Österreich

Angestellte bestahlen Wiener Getränkehandel palettenweise

Zwei Angestellte eines Getränkehandels im Besitz einer Wiener Brauerei haben ihren Arbeitgeber palettenweise um Red Bull, Eistee sowie Corona- und Budweiser-Bier bestohlen. Das von Werner Tomanek vertretene Pärchen kam am Dienstag am Landesgericht mit einer Diversion davon, falls es innerhalb von zwei Jahren 60.000 Euro Schaden gutmacht, der Hauptabnehmer muss 100 Stunden Sozialarbeit leisten.

Nach Darstellung des ehemaligen Logistikleiters war die Tochtergesellschaft der Brauerei ein Selbstbedienungsladen, bei dem sich die Angestellten offenbar nach Gutdünken für private Zwecke mit Getränken etwa für Geburtstags- oder Grillfeiern eindeckten. Er selbst hob dies jedoch ab 2015 auf ein ganz neues Niveau.

"Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das zu machen?", wunderte sich Richterin Claudia Bandion-Ortner. Letztlich war es die Liebe zueinander, die zuerst aus dem 40-Jährigen, dann auch aus der 30-Jährigen Langfinger machte: Die beiden hatten nämliche eine Affäre begonnen, aufgrund derer zuerst seine Ehe zerbrach. "Dann hat uns ein von ihrem Mann engagierter Detektiv in einem Grazer Hotel beim Sex erwischt, den hab ich dann auch noch zahlen müssen." Dazu kamen Alimente und Anwaltskosten für Sorgerechtsstreitigkeiten. "Wohnung und Einrichtung haben wir auch gebraucht, da blieben nur mehr 250 Euro im Monat übrig", behauptete der Angeklagte, der mehr als 5.000 Euro brutto samt Firmenwagen verdiente. "Und gönnen wollten wir uns auch ab und zu etwas."

Zunächst alleine, dann mit seiner Geliebten, stahl der 40-Jährige vor allem Red Bull - eine Palette mit 108 Trays und 24 Dosen je Tray kosteten seinem Arbeitgeber nicht ganz 2.500 Euro im Einkauf. Bei einem Gewicht von 750 Kilogramm war es nicht unpraktisch, dass der Fuhrparkleiter einen Transporter zur Verfügung stellte. Dieser Mitwisser war bereits vor dem aktuellen Prozess mit einer Diversion bedacht worden.

Der Großteil des Diebesguts ging an den Besitzer einer Autowerkstätte samt Imbiss. Der 43-Jährige gab auch zu, angesichts von 50 Cent pro Dose geahnt zu haben, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging.

Dass die Unterschlagungen schließlich auffielen, ist dem Umstand geschuldet, dass die Firma 2016 auf die Unternehmenssoftware SAP wechselte. Zuvor hatte man Lagerstand und Buchhaltung mit gesonderten Programmen verwaltet, weshalb der Schwund durch diverse Manipulationen des Logistikleiters nicht wirklich aufgefallen war. Im Dezember 2016 fiel man aus allen Wolken, der Angeklagte war bald ausgeforscht. Den Vertreter der Brauerei schockierte dabei besonders, dass den Angestellten zwar aufgefallen war, dass vor allem an den Wochenenden ganze Paletten verschwanden, doch hatte nie jemand etwas gemeldet.

Die Richterin wunderte sich, dass nie die Hausmarke der Brauerei gestohlen worden war: "Ist das nicht so gut?" "Es ist zu billig", meinte dazu der Vertreter des Unternehmens. "Mit Mineralwasser hätte ich mich nicht so bereichern können", begründete der Hauptangeklagte seine Getränkewahl.

Was den Schaden betrifft, gab der 40-Jährige 50.000 Euro, seine Komplizin 30.000 Euro zu. Die Brauerei berechnete hingegen 60.000 Euro für 2016 und das Doppelte für 2015. Im Zuge der Diversion muss das Pärchen, beide haben neue Jobs, innerhalb von zwei Jahren 60.000 Euro bezahlen, die 120.000 Euro jedoch muss das Unternehmen über den Zivilrechtsweg einklagen. Bandion-Ortner machte allen drei Angeklagten klar, dass sie noch mit einem "blauen Auge" davongekommen sind.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.01.2021 um 06:30 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/angestellte-bestahlen-wiener-getraenkehandel-palettenweise-66757603

Schlagzeilen