Österreich

Alois Schwarz - ein Bischof in Erklärungsnot

Rote Zahlen, missachtetes Kirchenrecht und ein Verhältnis zu einer Frau: Vorwürfe gegen Bischof Alois Schwarz regen auf. Seine Vergangenheit in Kärnten holt ihn ein. Zu dieser schweigt er.

Es war ein eilig einberufener Termin, zu dem der Sprecher des Domkapitels der Diözese Gurk-Klagenfurt am Dienstag gebeten hatte: Nur 40 Minuten vor Beginn erging die Einladung an die Medien. In seinem Statement machte Engelbert Guggenberger dann mit der Veröffentlichung eines Prüfberichts reinen Tisch - obwohl die römische Bischofskongregation ihm das noch vor einigen Tagen per Weisung untersagt hatte.

Die Diözese sei durch die Amts- und Lebensführung ihres früheren Bischofs beschädigt worden, so der Kern des Berichts. Guggenberger: "Konkret sorgt die Beziehung des Bischofs zur früheren Leiterin des Bildungshauses St. Georgen bis heute für Gerede, Gerüchte und Spekulationen. Bischof Schwarz war durch dieses Abhängigkeitsverhältnis vom Gutdünken und von den Launen dieser seiner Vertrauten geleitet und bestimmt." Im Zusammenhang mit der Zölibatsverpflichtung sei Schwarz für Priester schlichtweg erpressbar gewesen.

Diese Offenheit anstelle des Gehorsams gegenüber Rom rechtfertigten Guggenberger und seine Mitstreiter - alle acht Mitglieder des Domkapitels - mit ihrem Gewissen. Das Team wollte die Vorwürfe gegen ihren früheren Bischof Alois Schwarz nicht länger verschweigen und für Transparenz sorgen. Die Situation habe Priester und kirchliche Mitarbeiter schwer belastet.

Bischofswechsel brachte Missstände ans Licht

Was war geschehen? Im Mai dieses Jahres ernannte der Vatikan den gebürtigen Niederösterreicher Alois Schwarz (66) zum Bischof von St. Pölten. Von 2001 bis 2018 stand er der Diözese Gurk-Klagenfurt vor. Dort übernahm interimistisch Engelbert Guggenberger die Leitung, bis ein neuer Bischof ernannt wird. Noch ist der Bischofsstuhl vakant.

Guggenberger hat offenbar grobe wirtschaftliche Missstände vorgefunden - in Schwarz' 17 Jahre dauernder Amtszeit dürfte einiges in Schieflage geraten sein, speziell in den letzten Jahren. Aus dem Prüfbericht des Mensalguts (den "Pfründen" des Bischofs) geht hervor, dass das Bistum 2016 und 2017 Verluste geschrieben hat. Im vergangenen Jahr waren es rund 1,9 Millionen, im Jahr davor 0,7 Millionen Euro.

Tiefrote Zahlen brachte das Bildungshaus St. Georgen samt dem Hotelbetrieb im Stift, dessen Auslastung zu wünschen übrig ließ. Die Mitarbeiterkosten im Hotel explodierten ab 2016, im Bereich des Bildungshauses findet sich der Vorwurf, dass Konzertbesucher einfach zu den Teilnehmern der hauseigenen Veranstaltungen dazuaddiert wurden. Der Prüfbericht attestiert besagter - mittlerweile entlassener - Leiterin Inkompetenz. Fragwürdig erscheint bei dem Betriebserfolg auch der Bau eines Badehauses um eine Million Euro. Dazu wurde das Statut des Bistums nicht eingehalten. Da einzelne Mitglieder des Aufsichtsgremiums dagegen protestierten, wurde es von Bischof Schwarz aufgelöst und das Statut geändert. Im Bericht heißt es: "Ein so abgeändertes Statut entspricht nicht den im kirchlichen Vermögensrecht gegebenen Normen."

Regressforderungen an Schwarz

"Betreffend des materiellen Schadens werden an Bischof Schwarz Regressforderungen gestellt", sagte Guggenberger. In welcher Höhe, ließ er allerdings offen.

Der beschuldigte Bischof schwieg nach den Vorwürfen und war für Medien nicht erreichbar. In einer Stellungnahme in der Vorwoche hatte er erklärt, dass die Rohfassung des gestern, Dienstag, veröffentlichten Berichts die "Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und der ergänzenden Bestimmungen der Geschäftsordnung für den Wirtschaftsrat und der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung festhält". Dass Alois Schwarz sich also keiner Schuld bewusst zu sein scheint, rief das Domkapitel auf den Plan, das die Vorwürfe aufdeckte.

Engelbert Guggenberger kritisierte, dass sowohl die Bischöfe in Österreich, als auch Verantwortliche in Rom seit Jahren über die Zustände in Kärnten Bescheid gewusst, aber nicht reagiert hätten. Die Diözese Gurk gehört zur Kirchenprovinz Salzburg. Deren Erzbischof Franz Lackner gab gegenüber den SN keine Stellungnahme ab. Auch Kardinal Christoph Schönborn schwieg zu der Causa. Denn: Die römische Bischofskongregation prüft derzeit die Verhältnisse rund um Schwarz' Wirken in Kärnten.

Ob Gurk-Klagenfurt wegen der Veröffentlichung des Berichts Konsequenzen aus Rom drohen? "Wir fürchten uns jedenfalls vor gar nichts", geben sich Kircheninsider kämpferisch.

Aufgerufen am 21.05.2019 um 08:30 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/alois-schwarz-ein-bischof-in-erklaerungsnot-62725711

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