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Wie geht es weiter mit der Sommerzeit? Hochspannung um EU-Umfrage

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit? Sind Sie für eine Abschaffung? Fragen wie diese sollten EU-Bürger über mehrere Wochen beantworten. Hunderttausende haben mitgemacht. Und jetzt?

Wer hat an der Uhr gedreht? In der EU gehen die Uhren zweimal jährlich anders. SN/apa
Wer hat an der Uhr gedreht? In der EU gehen die Uhren zweimal jährlich anders.

Über 4,6 Millionen Menschen aus allen 28 EU-Staaten haben an der Online-Umfrage der Europäischen Kommission zur möglichen Abschaffung der Sommerzeit teilgenommen. Dies sei ein neuer Rekord für die Teilnahme an öffentlichen Konsultationen, gab die Kommission am Freitag bekannt. Das Resultat der Umfrage und der Bericht der Kommission werde in den kommenden Wochen veröffentlicht, sagte ein Sprecher.

Unter anderem wurden die Teilnehmer gefragt, welche Erfahrungen sie mit dem Wechsel von Winter- auf Sommerzeit gemacht haben, und ob sie für eine Abschaffung oder Beibehaltung der üblichen Zeitumstellung im Frühjahr und im Herbst sind. Außerdem konnten sie in einem Textfeld Bemerkungen machen.

Bis die Ergebnisse ausgewertet sind und veröffentlicht werden, kann es nach Angaben der EU-Kommission allerdings noch Tage oder Wochen dauern. Ein Sprecher kündigte an, an diesem Freitag voraussichtlich nur die Gesamt-Teilnehmerzahl der Umfrage zu präsentieren. Wie viele Bürger in welchem Land für oder gegen eine Abschaffung der Zeitumstellung votiert haben, bleibt also erstmal unklar.

Die EU-Kommission betont ohnehin ausdrücklich, bei der Umfrage handele es sich nicht um ein Referendum. Das Europaparlament hatte die Brüsseler Behörde im Februar beauftragt, Forderungen nach einer Abkehr von der Sommerzeit zu prüfen. Die nicht repräsentative Umfrage ist dabei nur ein Teil der Bewertung.

Sollte die EU-Kommission unter Berücksichtigung aller Faktoren zu dem Schluss kommen, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte, könnte sie einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorlegen. Dem müssten Europaparlament und EU-Staaten allerdings noch zustimmen. Eine Entscheidung ist also noch in weiter Ferne.

Die Menschen stellen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück.

Sommerzeit weltweit SN/APA
Sommerzeit weltweit

Warum gab es diese Bürger-Konsultation überhaupt?

Die Zeitumstellung ist schon lange umstritten. Zuletzt machte das Europaparlament Druck. Die Abgeordneten forderten die EU-Kommission im Februar dazu auf, Vor- und Nachteile unter die Lupe zu nehmen - und die Regelung gegebenenfalls abzuschaffen. Aber auch mehrere EU-Länder äußerten Bedenken. Litauen, Estland und Lettland sprachen sich ebenso für eine Abschaffung aus wie Finnland.

Anfang Juli schaltete die EU-Kommission die Bürgerbefragung frei. EU-Bürger konnten angeben, ob sie künftig ohne Zeitumstellung leben möchten - und wenn ja, ob sie Winter- oder Sommerzeit bevorzugen. Auf Grundlage der Ergebnisse sowie anderer Studien und Meinungen will die Brüsseler Behörde entscheiden, ob sie einen Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegt. Sollte die Zeitumstellung in der EU abgeschafft werden, könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Sommer- oder Winterzeit haben will.

Warum gibt es diesen Wechsel überhaupt?

Das Tageslicht soll so besser genutzt werden. Seit 1996 gibt es eine einheitliche EU-weite Regelung. Seitdem beginnt die Sommerzeit Ende März und hört Ende Oktober auf. In dieser Zeit ist es abends eine Stunde länger hell - ein Plus für jede Gartenparty.

Was versprechen sich Gegner der Zeitumstellung von einer Abschaffung?

Sie argumentieren, dass tatsächlich keine Energie gespart wird. So schalten die Deutschen zum Beispiel laut der deutschen Umweltbundesamt zwar im Sommer wegen der Zeitumstellung abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird morgens allerdings mehr geheizt. Mediziner sehen zudem Risiken für die Gesundheit. Empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem Hin und Her haben - samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Die EU-Kommission betont indes, es lägen noch keine eindeutigen Erkenntnisse "über die Gesamtwirkung auf die Gesundheit" vor.

Kritiker führen auch wirtschaftliche Folgen, etwa für Landwirte, auf. Diese Befürchtungen dürften laut EU-Kommission dank neuer Technologie jedoch "weitgehend gegenstandslos geworden sein".

Wie spät es ist, ist in der EU nicht einheitlich - weshalb?

Unabhängig von der Sommer- und Winterzeit gibt es in der EU drei Zeitzonen. In Österreich und 16 weiteren Staaten herrscht die gleiche Uhrzeit (MEZ, Mitteleuropäische Zeit) - unter ihnen sind die Niederlande, Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen und Spanien. Acht Länder (Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern) sind eine Stunde voraus (OEZ, Osteuropäische Zeit), drei Staaten eine Stunde zurück (Irland, Portugal und Großbritannien; WEZ, Westeuropäische Zeit). Die Entscheidung über die Standardzeit ist eine nationale Angelegenheit und würde von einer Abschaffung der Zeitumstellung nicht berührt.

Wie war das Echo auf die Bürger-Konsultation?

Riesig. Allein in den ersten drei Tagen wurden mehr als 500 000 Online-Fragebögen ausgefüllt; zur Hälfte der Laufzeit gab es mehr als eine Million Antworten. Es wird damit gerechnet, dass sich die Mehrheit der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausspricht - weil Anhänger des Status quo meist weniger motiviert sind, sich freiwillig zu beteiligen. Die EU-Kommission kündigte an, am Freitag nur die Teilnehmerzahl der Umfrage zu veröffentlichen. Das Ergebnis der Abstimmung müsse erst ausgewertet werden, bevor es es präsentiert werde.

Haben die EU-Bürger in Sachen Zeitumstellung das letzte Wort?

Mitnichten. Die EU-Kommission warnt davor, der Umfrage zu viel Bedeutung beizumessen, oder sie gar als eine Art Referendum zu verstehen. Sie sei nur ein Teil der Bewertung. Sollte die Behörde unter Berücksichtigung aller Faktoren zu dem Schluss kommen, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte, könnte sie allerdings einen entsprechenden Vorschlag vorlegen. Dem müssten die EU-Staaten und das Europaparlament dann noch zustimmen.

Quelle: Apa,dpa

Aufgerufen am 11.12.2018 um 06:57 auf https://www.sn.at/panorama/international/wie-geht-es-weiter-mit-der-sommerzeit-hochspannung-um-eu-umfrage-38859928

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