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Orkantief "Sabine" sucht Europa heim

Das Orkantief "Sabine" hat auch am Dienstag Teile Europas in Atem gehalten. Während die stürmische Kaltfront nach Süden wanderte und Deutschland langsam verließ, vermeldete die Mittelmeerinsel Korsika Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 219 Stundenkilometern. In Polen gab es drei Todesopfer zu beklagen. Auch in Italien und Großbritannien kamen eine Frau und ein Mann ums Leben.

Kranausleger stürzte auf den Frankfurter Dom SN/APA (dpa)/Frank Rumpenhorst
Kranausleger stürzte auf den Frankfurter Dom

Eine 77-jährige Frau in Italien wurde laut Nachrichtenagentur Ansa in Traona in der Lombardei von Teilen eines herumwirbelnden Dachs getroffen. Im Norden Italiens erreichte der Orkan teils mehr als 200 Kilometer pro Stunde, so auch im Piemont. Besonders im Norden richtete er Sachschäden an. Bei den Behörden gingen viele Notrufe ein.

In Großbritannien forderte der schwere Sturm am Dienstag ein zweites Menschenleben. Ein älterer Mann wurde nach Angaben der Polizei beim Spaziergang mit seinem Hund in Liverpool von einem Baum erschlagen. Bereits am Sonntag war ein Autofahrer in Südengland durch einen herabstürzenden Baum getötet worden.

Im Süden Deutschlands ist das stürmische Wetter zunächst geblieben. Die Polizei meldete in der Nacht auf Dienstag noch eine Vielzahl umgestürzter Bäume. In der Region Freiburg und im Hochschwarzwald rückten Einsatzkräfte zu zahlreichen Einsätzen aus, viele Straßen waren in der Früh noch gesperrt. Auch in Südbayern hielten auf Straßen liegende Bäume und Stromausfälle die Einsatzkräfte auf Trab. Richtung Norden wurde es ruhiger, in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz waren noch vereinzelt Bäume durch den Sturm umgefallen, einzelne kleinere Straßen noch gesperrt. Die deutschen Versicherer müssen für die Folgen des Orkans nach Expertenschätzungen mit mehr als einer halben Milliarde Euro geradestehen.

Auf Korsika, wo der Sturm "Ciara" heißt, verursachte das Tief im äußersten Norden heftige Böen. 219 km/h liegt nur leicht unter dem Rekord vom Jänner 2018, als am Cap Corse 225 Stundenkilometer erreicht wurden, berichtete der Wetterdienst Meteo France am Dienstag. Der Sturm löste auf der zu Frankreich gehörenden Ferieninsel erhebliche Verkehrsprobleme aus - betroffen waren Fährverbindungen zum Festland und Flüge, wie der Radionachrichtensender Franceinfo berichtete. Zudem loderten Feuer an mehreren Orten - südlich der Hafenstadt Bastia brannte es auf einer Fläche von mehr als zwei Quadratkilometern.

In Polen hat der Orkan drei Menschenleben gefordert. Nach einem Unglück im Skiressort Bukowina Tatrzanska mit zwei Toten erlag am Montagabend auch eine 21-jährige Frau ihren Verletzungen, wie das Krankenhaus in Nowy Targ laut Nachrichtenagentur PAP mitteilte. Bei starkem Wind waren Dachteile von einem Skiverleih gefallen. Eine 52-jährige Frau und ihre 15-jährige Tochter wurden dabei getötet. Die 21-jährige Tochter der Frau sowie ein 16-Jähriger erlitten Kopfverletzungen und wurden in ein Krankenhaus gebracht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zu den Ursachen des Unglücks. In einem ersten Statement hieß es, der Skiverleih sei in einer provisorischen Konstruktion untergebracht gewesen, die aus einem mit rohen Brettern verschalten Lkw-Anhänger bestanden habe. Das Blechdach sei nur unzureichend an dem Hänger befestigt gewesen. Bukowina Tatrzanska im Süden Polens ist ein beliebtes Ziel für den Skisport und Ausgangspunkt für Wanderungen in der Hohen Tatra, einem Teilgebirge der Karpaten an der Grenze zur Slowakei.

Am Amsterdamer Flughafen Schiphol mussten erneut rund 220 Flüge annulliert werden. Wegen starken Windes und heftiger Böen sei die Kapazität der Start- und Landebahnen eingeschränkt, teilte der Flughafen mit. Am Vortag waren 240 zumeist innereuropäische Flüge gestrichen worden.

In Tschechien waren die Auswirkungen von "Sabine" am Dienstag weiter zu spüren. Die Feuerwehren rückten landesweit erneut zu Hunderten Einsätzen aus. Mehr als 50.000 Haushalte waren am Vormittag nach Angaben der Energieversorger noch ohne Strom. Die meisten sollten im Laufe des Tages wieder angeschlossen werden. Neue Windböen sorgten unterdessen für weitere Verkehrsbehinderungen.

Wegen eines Sturmschadens an den Leitungen sind weite Teile Südtirols ohne Strom gewesen. Der Auslöser für zwei kurze Blackouts ab etwa 11.00 Uhr waren herumfliegende Äste oder Bäume, die eine der Haupttrassen für den Versorger Edyna beschädigten, wie Generaldirektor Luis Amort sagte. Die zweite Hauptleitung sei zu diesem Zeitpunkt wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb gewesen. 150.000 bis 200.000 Abnehmer waren betroffen.

Quelle: Apa/Dpa

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