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Mutmaßlicher Neffentrick-Erfinder schwieg vor Gericht

Der mutmaßliche Kopf der international agierenden Neffentrick-Mafia hat vor Gericht in Polen die Aussage verweigert. Am Mittwoch begann in Posen (Poznan) der Prozess gegen den Polen Arkadiusz L., genannt "Hoss". Die polnische Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz mithilfe der Masche Hunderttausende Euro von Senioren erbeutet zu haben.

Der Angeklagte wollte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur PAP nicht zu den Vorwürfen äußern. Ein zuvor während der Ermittlungen abgelegtes Geständnis habe "Hoss" vor Gericht nicht kommentiert, hieß es. Der 49-Jährige war im März in Warschau von der Polizei gefasst worden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Auch Österreich ermittelt gegen den Mann. Die heimische Polizei schätze den Schaden im deutschsprachigen Raum sogar auf bis zu eine Milliarde Euro. Österreich fordert seine Auslieferung.

Die Komplizen von "Hoss" waren polnischen Behörden zufolge überwiegend Familienmitglieder. In Polen stehen auch Schwester und Bruder des Mannes vor Gericht.

Erfunden wurde der Neffentrick (in Deutschland Enkeltrick genannt) von "Hoss", seinen Brüdern "Joe" und "Adam" sowie einem Schwager 1999 in Hamburg. Wegen ihrer Spitznamen wurden sie als "Bonanza"-Familie bekannt. Laut Ermittlern handelt es sich um polnischstämmige Roma, die perfekt Deutsch beherrschen. Bei der Masche spielen Betrüger ihren meist älteren Opfern am Telefon vor, ein Verwandter zu sein, um diese im Verlauf des Gesprächs zu Geldzahlungen zu bewegen. Im Durchschnitt betrage der Schaden laut Chefinspektor Rupert Ortner vom Landeskriminalamt OÖ pro geglücktem Betrug 30.000 Euro.

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