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Slow Cruising: Immer mit der Ruhe

Slow Cruising ist neu und bedeutet bei Costa Kreuzfahrten extralange Liegezeiten in den Häfen und jede Menge Zeit zum Bummeln, Ausgehen und Genießen.

Slow Cruising: Immer mit der Ruhe SN/hutter
Der Abend senkt sich auf Maltas Hafen La Valletta. 

Ramblas und Sagrada Família mögen ja wirklich sehenswert sein, aber es geht doch nichts über einen Besuch im Parque Güell, wenn die Sonne schon tief steht. Dann leuchten Antoni Gaudís vielfarbige Keramikmosaiken auf Bänken, Säulen und Figuren auf und den Park und die ganze Stadt überzieht ein goldener Schimmer. Wer hierher möchte, muss zuerst quer durch Barcelona. Vom Hafen durch die Ramblas bis zur Plaza Catalunya und dann mit dem Bus weiter die Hügel hinauf. Das braucht mehr Zeit, als Kreuzfahrtpassagiere für gewöhnlich an Land haben. Außer sie sind auf einem Schiff der NeoCollection von Costa unterwegs, in diesem Fall auf der "Costa neoRiviera".

Hier geht es um das neue Slow Cruising und "slow" heißt in diesem Fall, dass das Schiff rund zehn Stunden lang in einem Hafen liegt. Genug Zeit also, um richtig was zu unternehmen. Ein ausgiebiger Stadtbummel mit Aperitif und Mittagessen im provenzalischen Hafenort Toulon stand am Vortag auf dem Programm, heute ist die Hauptstadt Kataloniens dran. Auf Wunsch sogar mit Nightlife, denn die "Costa neoRiviera" bleibt fest vertäut im Hafen bis zum nächsten Tag zu Mittag. Da geht sich sogar noch ein Besuch der einzigartigen Miró-Foundation aus.

Die "Costa neoRiviera" ist ein Schiff zum Wohlfühlen. Keine dramatisch opulente Dekoration, sondern klassische Eleganz, dezente Farben, auch in den Kabinen. Viel Ruhe, viel Entspannung, ein kleiner, feiner Wellnessbereich, exzellente Musikensembles, ein hübscher Pool an Deck. Ohne herumtollenden Nachwuchs jedoch, denn auf den Schiffen der NeoCollection reisen Kinder nicht gratis wie auf anderen Costa-Schiffen. Stattdessen viele Paare, die in aller Beschaulichkeit ihren Sunset-Aperitivo an der Poolbar Corniglia genießen. Zum Abendessen gibt's - für das mit 216 Metern Länge und rund 1700 Passagieren eher kleine Schiff - dennoch große Auswahl. Zwangloses Buffet auf Deck elf, Pizza und Grill gleich nebenan oder gesetztes Diner auf Deck fünf, in echter Gourmetqualität mit erstklassigem Service. Wer Glück hat, erspäht auch den Kapitän, der eine schmucke Uniform trägt und einen Namen wie aus einer Puccini-Oper: Nicolantonio Palombella.

Sehr opulent auch die nächste Anlegestelle: Palermo. Zeit für die ersten Ansichtskarten - und Briefmarken. Hinter der Schalterfront aus den 30er-Jahren in der Halle der Hauptpost in der Via Roma seufzt ein dicklicher Mittvierziger unter der Last seines Beamtenlebens. Sieben Marken für Europa werden aus der Mappe gefischt, dann hellt sich das Gesicht unter dem rötlichen Haarschopf plötzlich auf. Ob wir nicht auch - ein rascher Griff in die Schublade - die Sondermarken-Edition "Frecce Tricolori" mitnehmen möchten? Nein? Oder vielleicht "150 Jahre Italienische Post" oder, eine Freude für jeden Sammler, "50 Jahre Nutella"? Wir lehnen dankend ab, zahlen und lassen einen resignierten Postbeamten zurück.

Palermo ist eine Welt für sich, ein faszinierendes Gewirr aus schmuddeligen Nebengassen und prunkvollen Barockpalästen, dicht befahrenen Einkaufsstraßen, Kirchen und Märkten, die vor Fenchel, Artischocken, Zitronen, Orangen, Käse und Fisch überquellen. Wenn wir schon nichts kaufen, dann sollten wir wenigstens in ein gutes Restaurant gehen, grinst ein Fischhändler, wischt sich die Hand an der Schürze ab, nestelt eine Visitenkarte aus der Hosentasche und wendet sich wieder seinen silbrigen Spatola-Fischen zu. Sein Tipp führt uns in eine erstklassige Osteria zu höchst moderaten Preisen in Hafennähe. Viel Zeit haben kann sehr schmackhaft sein.

Doch die Küche an Bord ist ebenfalls bemerkenswert. An den Töpfen werken auch zwei Frauen, eine Seltenheit auf Kreuzfahrtschiffen. Zwei der Köche sind ausschließlich für Passagiere mit Allergien und Unverträglichkeiten zuständig, insgesamt wird hier in vier Küchen gearbeitet. Dazu kommen die Patisserie und Bäckerei, die 24 Stunden in Betrieb sind. Auch wenn das Schiff nur halb voll ist, werden hochrechnet pro Woche 2100 Kilogramm Fisch, 640 Kilogramm Pasta, 990 Flaschen Wein und 6500 Kilogramm Gemüse verputzt. Für die Gäste, aber auch für Kellner und Zimmermädchen, Sänger und Tänzerinnen, Matrosen, Offiziere und natürlich die Köche selbst. Kein Dolce Vita ohne gutes Essen und Wein, eine Frage der Ehre für ein italienisches Schiff.

Große, spektakuläre Hafenstädte wie die Kreuzritterhochburg und maltesische Hauptstadt La Valletta werden ebenso angefahren und erkundet wie kleinere, nicht so gängige Destinationen wie etwa Salerno. Hier lässt sich bequem ein Ausflug zu den Ausgrabungen in Pompej unterbringen, Hektik kommt nicht auf. Von Livorno aus wird der Piazza dei Miracoli in Pisa ein Besuch abgestattet und, weil einfach zu erreichen, auch dem befestigten Lucca, Geburtsstadt von Puccini und Boccherini.

Beschaulich gleitet die "Costa neoRiviera" über das silbrig-glatte Meer. Nächstes Ziel: der Heimathafen Savona. Irgendwie schade. An den geruhsamen Rhythmus hätte man sich gewöhnen können.

Aufgerufen am 04.02.2023 um 11:34 auf https://www.sn.at/leben/reisen/slow-cruising-immer-mit-der-ruhe-2759131

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