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Todesfahrer von Münster handelte in Suizidabsicht

Der Todesfahrer von Münster hat nach Überzeugung der deutschen Ermittler in Suizidabsicht gehandelt. "Nach der bisherigen Analyse und Auswertung der vorliegenden Dokumente, Spuren und Aussagen sind die Ermittlungsbehörden sicher, dass der 48-Jährige in Suizidabsicht handelte", teilte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Montagabend zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen mit.

Suche nach Antworten nach Todesfahrt in Münster SN/APA (AFP)/MICHAEL GOTTSCHALK
Suche nach Antworten nach Todesfahrt in Münster

Bei der Durchsuchung der Wohnung des ledigen und kinderlosen Mannes sei unter anderem ein über einen Balken gelegtes Hanfseil mit Henkersknoten gefunden worden. Das sei ein "eindeutiger Hinweis". Für die Suizidabsicht des Täters spreche auch die Tatsache, dass er sich unmittelbar nach dem Stillstand des Fahrzeugs erschoss. Im Magazin der Pistole hätten sich noch weitere Patronen befunden.

"Offensichtlich wollte sich der Täter nach der Todesfahrt direkt selber richten", bekräftigte der Leiter der Ermittlungskommission, Kriminalhauptkommissar Joachim Poll, in der Mitteilung. Warum der Täter den Vorplatz des Restaurants in der Münsteraner Innenstadt als Ziel seiner Todesfahrt gewählt hat, sei aber weiter unklar. Bisher habe man keine Beziehung des Täters zum Tatort herstellen können.

Wichtig sei den Ermittlern auch zu klären, wie der Mann in den Besitz der Waffe gelangte, die im ehemaligen Jugoslawien hergestellt wurde. Dabei spiele auch die Frage eine Rolle, ob diese Waffe schon einmal im Zusammenhang mit einer Straftat zum Einsatz kam.

Bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten mehrere Behälter mit Benzin und anderen Flüssigkeiten. Ob und wie die Stoffe verwendet werden sollten sowie deren Herkunft, war laut Staatsanwaltschaft ebenfalls noch unklar. Nach Informationen des NRW-Innenministeriums war der Täter, ein Industriedesigner, weder in Besitz eines Waffenscheins noch einer Waffenbesitzkarte.

"Bei einer Gesamtschau der Indizien sind wir uns sicher, der Täter handelte in Suizidabsicht", unterstrich Poll. Diese eindeutige Absicht habe der Mann entgegen anderslautender Berichte im Zeitraum vor der Tat weder dargelegt noch gegenüber Dritten geäußert.

"Die mehrfach wahllos an Dritte übersandten Nachrichten enthalten keine ausdrückliche Ankündigung einer Selbsttötung. Sie sind jedoch Ausdruck einer zumindest temporären, psychischen Labilität", hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Ermittler am Montag weiter.

Die Ermittlungskommission werte weiterhin alle Hinweise aus, befrage Zeugen und untersuche die sichergestellten Spuren und Beweismittel. Allein über das Hinweisportal des deutsche Bundeskriminalamt (BKA) seien bisher rund 40 Dateien hochgeladen worden. Immer noch meldeten sich Menschen und wollten die Ermittlungsarbeit der Polizei mit ihren Hinweisen unterstützen.

Der Vater des Täters davon aus, dass eine psychische Krankheit seinen Sohn dazu getrieben hat. "Es war eine Krankheit, die ihn in zwei Welten hat leben lassen", sagte der 79-jährige Möbeldesigner der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und fügte hinzu: "Er bildete sich etwas ein, was das Gegenteil der Wirklichkeit war."

Deshalb glaube er auch nicht, dass die Polizei das Motiv der Tat jemals klären wird. "Das Motiv war die Krankheit in seinem Kopf." Sein Sohn habe schon 2015 von Selbstmord gesprochen. Der Vater, der in dem kleinen Ort Madfeld im Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen) lebt, sagte, sein Sohn habe an "Verfolgungswahn" gelitten. Er sei aber nicht gewalttätig gewesen.

Die Zeitung "Die Welt" zitierte den Vater mit der Aussage, das letzte Mal hätten sie vor etwa einem Vierteljahr Kontakt gehabt: "Er muss in seinem Kopf durch die Krankheit Höllenqualen gehabt haben." Der dpa sagte der Vater: "Er ist vor zweieinhalb Jahren am Rücken operiert worden." Die OP habe drastische gesundheitliche Folgen gehabt. "Er konnte nicht mehr arbeiten. Da hat er sehr drunter gelitten."

Der 79-Jährige sagte, sein Sohn sei in psychiatrischer Behandlung gewesen. Aber: "Er ist nicht oder falsch behandelt worden. Vielleicht hat er Medikamente bekommen, die die falschen Nebenwirkungen hatten."

Der Vater bestätigte einen "Spiegel"-Bericht, wonach er schon 2015 dem sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Münster erklärt hatte, dass sein Sohn suizidgefährdet sei. "Er hat damals am Telefon gesagt, es gehe ihm sehr schlecht. Da ist auch der Satz gefallen: 'Vielleicht lebe ich ja nicht mehr lange.'" Aufgrund des Hinweises habe Jens R. seinen Vater wegen Verleumdung angezeigt, berichtete der "Spiegel".

Als der 48 Jahre alte Jens R. am Samstag seinen Campingbus in die Menschenmenge steuerte, wurden eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann getötet. Nach wie vor schwebten am Montag drei der Verletzten in Lebensgefahr. Insgesamt waren bei der blutigen Tat etwa 20 Menschen verletzt worden, die meisten aus der Region Münster.

Am Montag kam die nordrhein-westfälische Opferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz mit den Betroffenen und den Verletzten in Münster zusammen. Der NRW-Landessozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) forderte eine finanzielle Entschädigung für die Opfer und Hinterbliebenen nach dem Opferentschädigungsgesetz.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) rechnet damit, dass Kommunen sich nach den Ereignissen erneut Gedanken über die Sicherheit in ihren Innenstädten machen. "Poller können helfen", sagte Reul zur Gefahrenabwehr und zu dem Vorschlag, mehr Hindernisse aufzustellen. Man brauche aber auch Rettungswege.

Auch in Wien ist man gerade damit beschäftigt, ein im Vorjahr angekündigtes Sicherheitskonzept umzusetzen. Am Rathausplatz und in der Kärntner Straße werden Sicherheitspoller errichtet, welche Barrieren auf die Mariahilfer Straße kommen, ist noch offen.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 06:55 auf https://www.sn.at/panorama/international/todesfahrer-von-muenster-handelte-in-suizidabsicht-26450359

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