Österreich

Die Kinderkostenstudie auf einen Blick

Erstmals seit 1964 wurde am Donnerstag vom Sozialministerium eine neue Kinderkostenstudie der Statistik Austria vorgelegt. Die damalige Konsumerhebung ist nach wie vor Grundlage für die Höhe von Transferleistungen (etwa Unterhaltszahlungen), die Werte wurden dafür nur jährlich auf Basis des Verbraucherpreisindexes valorisiert. Die aktuellen Daten sollen heutigen Lebensrealitäten unterschiedlicher Familienformen besser abbilden. Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

ZWEI-ERWACHSENEN-HAUSHALTE: Ein Kind kostet in einem Haushalt mit zwei Erwachsenen im Schnitt 494 Euro pro Monat (von der indirekten Messung umfasst sind direkte Ausgaben für Kinder ebenso wie indirekte etwa bei Bedarf nach einer größeren Wohnung). Dabei gilt: Je älter das Kind, umso teurer. Während für Unter-14-Jährige im Schnitt Kosten von 395 Euro anfallen, sind es bei Kindern über 14 bereits 659 Euro (Daten für das 1. Quartal 2021). Noch konkreter: Ein Kind unter fünf kostet der Studie zufolge im Monat 308 Euro, ein 20- bis 24-Jähriger mit 703 Euro mehr als das Doppelte.

EIN-ERWACHSENEN-HAUSHALT: Anders als in der Kinderkostenstudie der 1960er hat man sich diesmal nicht nur an einer "Normfamilie" aus Vater, Mutter und zwei Kindern orientiert, sondern auch die Situation von Alleinerzieherinnen und -erziehern beleuchtet (6,6 Prozent der österreichischen Familien). Diese kommt ein Kind im Vergleich deutlich teurer, vor allem wegen der bei geringer Haushaltsgröße höheren Fixkosten, aber auch weil Alleinerziehende im Schnitt ältere Kinder haben, die entsprechend mehr Kosten erzeugen. Konkret sind es im Schnitt 900 Euro pro Monat (unter 14: 727, über 14: 1.384; Unter 5: 493 Euro, 20 bis 24 Jahre: 1.525).

ÄQUIVALENZZAHL: Die Statistik Austria hat berechnet, wie viel mehr an finanziellen Mitteln ein Haushalt mit Kindern im Vergleich zu einem kinderlosen Haushalt bräuchte, um denselben Lebensstandard zu erreichen. Auch hier sind Alleinerziehende im Nachteil: Ein Zwei-Erwachsenen-Haushalt bräuchte bei einem Kind um elf Prozent mehr Einkommen, bei zwei Kindern um 23 Prozent. Eine Alleinerziehende bräuchte unterdessen bei einem Kind ein Plus von 43 Prozent, bei zwei Kindern von 68 Prozent.

DIREKTE GELDLEISTUNGEN: In der Studie "Monetäre Familienleistungen 2021" hat das Wifo zudem untersucht, welche Leistungen und in welcher Höhe Ein-Eltern- bzw. Zwei-Erwachsenen-Haushalte bekommen. Die direkten Geldleistungen (exklusive Kinderbetreuungs- und Wochengeld) sind dabei bei Zwei-Erwachsenen-Haushalten (209 Euro pro Monat) und Alleinerziehenden (217 Euro bei im Schnitt älteren Kindern) noch sehr ähnlich.

INDIREKTE GELDLEISTUNGEN: Aus steuerlichen Begünstigungen bekommen Zwei-Erwachsenen-Haushalte mit 119 Euro pro Monat etwas mehr als Alleinerziehende (104 Euro), besonders groß ist die Differenz beim Familienbonus Plus (105 gegenüber 62 Euro). Alleinerzieher können letzteren seltener ausschöpfen, weil der Zugang ohne Partnereinkommen schwieriger ist. Auch mit mehr Kindern kann man den Bonus laut Studie seltener ausschöpfen, bei Alleinerziehern mit mehreren Kindern summieren sich die Einschränkungen. Der Alleinerzieherabsetzbetrag kann laut Studie nur einen Teil des Nachteils kompensieren.

EINKOMMENSGRUPPEN: Einen starken Unterschied gibt es auch beim Ausschöpfen monetärer Familienleistungen je nach Einkommensgruppe. Insgesamt erhalten Familien aus dem untersten Einkommensfünftel pro Monat mit 298 Euro unterdurchschnittlich viele Mittel, Familien aus dem obersten Einkommensfünftel mit 345 Euro überdurchschnittlich viel. Bei den direkten Geldleistungen erhalten die Bestverdiener etwas mehr, weil sie im Schnitt älter sind und auch ältere Kinder haben (225 gegenüber 214 Euro pro Monat). Besonders ausgeprägt ist der Unterschied aber bei den steuerlichen Begünstigungen (120 gegenüber 84 Euro monatlich).

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