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Ausgetrocknete Victoriafälle: So sieht es derzeit wirklich aus

Bilder von vollkommen ausgetrockneten Wasserfällen machten die vergangenen Tage die Runde. Der Wasserfall mit der größten hinabstürzenden Wassermenge der Welt - ausgetrocknet? Der Klimawandel sei schuld, hieß es. Die Lage vor Ort sieht etwas anders aus.

Im Internet bot sich in den vergangenen Tagen ein beunruhigendes Bild: Die Victoriafälle im Nordwesten Simbabwes, ein Weltnaturerbe, ausgetrocknet? Während feuchterer Zeiten übertreffen die Wasserfälle die berühmten Niagarafälle in der Höhe um das Doppelte und in der Breite um das Eineinhalbfache. Die Fotos der fast komplett ausgetrockneten Victoriafälle sorgten für weltweite Beunruhigung. Die Bilder schüren die Befürchtung, der Klimawandel könne die Victoriafälle für immer austrocknen.

Tatsächlich sehen die Victoriafälle je nachdem, von welcher Landesseite man darauf blickt, immer anders aus. Die Wasserfälle speisen sich aus dem Sambesi-Fluss, dem viertlängsten Fluss Afrikas. Er trennt Sambia von Simbabwe und schneidet an den Victoriafällen tief in das ebene Land ein. In der Regenzeit, also zwischen November und März, wenn der Fluss das meiste Wasser führt, entsteht dort der größte Wasservorhang der Welt, gemessen an der Höhe und Breite.

Blickt man von der Seite Sambias auf die Wasserfälle, ist diese gegen Ende der Trockenzeit immer trockener als die gegenüberliegende Seite Simbabwes. "Das im Internet kursierende Foto ist von der Sambia-Seite aus gemacht worden", sagt Bettina Evans vom Reiseanbieter Pinto Africa. Das erwecke den Eindruck, dass die Fälle komplett ausgetrocknet seien. Tatsächlich bietet sich aber aus der Sicht Simbabwes aktuell dieses Bild:

Die Victoriafälle aus der Perspektive Simbabwes, fotografiert am 1. Dezember 2019. SN/carina grüninger
Die Victoriafälle aus der Perspektive Simbabwes, fotografiert am 1. Dezember 2019.

"Heuer hat es in Victoria Falls schon mehr geregnet als im vergangenen Jahr um etwa dieselbe Zeit", sagt Evans weiter. Das heiße nicht, dass Simbabwe nicht mit den Folgen der Trockenzeit kämpfe. Es sei jedoch falsch, das an den Victoriafällen zu bemessen. Auch Carina Grüninger von Safari Destinations war Anfang Dezember vor Ort und bestätigt dieses Bild: "Das Foto, das im Internet kursiert ist von einem 200 Meter kleinen Abschnitt gemacht worden". Die Fälle seien jedoch 1,7 Kilometer breit. Das verzerre das Bild. "Der Wasserstand auf dem Sambesifluss ist seit Ende November schon um sechs Zentimeter gestiegen, vergangene Woche hat es noch einmal stark geregnet."

Dem Land Simbabwe droht nichtsdestotrotz die schlimmste Hungerkrise seit zehn Jahren. Schuld daran ist neben der Dürre die Jahrzehnte lange Misswirtschaft unter dem 2017 gestürzten und im September gestorbenen Langzeitherrscher Robert Mugabe. Mehr als die Hälfte der 14 Millionen Einwohner wisse nicht immer, wo die nächste Mahlzeit herkomme, sagte der Vertreter des Welternährungsprogramms (WFP), Eddie Rowe, vergangene Woche in der Hauptstadt Harare.

Aufgerufen am 22.01.2021 um 03:06 auf https://www.sn.at/panorama/international/ausgetrocknete-victoriafaelle-so-sieht-es-derzeit-wirklich-aus-80480572

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