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Mindestens sieben Tote nach Unwettern in Griechenland

Das Unwetter hat nur zehn Minuten gedauert, aber die Bilanz war verheerend: In der griechischen Ferienregion Chalkidiki sind in der Nacht auf Donnerstag sieben Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 100 Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehr verletzt, einige von ihnen schwer. Dort wo der Sturm wütete, sind Strom- und Wasserversorgung ausgefallen, Dächer eingebrochen und Bäume umgeknickt.

An der Küste des Ortes Sozopoli wurde der Camper eines tschechischen Ehepaares über den Strand geschleudert; der Mann war sofort tot, die Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus, berichteten griechische Medien. Fotos von der Unglücksstelle zeigen ein Bild der Verwüstung - der zertrümmerte Wohnwagen liegt auf dem Dach, Kleider, Kochutensilien, Lebensmittel, ein Großteil der Ausstattung des Paares liegt auf vielen Quadratmetern verteilt im Sand.

Weiter östlich im Ort Nea Plagia kamen eine rumänische Touristin und ihr Sohn ums Leben, als das Vordach einer Taverne einbrach. Der etwa sieben- oder achtjährige Bub sei von einer Sturmböe erfasst und gegen die Fensterscheibe des Restaurants geworfen worden, berichteten Augenzeugen. Die Menschen hatten unter dem Tavernendach Schutz gesucht; Bilder des nordgriechischen Nachrichtenportals thestival.gr zeigen mit Überschwemmungen, eingestürzten Dächern und umgeknickten Bäumen das Ausmaß der Katastrophe im gesamten Ort.

Nur 20 Kilometer weiter südöstlich, im Ort Nea Potidea am sogenannten ersten Finger der Halbinsel Chalkidiki, kamen ein russischer Tourist und sein zweijähriger Sohn ums Leben, als ein Baum umstürzte. Das Dorf sieht aus, als habe es ein schweres Erdbeben gegeben. Zuletzt fanden die Rettungskräfte Donnerstagmittag eine weitere Leiche. Dabei soll es sich um einen vermissten 62-jährigen griechischen Fischer handeln.

Augenzeugen und Anrainer stimmen überein, dass sie Vergleichbares noch nie erlebt haben. Griechische Meteorologen sprechen von zwei Wirbelstürmen, die über die Region hinweg fegten. "Wir wussten, dass es einen schweren Sturm geben würde, und es gab auch entsprechende Warnmeldungen; aber wir konnten nicht vorhersagen, wo genau das Unwetter zuschlägt", sagte Efthymios Lekkas, Chef des griechischen Katastrophenschutzes, dem Radiosender Thema104,6.

Das Phänomen sei selten, aber bekannt, und entwickle sich nur in der Nähe des Meeres, erklärte Lekkas: Bis in den späten Abend habe große Hitze mit bis zu 40 Grad geherrscht. Die hohen Temperaturen ließen große Mengen Meerwasser verdampfen, so dass sich die Wirbelstürme zusammenbrauten. Wo genau diese sich entladen, ist nach Lekkas Angaben jedoch kaum vorherzusagen. Auch andere Fachleute bestätigen, dass dieses extreme Phänomen nicht vorhersehbar gewesen sei.

"Als die Regentropfen mich am Rücken trafen, dachte ich, es wären Steine, so stark war der Wind", sagte ein Anrainer dem griechischen TV-Sender Skai. Autos, Mülltonnen, Motorräder Tische, Stühle, Markisen, Sonnenschirme, alles sei durch die Luft gewirbelt worden. Mancherorts rissen Balkongeländer ab und fielen auf Stromleitungen; manche Strommasten knickten einfach so um - die betroffene Region ist seither ohne Elektrizität und auch ohne Wasser.

Das griechische Verteidigungsministerium hat Soldaten mit Generatoren und Räumgerät in das Gebiet geschickt, das Innenministerium sagte 500.000 Euro Soforthilfe für die Infrastruktur der Touristenregion zu. Erst im letzten Sommer war Griechenland von einer Feuerkatastrophe in der Nähe von Athen heimgesucht worden, bei der mehr als 100 Menschen ums Leben kamen. Bis heute ist das Land mit der Aufarbeitung beschäftigt.

Chalkidiki ist nicht die ersten Touristenregion, die diese Woche von Stürmen heimgesucht wird. Erst am Mittwoch hatten heftige Unwetter in Italien gewütet und dort Strandbäder verwüstet. In den Abruzzen kamen stellenweise orangengroße Hagelkörner vom Himmel. Sturmböen richteten Schäden an. In der Adria-Stadt Pescara wurden laut Nachrichtenagentur Ansa 18 Menschen verletzt. In der Nähe von Ancona starb ein Mensch nach einem Blitzschlag. Im Süden, in der apulischen Stadt Tarent, stürzten bei einem Unwetter am Mittwochabend drei Kräne einer Stahlfirma um - ein Arbeiter wurde vermisst.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 20.10.2019 um 04:18 auf https://www.sn.at/panorama/international/mindestens-sieben-tote-nach-unwettern-in-griechenland-73262347

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