Kopf des Tages

Hilde Zadek - die Jahrhundert-Sängerin wird 100

Sie gehört zu den großen Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts und kann auf Jahrzehnte künstlerischer und pädagogischer Tätigkeit zurückblicken: Hilde Zadek. Am Freitag wird die Jahrhundertsängerin nun tatsächlich 100 Jahre alt. Vor allem die Wiener Staatsoper wurde zum Lebenshaus der Künstlerin. Die Klassikinstitution ehrt die Jubilarin deshalb nun an ihrem Geburtstag mit einer Ausstellung.

Hilde Zadek feiert am 15. Dezember ihren 100. Geburtstag. SN/apa
Hilde Zadek feiert am 15. Dezember ihren 100. Geburtstag.

Im Balkonumgang beleuchtet man mit den entsprechenden Dokumenten primär die lange Auftrittsgeschichte der Kammersängerin im Haus am Ring. Schließlich stand das Ehrenmitglied für die Staatsoper in 39 Rollen geschlagene 786 Mal auf der Bühne. Im Anschluss an die Eröffnung der Schau, die bis Ende Jänner im Zuge von Vorstellungsbesuchen zugänglich ist, wird Hilde Zadek am Freitag zur Dreistelligkeit noch mit einem kleinen Geburtstagsempfang im Schwindfoyer gefeiert.

Am Beginn dieser Lebensbeziehung stand eine Blitzaktion: Die angehende Profisängerin lernte 1946 bei einer Bekannten in Zürich den damaligen Staatsopernchef Franz Salmhofer kennen und sang ihm in dessen Wohnung vor. Wenige Monate später war Zadek in Wien und bekam eine Woche darauf das Angebot, im Opern-Ausweichquartier im Theater an der Wien in der "Aida" einzuspringen. Sie sagte zu, ohne die Partie je zuvor studiert zu haben, ohne ein Wort Italienisch zu können, ohne eine einzige Probe zu bekommen und ohne je auf einer professionellen Bühne gestanden zu haben. "So lernte ich die Aida von 27. Jänner bis 3. Februar 1947, sang sie in der Wiener Oper zum ersten Mal und mit großem Erfolg, und am 4. Februar unterzeichnete ich meinen Vertrag als Solistin", erinnerte sich Zadek. Ihre Lebensrückschau ist unter dem Titel "Die Zeit, die ist ein sonderbar' Ding" erschienen.

Die jüdischstämmige Zadek, die am 15. Dezember 1917 im heute polnischen Bromberg geboren wurde und in Stettin aufwuchs, musste 1935 nach Palästina emigrieren. In Jerusalem verdiente sie sich als Säuglingsschwester und Verkäuferin von Kinderschuhen im Geschäft ihrer Familie, die sie hatte nachkommen lassen können, das Geld für ihr späteres Gesangstudium, das sie erst im Alter von 22 Jahren begann. Nach dem Kriegsende studierte Zadek mit Stipendium am Zürcher Konservatorium und erzog als Au-pair-Mädchen die späteren Regisseure Thomas und Matthias Langhoff, bevor sie schließlich auf Staatsopern-Chef Salmhofer traf.

Nach ihrem Engagement stieg sie in Wien rasch zu einer der tragenden Säulen des Ensembles und zu einer der renommierten Sopranistinnen ihrer Zeit auf. Ressentiments als Jüdin gegen das einstige Tätervolk hatte Zadek nicht, wie sie im Interview mit dem mdw-Magazin unterstrich: "Ich habe mich entschieden das Wiener Publikum zu lieben, sonst hätte ich nicht für sie singen können." Zu ihren Glanzpartien zählten auch nach ihrem Ersteinsatz weiterhin Verdis Aida, aber auch die Leonore aus Beethovens "Fidelio" und die Donna Anna aus Mozarts "Don Giovanni". Sie sang aber auch in Uraufführungen, so etwa bei den Salzburger Festspielen in Carl Orffs "Antigonae". Zadeks Repertoire, das alle großen Strauss-, Verdi- und Mozart-Rollen beinhaltete, umfasste rund 60 Partien.

1971 zog sich das Ehrenmitglied des Hauses am Ring dann von der Bühne zurück und war seitdem in den USA, Österreich und nicht zuletzt in Israel als Lehrerin engagiert. Von 1964 bis 1978 leitete sie die Gesangsabteilung am Konservatorium der Stadt Wien. Seit 1999 ist ihr Name außerdem mit dem "Hilde Zadek Gesangswettbewerb" verbunden, der alle zwei Jahre junge Gesangstalente ins Rampenlicht holt und heuer bereits seine zehnte Ausgabe feierte.

Diese beeindruckende Lebensleistung blieb nicht ungewürdigt. So ist die rüstige Künstlerin Trägerin des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst und der Wiener Ehrenmedaille - und stolze Besitzerin des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Und heuer kam schließlich noch die Ehrenmitgliedschaft der Musikuniversität hinzu, ist die Bindung der Gesangspädagogin doch auch zur Universität für Musik und darstellende Kunst eng.

Quelle: APA

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