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Erdbebenkatastrophe im Friaul: Vor 40 Jahren starben 989 Menschen

Im Jahr 1976 waren in Oberitalien 40.000 Menschen obdachlos. In einem beispiellosen Großeinsatz rollte Hilfe aus ganz Österreich an: Rettungsfahrzeuge, Hilfsgüter, Feldküchen, Betten, Wasseraufbereitungsanlagen, Impfstoff. Ein Rot-Kreuz-Helfer erinnert sich.

Es war der 6. Mai 1976 gegen 21 Uhr: Rotkreuzsanitäter Herbert Reisenberger aus Salzburg und seine Kollegen waren in der Leitstelle in der Stadt Salzburg, als plötzlich die Erde bebte. "Wir sind aus der Dienststelle gelaufen. Zuerst haben wir nicht gewusst, was los ist. Aber dann haben wir es bald in den Nachrichten gehört."

Zwei heftige Erdstöße hatten die italienische Provinz Friaul erschüttert. Das Epizentrum lag nördlich von Udine am Monte San Simeone in den Gemeinden Trasaghis und Bordano. Die Gemeinden im Kanaltal und am Tagliamento um Tolmezzo und die Gegend um Gemona, Venzone und Osoppo wurden am schwersten getroffen. Bei der Katastrophe kamen 989 Menschen ums Leben, 3000 wurden verletzt, 40.000 obdachlos.

Die Ausläufer waren bis nach Salzburg zu spüren. Ein SN-Redakteur erinnert sich noch gut daran: "Alles hat gebebt und dann haben wir uns im Fernschreiberraum versammelt und auf Nachrichten gewartet." Tausende Menschen rannten in Panik nach draußen. Die Telefonleitungen von Feuerwehr, Polizei und Rettung waren überlastet, Risse durchzogen Hausmauern.

Mit Blutkonserven in die Krisenregion

Für die Erdbebenopfer kam Hilfe aus ganz Österreich. Das Rote Kreuz übernahm eine wichtige Rolle und führte einen beispiellosen Großeinsatz durch. In allen Bundesländern rollte Hilfe an: Rettungsfahrzeuge, Hilfsgüter, Feldküchen, Betten, Wasseraufbereitungsanlagen, Impfstoff. In Tirol, Vorarlberg und im Burgenland sammelten Rotkreuzmitarbeiter Bekleidung und Geld, dort standen auch Einsatzreserven bereit.

Herbert Reisenberger und zwei Kollegen des Salzburger Roten Kreuzes fuhren mit einem Blutbankbus und einer Feldküche in die Region um Udine. Reisenberger erinnert sich an chaotische Verhältnisse. "In die zerstörten Regionen sind wir gar nicht gekommen."

Der Wiener Teddy Adamek erinnert sich 40 Jahre später noch sehr gut an seinen Einsatz. Er war Zugsführer beim Roten Kreuz und drei Monate im Katastrophengebiet, wo er am 8. Mai eintraf, unterwegs. Er erinnert sich an Wohnhäuser aus Stein, die wie Kartenhäuschen zusammengefallen waren. "Als ich ankam, haben die Helfer noch nach Toten gesucht." Dazu kam: "Jeden Tag gab es drei bis vier Nachbeben." Erst kochte er für 500 Erdbebenopfer, dann lieferte er den Sommer über Hilfsmittel nach Italien. "Wenn ich einen Transporter voll hatte, bin ich gefahren und habe die Sachen verteilt." Noch heute hat er Kontakt zu Pionieren des italienischen Militärs, die er damals traf.

Gemona und Venzone blühen wieder auf

Zwei der bedeutendsten mittelalterlichen Städte im Herzen des Friaul, Gemona del Friuli und Venzone, sind 40 Jahre nach dem Erdbeben wieder aufgeblüht und wurden zum Symbol für die Wiedergeburt der Region. Venzone gilt als eines der schönsten Dörfer Italiens. Gemona, damals verheerend zerstört, wurde nahezu originalgetreu wieder aufgebaut. Sehenswert sind der wiederaufgebaute Dom Santa Maria Assunta wie ein Museum im Stadtzentrum, in dem die dramatische Zeit während und nach dem Erdbeben in Bild, Ton und Schrift abgebildet werden. Mittelalterlichen Ursprungs ist auch das majestätische Schloss von Artegna, das ebenfalls schwer vom Erdbeben beschädigt wurde, heute aber komplett wiederhergestellt und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Quelle: SN

Aufgerufen am 15.11.2018 um 05:13 auf https://www.sn.at/panorama/international/erdbebenkatastrophe-im-friaul-vor-40-jahren-starben-989-menschen-1131559

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