Kopf des Tages

Hans Kupelwieser - der österreichische Künstler wird 70

Zerknitterte Nirosta-Skulpturen, die Bäume spiegeln und so zum Foto werden. Das Objekt und sein Abbild, das Material und seine Behandlung durch den "gelenkten Zufall" - das sind die stets quergenutzten Zutaten zur Kunst von Hans Kupelwieser. Der österreichische Bildhauer, der mit seinen Werken auch vielerorts den öffentlichen Raum gestaltet hat, feiert am Sonntag (8. April) seinen 70. Geburtstag.

In Lunz am See, wo seine Familie seit Generationen ein Anwesen besitzt, wurde der Urenkel des Wiener Malers Leopold Kupelwieser 1948 geboren - 2004 entstand hier die Seebühne nach seinen Entwürfen. Aber auch das Regierungsviertel von St. Pölten, der Jüdische Friedhof in Krems, das Musiktheater in Linz oder die Alte Universität in Wien tragen oder trugen temporär seine Kunstwerke. Museal gewürdigt wurde der nunmehr emeritierte Professor für zeitgenössische Kunst an der TU Graz zuletzt etwa in Skulpturenausstellungen im Belvedere, dazu auch in dessen Winterpalais sowie im Linzer Kunstmuseum Lentos.

Hans Kupelwieser besuchte Anfang der 1970er Jahre er die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, bevor er von 1976 bis 1982 an der Hochschule für Angewandte Kunst bei Herbert Tasquil, Bazon Brock und Peter Weibel studierte. Seit Mitte der 1990er Jahre war er selbst Professor an der TU Graz. Seine internationale Ausstellungstätigkeit hatte seit den frühen 1980er Jahren Fahrt aufgenommen, von Anfang an stand dabei das Ausloten und Überschreiten von Material- und Gattungsgrenzen, sowie das Vertrauen auf die Kraft des Zufalls im Zentrum.

So kann ein Gegenstand, zum Beispiel ein gefundener Stuhl, in Kupelwiesers Welt vielfache Metamorphosen durchmachen: zunächst als Objekt, dann als Fotogramm, dann als daraus abgeleitetes Schattenbild, dann als solchermaßen in Aluminium neu geschaffenes Objekt und letztlich als zusammengefaltete Variation dieser Skulptur wird das Ding an sich künstlerisch wiedergeboren. Aluminiumskulpturen brachte Kupelwieser auch durch Aufblasen an ihre Grenzen, andere Objekte wiederum durch Umhüllen und anschließendes Absaugen von Luft. Ein wesentliches Element ist dabei der "gelenkte Zufall", der durch einen klaren Impuls in Gang gesetzt wird und dann ein Eigenleben entwickelt, von dem sich der Künstler gern selbst überraschen lässt. Sowohl seine Skulpturen als auch seine Fotografien sind oft raumgreifend - auch seine vielfach ineinander verschränkten 3D- und 2D-Textkreationen in Form von riesigen Buchstabencollagen.

"Meine Arbeiten sollen selbsterklärend sein, es gibt keine Geheimnisse. Sie sind, was sie sind", betonte Kupelwieser einmal im Rahmen einer Personale in St. Pölten. Bereits 1994 wurde Kupelwieser in Wien der Preis der Stadt für Bildende Kunst zugesprochen, 2008 erhielt er den Würdigungspreis Medienkunst im Rahmen des Niederösterreichischen Kulturpreises.

Quelle: APA

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