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Wiener Historiker Falko Daim wird 60

Falko Daim, der Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz, feiert am Donnerstag seinen 60. Geburtstag. Der gebürtige Wiener studierte in Wien Ur- und Frühgeschichte.

Wiener Historiker Falko Daim wird 60 SN/APA/CARSTEN COSTARD
Falko Daim, Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz, wurde in Wien geboren.

Seine wissenschaftliche Karriere begann mit dem Reitervolk der Awaren, inzwischen ist der Wiener Ur- und Frühhistoriker Falko Daim Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz. Dort forciert er nicht nur wissenschaftliche Schwerpunkte wie einen Byzanz-Wissenschaftscampus oder die Erforschung der Archäologie der Krim im frühen Mittelalter, sondern auch die Erneuerung und Erweiterung der Infrastruktur, etwa mit der Errichtung eines Laboratoriums für Experimentelle Archäologie. Am Donnerstag feiert Daim seinen 60. Geburtstag.

Daim wurde am 28. Februar 1953 in Wien geboren. Er studierte Ur-und Frühgeschichte an der Universität Wien und promovierte 1976 mit einer Dissertation zum Thema "Die Awaren in Niederösterreich". Zu seinem Spezialgebiet kam Daim eher zufällig. "Das war leider sehr prosaisch: Wir waren damals nur sehr wenige Studenten und jeder bekam ein Fachthema vorgeschlagen. Für mich blieben die Awaren", erzählte der Wissenschafter im Gespräch mit der APA.

Awaren: "Wie Kolibakterien des Biologen"

Ein Glücksfall: Denn ein Gräberfeld in Leobersdorf sollte dann auch gleich zum Habilitationsthema des Historikers werden. "Wie die Kolibakterien für den Biologen, sind die Awaren ein wunderbares Spielmaterial mit einer enormen Fülle an Gräbern, bei der sich alle Methoden der Archäologie anwenden lassen", erklärte Daim.

Im Jahr 2000 wurde Daim Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Wien und publizierte vor allem über die Frühgeschichte im östlichen Mitteleuropa. Er stand dem Interdisziplinäre Forschungsinstitut für Archäologie (VIAS - Vienna Institute for Archaeological Science) vor, das sich mit "naturwissenschaftlicher Archäologie", wie beispielsweise Bioarchäologie, beschäftigt.

Historische Grabungen in Österreich

Daneben führte Daim auch zahlreiche Grabungen durch, vor allem in Niederösterreich und dem Burgenland. Er leitete etwa die vollständige Ausgrabung der Grabstätte im Seewinkel, wo im Jahre 2006 das älteste Zeugnis jüdischen Lebens in Österreich identifiziert werden konnte. Für seine Berufung im November 2003 an das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz, einem der renommiertesten archäologischen Forschungsinstitute in Europa, legte Daim seine Professur der Ur- und Frühgeschichte zurück, behielt jedoch seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien bei.

Eine Leidenschaft gilt auch der Gestaltung von Ausstellungen: 2012 zeigte die Schallaburg die von Daim kuratierte Schau "Das Goldene Byzanz & der Orient", in den nächsten Jahren plant der Museumsdirektor mindestens noch eine große Alchemie-Ausstellung, sowie eine Schau zum westlichen Blick auf Byzanz, die er in Österreich und Deutschland zeigen will. Auch für große Schauen wie die burgenländische Landesausstellung 1996 über "Hunnen und Awaren" sowie die niederösterreichische Landesausstellung 2001 "Sein und Sinn - Burg und Mensch" zeichnete er verantwortlich.

Mainz bleibt vorerst Lebensmittelpunkt

Die Awaren lassen das ordentliche Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts und korrespondierende Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften noch nicht ganz los: "Hier habe ich momentan viele Organisations- und Motivationsaufgaben, aber irgendwann kommt ein populäres Überblickswerk über die Geschichte und Archäologie der Awaren", verspricht Daim. Auch wenn sich einige Fragen auch durch seine Grabungen noch nicht endgültig klären haben lassen: Etwa, warum die Awaren keinerlei Vögel abbilden.

Momentan arbeitet der Museumsdirektor aber vor allem der Infrastruktur des Hauses: Um 41 Millionen Euro wird das RGZM wird neu errichtet. Die Finanzierung stehe, momentan arbeite man noch an einigen Planungsdetails, erklärte der Historiker. Ende 2014, spätestens aber 2015 soll der Bau starten, 2017 würde Daim gerne einziehen. "Ich habe hier ja noch etwa fünf bis sieben Jahre, da gibt es noch einiges zu tun", so Daim über seine Zukunft in Mainz.

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