der Unterhaltungsfaktor: Sehr hoch. Bei fünf verschiedenen Tonhöhen wirkt auch normales Reden wie Gesang.

Tatsächlich singend erlebt man die Thailänder, wenn man seine Zugfahrt so legt, dass man um acht Uhr am Bahnhof ist. Dann ertönt täglich an allen öffentlichen Plätzen die Nationalhymne zu Ehren des Königs. Die Herrscherdynastie der Chakris ist seit 1782 an der Macht. Dass der aktuelle Regent Maha Vajiralongkorn bis zu seiner Krönung 2017 hauptsächlich am Starnberger See lebte, mit einer ehemaligen Stewardess liiert sein soll und in profaner Kleidung Gartencenter aufsuchte, ist kein empfehlenswerter Gesprächsstoff. Auf Herabwürdigung des Königshauses und Majestätsbeleidigung stehen in Thailand hohe Strafen.

Respekt ist angebracht

Angemessene Zurückhaltung ist auch in Ayutthaya empfohlen, wenn buddhistische Gedenkorte besucht werden. Doch so eine liegende Buddhastatue gebietet allein schon ob ihrer Größe Respekt. Jene im Wat Lokayasutha etwa misst ganze 40 Meter.

Viel kleiner, aber nicht minder eindrucksvoll ist die wohl meistfotografierte Attraktion von Ayutthaya: Beim Wat Mahathat blickt ein steinerner Buddha-Kopf aus einem Baum heraus. Eine Laune der Natur oder doch ein göttliches Zeichen? Darüber mag man bei einer Bootsfahrt auf dem Chao-Phraya-Fluss nachdenken. Ebenfalls auf dem Wasserweg ist die komfortable Anreise von Bangkok per Kreuzfahrtschiff möglich.

In etwas kleineren Wasserfahrzeugen lässt sich hingegen Bang Pa In ansteuern. Hier befindet sich der Sommerpalast der siamesischen Herrscher. Die Könige Mongkut und Chulalongkorn ließen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Eindrücke von Europa-Reisen einfließen. Das erklärt den fast disneylandartigen Mix an Gebäuden - auch ein Schweizer Chalet und sogar eine katholische Kirche findet man. Mongkut war übrigens jener König von Siam, der eine britische Lehrerin für seine gut 50 Kinder einstellte und damit die Vorlage für den mehrfach verfilmten Stoff von "Anna und der König" lieferte.

So wie Yul Brynner, Rex Harrison, Deborah Kerr oder Jodie Foster auf der Leinwand und im TV versuchen Europa und Thailand seit Jahrhunderten, einander besser zu verstehen. Thailand war jedoch nie Kolonie, sondern stets selbstständig. Vielleicht bleibt deshalb immer ein Zauber des Fremden, Exotischen und Mystischen bestehen.

Anreise und Wissenswertes:

Die beste Reisezeit für Thailand ist Winter, genau genommen von November bis Februar. Die Lufthansa-Tochter Eurowings fliegt drei bis vier Mal pro Woche von Salzburg, Wien und München via Düsseldorf nach Bangkok. Der Zeitunterschied von Österreich zu Thailand beträgt +6 Stunden.

www.eurowings.com

Angebote und Veranstalter:

Das Münchner Unternehmen Enchanting Travels organisiert wahlweise selbst organisierte Reisen oder Katalogreisen (individuell, aber nach vorgegebenem Programm) und Bausteinreisen, die aus vorgegebenen Komponenten zusammengestellt werden. Die Möglichkeiten erstrecken sich von Strandurlaub über Genussreisen bis hin zu Luxusreisen. Ayutthaya ist eines der Ziele auf der zehntägigen Kombireise "Staunen, shoppen und sonnen in Thailand".

www.enchantingtravels.de

Tipp: Buntes Bangkok
Ein Besuch beim thailändischen Nationalsport, dem Muay-Thai-Boxen, eine Kajaktour auf den Kanälen Bangkoks oder eine Entdeckungsreise durch die Garküchen auf den Straßen oder zu den coolsten Rooftopbars - das sind nur einige der vielen Möglichkeiten, die Metropole kennenzulernen.

Auskünfte zu Stadt und Land: www.tourismusthailand.at

Aufgerufen am 28.11.2020 um 12:34 auf https://www.sn.at/leben/reisen/die-versunkene-weltstadt-61244524

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