Österreich

Bundeskanzler Kurz: Schulen könnten auch nach Ostern geschlossen bleiben

Rückkehr zur Normalität - dafür werden die Österreicher noch einiges an Geduld aufbringen müssen. Auch an den Schulen wird der Alltag wohl noch längere Zeit nicht einkehren.

Denn: Die Schulen werden angesichts der Coronakrise wohl nicht so bald wieder öffnen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte am dienstagabend in der "ZiB1" zur Frage, wie es nach der Sperre bis zunächst nach Ostern weitergehe: "Es kann schon sein, dass die Schule noch deutlich länger geschlossen bleibt." Zuletzt war schon bekannt geworden, dass die Zentralmatura nicht vor Mitte Mai stattfinden wird.

"Ob die Schulen bis zum Sommer überhaupt noch einmal für den Regelunterricht aufsperren, wird infrage gestellt" - das schreiben die "Salzburger Nachrichten" in einem Hintergrundbericht zur aktuellen Lage.

Bereits am 11. März hieß es angesichts damals noch bevorstehender Schulschließungen: "Die Schul-Maßnahmen gelten vorerst bis einschließlich der Osterferien (Ostersonntag ist der 12. April), eine Ausdehnung ist aber nicht ausgeschlossen, sollten die Infektions-Fallzahlen weiter ansteigen. Betroffen sind rund 411.000 Oberstufenschüler und 690.000 Schüler an AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen und Volksschulen sowie mehr als 300.000 Kinder unter sechs Jahren, die derzeit eine Kinderbetreuungseinrichtung besuchen."

Kanzler Kurz zur Coronavirus-Situation:

Wie lang die aktuellen allgemein gültigen Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen noch dauern werden? Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte Dienstagmittag: "Die ehrliche Antwort ist: Wir haben noch kein valides Zahlenmaterial. Wir bitten um Geduld bis Freitag. Die Maßnahmen brauchen, bis sie greifen."

Am Freitag werde die Bundesregierung die Bevölkerung dann über den aktuellen Stand informieren. Allerdings dämpfte er die Hoffnung, dass die Maßnahmen nach dem 14. April ordentlich zurückgefahren werden könnten.

Möglich sei höchstens eine schrittweise Verringerung, das könne er schon sagen, die Betonung liege auf Ziel und auf schrittweise. "Wir werden nach Ostern in einer Phase sein, die der heutigen mehr ähnelt als dem Normalzustand." Wie genau es bezüglich Ausgangsbeschränkungen, geschlossener Schulen, Geschäfte und Restaurants weitergehen werde, wollte der Bundeskanzler auch auf Nachfrage nicht konkretisieren.

Weitere Schritte im Schulwesen

Klar sei: "Es wird nicht das Leben von heute auf morgen wieder so sein, wie es war." Lockerungen der Maßnahmen werde es erst geben können, wenn man beim Wachstum der Infektionskurve im einstelligen Bereich sei. "Ziel ist es, dass sich die Ansteckung nur alle 14 Tage verdoppelt." Es sollten sich nicht mehr Menschen anstecken, als gleichzeitig wieder gesund werden. Gleichzeitig müsse vorgesorgt werden, dass es im Falle einer Lockerung nicht zu einem neuerlichen Anstieg der Krankheitsfälle komme. Der Bundeskanzler brachte hier unter anderem auch den Einsatz von "Big Data" ins Spiel, ohne konkret zu werden.

Das war die Pressekonferenz:

Kurz vergaß nicht, die Österreicher zu loben und weiter zu motivieren. "Wir haben es in der Hand, dass es in Österreich keine Zustände wie in Italien oder Spanien gibt", betonte er. Einzelne dürften aber nicht die Mehrheit gefährden, deswegen werde die Polizei auch strafen, wenn Leute sich nicht an die Maßnahmen hielten, diesbezüglich habe er den Innenminister angewiesen. Die Regierung arbeite intensiv an der Beschaffung von Schutzausrüstung und dem Ausbau der Testkapazitäten. Diese sollen auf 15.000 pro Tag ausgebaut werden. "Wir werden auf Schnelltests setzen, um bald 100.000 Menschen breitenwirksam zu testen."

Mit 100 Millionen Euro soll seinen Informationen nach die Pflegearbeit unterstützt werden, damit solle der Ausfall von 24-Stunden-Pflegern und -Pflegerinnen aus dem Ausland zumindest abgefedert werden. Was den Arbeitsmarkt betreffe: "Ich ersuche alle Unternehmen noch einmal, auf das Modell der Kurzarbeit zu setzen, es steht allen Unternehmen offen." Das Paket für die Härtefälle wird seinen Worten nach gerade aktualisiert, und es werde ab nächster Woche möglich sein, Beträge auszuzahlen. "Abschließend ein großes Danke an alle Österreicherinnen und Österreicher."

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) erinnerte daran, man solle sich nur kurz im Freien aufhalten und das Ganze nicht überdehnen. Er kritisierte, dass Menschen immer noch "Touren organisieren oder sich stundenlang im Freien bewegen". "Das war nicht die Idee, die Idee ist, dass man sich für kurze Zeit im Freien bewegen kann und das tunlichst alleine." Er appellierte einmal mehr, dass sich alle daran halten. Ansonsten sehe man sich "gezwungen hier nachzuschärfen". Es benötige die "freiwillige Mitwirkung der Bevölkerung".

Auch Kogler appelliert an die Unternehmen, das Kurzarbeitsmodell zu übernehmen. "Wir werden das so lang dotieren, solang die Mittel gebraucht werden. Die Betroffenen müssen dadurch nicht in die Arbeitslosigkeit." Für einen Neustart nach der Coronakrise sei die Kurzarbeit die beste Voraussetzung. "Auch Freiberufler können das nutzen, es ist ein völlig neues Modell. Es gibt kaum mehr eine Branche, die es nicht nutzen kann." Dazu komme der Härtefallfonds, bei dem gegen Ende der Woche schon die ersten Anträge bei der Wirtschaftskammer gestellt werden können. "Es gibt eine Erstauszahlung, die unbürokratisch stattfindet."

Anschober: "Maßnahmen schlagen sich noch nicht in Zahlen nieder"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte, bis auf Tirol gebe es österreichweit weniger Ansteckungen. "Der Gesamttrend hat sich verbessert, ist aber noch nicht dort, wo wir hinwollen. Wir haben einen Peak in Tirol, wo wir uns besonders anstrengen müssen, um eine Trendwende zu erreichen." Die Schwierigkeit sei, dass die Maßnahmen seit acht, neun, zehn Tagen liefen, aber sich noch nicht in den Zahlen niederschlügen. "Deswegen werden wir die Zahlen am Freitag noch einmal evaluieren und uns dann ansehen, wie sich das zweite Maßnahmenpaket auswirkt."

Die weitere Strategie ist für den Gesundheitsminister klar: soziale Kontakte vermeiden, Verdachtsfälle testen, Kranke und ihr Umfeld isolieren und damit die Ausbreitung des Coronavirus aufhalten.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verdeutlichte noch einmal, dass die Ausgangsbeschränkungen einzuhalten seien. "Es sind nur noch wenige, die nicht verstehen wollen, sich an die Regeln zu halten. Und die werden jetzt konsequent angezeigt." Die Kriminalität verändere sich, Einbruchskriminalität nehme naturgemäß ab, im gleichen Zug steige die Internetkriminalität. Die Lage an den Grenzen habe sich stabilisiert, vor allem an der ungarischen Grenze.

Der Blog zur Coronavirus-Krise:

Quelle: SN

Aufgerufen am 02.04.2020 um 10:36 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/bundeskanzler-kurz-schulen-koennten-auch-nach-ostern-geschlossen-bleiben-85314811

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