Kopf des Tages

Herbert Moritz - Ex-SPÖ-Bildungsminister wurde 90

Weggefährten beschreiben den Salzburger SPÖ-Politiker Herbert Moritz als einen Anti-Populisten, der sich in all seinen Funktionen hauptsächlich als Kulturpolitiker verstand. Vergangenen Donnerstag wurde Moritz, von 1984 bis 1987 Minister für Unterricht, Kunst und Sport, 90 Jahre alt. Aus dem öffentlichen Leben hat er sich schon vor Langem zurückgezogen.

Ex-SPÖ-Bildungsminister Herbert Moritz. SN/Copyright by: FRANZ NEUMAYR Pres
Ex-SPÖ-Bildungsminister Herbert Moritz.

Herbert Moritz, Enkel des Salzburger Landesrats und dortigen Arbeiterkammer-Präsidenten Karl Emminger, wurde am 30. März 1927 in Salzburg geboren. Im Oktober 1945 begann er seine journalistische Laufbahn und heuerte in der Redaktion des Salzburger SPÖ-Organs "Demokratisches Volksblatt" (später "Salzburger Tagblatt") als Lokalmitarbeiter und Landtagsberichterstatter an. 1950 promovierte er zum Doktor der Philosophie. 1965 wurde der laut Eigendefinition "leidenschaftliche Journalist" Chefredakteur des "Demokratischen Volksblattes".

1969 wechselte er die Seiten und wurde zum Salzburger Landesrat mit den Ressorts Kultur, Naturschutz, Landeshochbau und Soziales berufen. In dieser Funktion war er damals u.a. Geburtshelfer der Rauriser Literaturtage. "Hochkultur sollte nicht auf ein rein urbanes Publikum beschränkt bleiben", so seine Prämisse. 1976 wurde Moritz zum Landeshauptmann-Stellvertreter mit den Ressorts Kultur, Sport und Gemeindeaufsicht gewählt, 1978 folgte die Kür zum Landesparteiobmann der Salzburger SPÖ.

1984 folgte schließlich der Wechsel in die Bundespolitik: Moritz wurde unter SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz Bundesminister für Unterricht, Kunst und Sport. Auch im ersten Kabinett von Franz Vranitzky behielt er diesen Posten, schied aber 1987 auf eigenen Wunsch wegen Vranitzkys "neuer politischer Linie eines sozialdemokratischen Neo-Konservatismus" aus der Regierung aus, wie er in seinen 2004 veröffentlichten Erinnerungen schrieb.

In Moritz' Amtszeit fallen Initiativen wie die Regierungsvorlage eines Kunstförderungsgesetzes und die verstärkte Förderung von Kunst im öffentlichen Raum, indem bei staatlichen Hochbauprojekten verpflichtend eine künstlerische Ausgestaltung vorgesehen wurde. In der Bildungspolitik erntete er Protest aus der ÖVP wie auch der eigenen Partei für seine Idee, die Schulnoten abzuschaffen. Sein Ansinnen, die faschistische Vergangenheit Österreichs auch in den Geschichte-Schulbüchern zu verankern, konnte er umsetzen. Nur teilweise Erfolg hatte Moritz hingegen mit seiner Forderung, Bier, Wein und Schnaps von Österreichs Fußballplätzen zu verbannen.

1987, im Jahre seines Ausscheidens aus der Bundespolitik, wurde Moritz als Vertreter des Bundes Mitglied des Kuratoriums der Salzburger Festspiele. Auch diese Funktion legte er allerdings am 2. Dezember 1994 zurück - diesmal aus Protest im Zusammenhang mit der Bestellung von Helga Rabl-Stadler zur Festspielpräsidentin.

Im November 2016 wurde Moritz für seinen Einsatz als Journalist und Politiker gegen den Rechtsextremismus mit der wichtigsten Auszeichnung der Sozialdemokratie, der Otto-Bauer-Plakete, geehrt.

Quelle: APA

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