Kopf des Tages

Peter Kampits - Uni Wien ehrt Philosophen nachträglich zum 75er

Mit der Verleihung einer Ehrenurkunde würdigt die Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Uni Wien am Freitag ihren Gründungsdekan Peter Kampits. Anlass dafür ist der 75. Geburtstag des Existenzialismus-Experten, den dieser bereits im Vorjahr hatte, krankheitsbedingt aber nicht feiern konnte. Die Feier geht deshalb einen Tag nach Kampits' 76. Geburtstag (28. Juni) über die Bühne.

Philosoph Peter Kampits auf einem undatierten Archivbild. SN/apa
Philosoph Peter Kampits auf einem undatierten Archivbild.

Der Titel der Veranstaltung "Philosophie im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert" passt sowohl zu Kampits' philosophischem wie auch universitärem Schaffen. So gilt der am 28. Juni 1942 in Wien geborene Wissenschafter nicht nur als Spezialist für das Werk Jean-Paul Sartres und Kenner der Gegenwartsphilosophie, auch hochschulpolitisch war er im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert an wichtigen Entscheidungen beteiligt.

Nach der Matura im Gymnasium in der Geblergasse in Wien-Hernals studierte Kampits Philosophie, Psychologie und Geschichte an der Uni Wien. 1965 wurde er dort promoviert. Seine Dissertation trug den Titel "Das Bild des Menschen bei Albert Camus: ein Mythos vom Menschen". Darauf folgte ein Post-graduate-Studium an der Sorbonne in Paris, der Geburtsstadt des Existenzialismus. "Diese Philosophie" sollte für Kampits "zum Schicksal" werden, schrieb sein Fachkollege Rudolf Burger anlässlich Kampits' 75. Geburtstag in der "Presse".

Zurück an der Uni Wien habilitierte er sich 1974 mit einer Arbeit zum Werk von Sartre und Gabriel Marcel, mit dem er auch zusammengearbeitet und dessen Werk er ins Deutsche übersetzt hat. 1977 erfolgte Kampits' Ernennung zum Professor. Von 1987 bis 1991 sowie 2001 bis 2004 fungierte der Philosoph, der das Bild seines Faches neben zahlreichen Veröffentlichungen auch in Radio- und Fernsehauftritten prägte, als Vorstand des damaligen Instituts für Philosophie. Von 1988 bis 1990 war er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie. In Folge der Neuorganisation der Uni Wien wurde Kampits 2004 zum ersten Dekan der neuen Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft (bis 2008).

Gegenüber der Entwicklung der Universitäten im Zuge des Bologna-Prozesses hat sich Kampits immer wieder kritisch geäußert. Als Universitätslehrer wurde er mit seinem "philosophischen Ernst" über die Jahrzehnte hinweg "zu einer akademischen Ausnahmeerscheinung. Seine Schüler werden es ihm danken", schrieb Burger.

Einer von Kampits' bekanntesten Schülern war der frühere Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP). Als dessen Dissertation aus dem Jahr 1987 wegen des Vorwurfs wissenschaftlichen Fehlverhaltens in die Kritik geriet, verteidigte Kampits als Doktorvater den nunmehrigen EU-Erweiterungskommissar und bezeichnete die Vorwürfe als "Beckmesserei".

Eingehend befasste sich Kampits mit medizinethischen Fragen - so auch seit 2007 als Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt, wo er seit nunmehr neun Jahren überdies als stellvertretender Vorsitzender fungiert.

Kampits war als Gastprofessor in der Türkei, den USA, der Slowakei, Kroatien, Frankreich und Rumänien tätig. Er ist Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Niederösterreich und der Stadt Wien sowie des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.

Veranstaltung zu Ehren des 75. Geburtstags von Peter Kampits: "Philosophie im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert", 29. Juni, 13.00 Uhr, BIG Hörsaal, Hauptgebäude Universität Wien

Quelle: APA

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