Kopf des Tages

Manfred Honeck - der Dirigent wird 60

Zunächst war es die Bratsche, die seine musikalische Karriere bestimmte: Immerhin führten seine Fähigkeiten am Instrument Manfred Honeck bis zu den Wiener Philharmonikern. Und doch sollte der gebürtige Vorarlberger, der am 17. September seinen 60. Geburtstag feiert, auf der anderen Seite seine Bestimmung finden. Als weit gereister Dirigent gehört er heute zu den wichtigsten seiner Zunft.

Manfred Honeck. SN/APA (Archiv)/FRANZ NEUMAYR
Manfred Honeck.

Begonnen hat seine Reise in Nenzing in Vorarlberg. Dort wurde Honeck am 17. September 1958 geboren, und das Ländliche sollte ihn auch maßgeblich prägen. "Es war diese Schlichtheit", meinte er beispielsweise im Vorjahr gegenüber der APA. "Wir waren neun Kinder und mussten viele Entbehrungen erleben. Das Leben in der Natur, in den Bergen - das sind so Stichworte, die für mich wichtig waren." Die Liebe zur Natur ist geblieben und hat nach wie vor Auswirkungen, so Honeck. "Das spiegelt sich natürlich auch im Musikalischen wieder."

Zunächst ging es aber in die Stadt, genauer gesagt nach Wien, wo er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Violine und Viola studierte. Als Bratschist kam er Anfang der 1980er zum Wiener Staatsopernorchester, später folgte dann das Engagement bei den Philharmonikern. Warum er schlussendlich hinters Pult wechselte? "Es ist dieses Feuer, das brennt, und der Gedanke: Eigentlich würde ich gerne dirigieren", legte Honeck seine Beweggründe dar. "Ich wollte das, was ich spüre, vermitteln können. Und da ist Dirigieren etwas Herrliches, weil die Orchesterfarben so gewaltig sind und eine Fülle an Facetten bieten."

Seine erste Station führte ihn an die Seite von Claudio Abbado beim Gustav Mahler Jugendorchester in Wien, es folgte die Leitung des Jeunesses Musicales Orchesters. 1989 debütierte Honeck an der Volksoper mit der "Fledermaus", bevor in den 1990ern das erste Auslandsengagement eine rege Reisetätigkeit vorwegnehmen sollte. Zwischen 1991 und 1996 war er Erster Kapellmeister am Opernhaus Zürich und erhielt 1993 den Europäischen Dirigentenpreis. Die Schritte auf der Karriereleiter folgten dann in immer kürzeren Abständen: In Leipzig war er neben Größen wie Fabio Luisi und Marcello Viotti einer der drei Hauptdirigenten des MDR Sinfonieorchesters, in Olso hatte er die musikalische Leitung der Norwegischen Nationaloper inne.

Dem Norden blieb Honeck auch danach einige Jahre treu, fungierte er doch von 2000 bis 2006 als Chefdirigent des Swedish Radio Symphony Orchestra Stockholm. Direkt im Anschluss ging es zunächst als Generalmusikdirektor an die Staatsoper Stuttgart, bevor in der Saison 2008/09 die bis heute anhaltende Position des Music Directors beim renommierten Pittsburgh Symphony Orchestra folgen sollte. Mit seinen Musikern ist Honeck auch regelmäßig auf ausgedehnten Tourneen unterwegs, die ihn von den Salzburger Festspielen über das Lucerne Festival bis in die Carnegie Hall geführt haben.

Zusätzlich gibt es eine umfangreiche Aufnahmetätigkeit der Pittsburgher, zu der sich - passend zum 60er des Maestros - eine weitere Veröffentlichung gesellen wird: Auf dem Label Reference Recordings erscheint eine Einspielung von Strauss' Hornkonzert Nr. 1 mit dem Solisten William Caballero sowie Beethovens Symphonie Nr. 3 "Eroica". Dass Honeck auch dabei bestens weiß, was zu tun ist, hat sich im Vorjahr bei den Grammys gezeigt - eine CD des Pittsburgh Symphony Orchestras wurde gleich mit zwei Trophäen bedacht.

Für Honeck ist aber auch klar, dass sich sein Job "viel um Organisation" dreht. Immerhin gilt es im Klassikbereich einiges an Vorlaufzeit für größere Projekte und Konzertreisen einzuplanen. Im Fokus steht aber immer sein musikalisches Konzept. "Man lernt nicht nur über ein Stück selber, sondern auch über das Umfeld sehr viel", meinte er zur Erarbeitung neuer Werke. Und stellte gleichzeitig die eigene Position klar: "Wir sind im Grunde genommen Diener. Ohne Beethoven, Mahler, Tschaikowski würde unser Beruf wahrscheinlich gar nicht existieren."

Seine Fähigkeiten hat Honeck jedenfalls oft und vor allem für beinahe alle namhaften Klangkörper schon unter Beweis gestellt. Von den Wiener und Berliner Philharmonikern über die Sächsische Staatskapelle Dresden sowie das London Symphony Orchestra bis zum Royal Concertgebouw Orchestra reicht die Liste. Und wie sieht die Zukunft aus? Seinen Vertrag in Pittsburgh hat er 2012 verlängert, dieser läuft noch bis 2020. Die Reise könnte also weitergehen.

Quelle: APA

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