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Uri Geller wird 70: "Die Skeptiker haben mich zur Legende gemacht"

Der "Mentalist", der am 20. Dezember 70 Jahre alt wird, erklärt seine Vorführungen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Kritiker sehen sie jedoch als reine Zaubertricks. Ob himmlische Begabung oder Trick - sie haben Geller, der in Tel Aviv unter sehr ärmlichen Bedingungen aufgewachsen ist, auf jeden Fall zu einem reichen und weltberühmten Mann gemacht.

Uri Geller wird 70: "Die Skeptiker haben mich zur Legende gemacht" SN/EPA
Uri Geller während einer Show im deutschen Fernsehen im Jahr 2008.

Uri Geller nimmt den Teelöffel in die Hand und reibt langsam den Stiel. "Hier, es passiert!", ruft der israelische Illusionist nach ein paar Momenten mit dramatischem Unterton. Und zeigt dann mit einem breiten Lächeln den Löffel aus rostfreiem Stahl vor, den er gerade von einem Cafebesitzer im Tel Aviver Vorort Jaffa geborgt hat. Und in der Tat: Er ist am Stil fast rechtwinklig verbogen.

Der "Mentalist", der am 20. Dezember 70 Jahre alt wird, erklärt seine Vorführungen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Kritiker sehen sie jedoch als reine Zaubertricks. Ob himmlische Begabung oder Trick - sie haben Geller, der in Tel Aviv unter sehr ärmlichen Bedingungen aufgewachsen ist, auf jeden Fall zu einem reichen und weltberühmten Mann gemacht.

"Der erste Löffel verbog sich in meiner Hand, als ich fünf Jahre alt war", behauptet Geller. "Völlig spontan, ohne dass ich irgendetwas getan hätte", sagt der schlanke Mann mit buntem Hemd und dunkler Brille. Er ist Großvater, wirkt aber deutlich jünger als 70. "Ich habe verstanden, dass das der Schlüssel zu meinem Erfolg ist, dass das etwas Einmaliges ist", sagt Geller, der sich selbst als "Mystifizierer" beschreibt - jemand, der Leute verblüfft und ihnen Rätsel aufgibt.

Seine Mutter brachte die ungewöhnlichen mentalen Fähigkeiten ihres Sohnes mit Sigmund Freud in Verbindung, dem Vater der Psychoanalyse. 1913 in Berlin zur Welt gekommen, war sie nämlich eine entfernte Verwandte von Freud. "Sie dachte, ich hätte auch seine hypnotischen Kräfte", sagt Geller, der im vergangenen Jahr nach 33 Jahren in England in seine israelische Heimat zurückgekehrt ist. Von seiner Wohnung in Jaffa aus kann er das Mittelmeer sehen. "Das israelische Volk hat mir gefehlt", sagt Geller nachdenklich. "Schließlich hat es mich aufgebaut."

Gellers Werdegang war allerdings steinig. Seine Mutter lernte seinen Vater auf der Flucht vor den Nazis in Budapest kennen, während des Zweiten Weltkriegs kamen beide ins damalige Palästina. Doch die Ehe der Eltern stand unter keinem guten Stern. "Meine Mutter wurde hier in Jaffa schwanger mit mir", erzählt Geller. "Sie hat mir einige Jahre vor ihrem Tod ein sehr schmerzliches Geheimnis verraten: ich war ihr neuntes Kind. Mein Vater wollte keine Kinder und er zwang sie acht Mal zu Abtreibungen." Die Eltern ließen sich scheiden, als der kleine Uri zehn Jahre alt war.

Ein Jahr später folgte seine Mutter ihrem Geliebten, einem ungarischen Juden, der auf Zypern ein Hotel betrieb. "Viele israelische Spione wohnten dort, wenn sie Einsätze in arabischen Ländern planten", erinnert sich Geller, der damals erste Verbindungen zum israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad knüpfte. Man habe ihn später rekrutiert, um seine "telepathischen Fähigkeiten zu nutzen", sagt Geller.

Nach der Schule wurde Geller Fallschirmjäger in der israelischen Armee. Im Sechstagekrieg 1967 erlitt er eine Schussverletzung am Ellenbogen, viele seiner Kameraden starben. Kämpfe um Jerusalem lösten bei ihm nach eigenen Angaben eine posttraumatische Belastungsstörung aus, weil er einen jordanischen Soldaten aus nächster Nähe erschoss. "Er war jung wie ich, es verfolgt mich bis heute."

Schon als Kind auf Zypern wurde Uri Geller während des Bürgerkriegs zwischen Griechen und Türken Zeuge von Gewalt und Tod. "Das formt einen schon." Später entwickelte er sich zum Waffen-Narren. "Als ich nach New York kam, kaufte ich acht Pistolen. Ich wollte das Leben in vollen Zügen genießen, nichts war genug." Der größte Antrieb auf dem Weg zum Erfolg: "Dass meine Mutter nicht mehr als arme Kellnerin oder Schneiderin arbeiten muss."

Und der Plan ging auf: Geller wurde zum Superstar, der mit Vorführungen wie Besteck-Verbiegen und dem Anhalten oder Reparieren von Uhren international Aufsehen erregte. 1972 ging er nach München, fuhr mit verbundenen Augen durchs Stadtzentrum und wurde Teil des Jetsets. "Ich lernte viele reiche Deutsche wie Gunter Sachs kennen", erzählt Geller. "Die Deutschen waren verrückt nach mir."

Es gab sogar Bemühungen der US-Eliteuniversität Stanford, Gellers "paranormale" Fähigkeiten wissenschaftlich zu beweisen. Später wurde die Versuchsanordnung als ungenügend kritisiert.

Unter dem Druck seiner Karriere entwickelte Geller eine Bulimie. Ex-Beatle John Lennon rettete ihn, als er ihn 1982 nach Japan schickte, um "seine Spiritualität zu suchen". Geller verkaufte alles und lebte mit seiner Frau Chana und zwei Kindern ein Jahr in einer Holzhütte im Wald. "Dort habe ich mich wieder gefunden."

Im deutschen Fernsehen war der Israeli nach einem Comeback bei der Uri-Geller-Show und "The next Uri Geller" (2008) zu sehen - doch die Reaktionen waren verhalten bis negativ. Rückblickend meint Geller dennoch, er habe seinen Erfolg gerade seinen Kritikern zu verdanken. "Ich muss ihnen eine Million Blumensträuße schicken - ohne die Kontroversen wäre ich nie so weit gekommen", sagt er. "Wie ich es mache, ist doch letztlich gar nicht wichtig, Hauptsache man redet über mich. All die Skeptiker haben mich zu einer Legende gemacht."

Quelle: SNapa, Dpa

Aufgerufen am 25.09.2018 um 04:57 auf https://www.sn.at/panorama/international/uri-geller-wird-70-die-skeptiker-haben-mich-zur-legende-gemacht-608731

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